Papst im Libanon

Frieden durch Freiheit

Wer Frieden will, muss den Menschen verteidigen. Mit einer Grundsatzrede über eine neue Friedenskultur hat Papst Benedikt XVI. am zweiten Tag seiner Nahostreise den Politikern und Religionsführern der Region ins Gewissen geredet.

Frieden ist nur möglich, wenn die Menschen in Freiheit und gegenseitigem Respekt leben. Bei einem Treffen mit Politikern, Diplomaten und Vertretern der Religionen in Beirut forderte er ein „neues Modell der Brüderlichkeit“. Der Pontifex ging in seiner Rede nicht auf aktuelle politische Konflikte ein. Er zog es vor, in einer philosphisch-anthroplogischen Abhandlung über die Voraussetzungen des Friedens zu sprechen. Der Preis für Frieden sei die Freiheit. Damit sich der freie Mensch aber nicht für das Böse entscheide, brauche es eine Erziehung zum Frieden, in deren Zentrum die unveräußerliche Würde des Menschen stehe. „Die Wirksamkeit des Einsatzes für den Frieden hängt davon ab, welche Auffassung vom menschlichen Leben die Welt haben kann“, so der Papst. Ohne eine „gesunde Anthropologie“ sei der Aufbau eines wahren Friedens nicht möglich.

Familie trägt besondere Verantwortung

Jegliche Gewalt sei damit unvereinbar. Bei seinen Ausführungen hatte Benedikt XVI. nicht nur den Nahen Osten im Blick. Angriffe auf die „Unversehrtheit“ des Menschen gebe es auch in anderen Ländern. Als Beispiele nannte er etwa Arbeitslosigkeit, Korruption, Armut und Terrorismus. Als Voraussetzungen für den Frieden sieht Benedikt gegenseitiges Vertrauen und die Achtung der Identität des Anderen sowie ein Teilen von Reichtümern und Kompetenzen. Dabei sieht Benedikt XVI. neben den Politikern und Religionsführern vor allem die Familien in einer besonderen Verantwortung. Sie seien die ersten Erzieherinnen zum Frieden. Gerade im Libanon gebe es viele Familien, in denen Christen und Muslime zusammenlebten. „Wenn das innerhalb einer Familie möglich ist, warum sollte das Gleiche dann nicht für die Gesellschaft als Ganzes gelten?“

Die kulturellen, sozialen und religiösen Unterschiede müssten dazu führen, ein neues Modell von Brüderlichkeit zu leben, wo eben das Verbindende die gemeinsame Auffassung von der Größe des ganzen Menschen sei. „Dort ist der Weg des Friedens zu finden!“ ist Benedikt überzeugt. Eine plurale Gesellschaft könne nur aufgrund des gegenseitigen Respekts, dem Wunsch, den anderen kennenzulernen und des ständigen Dialogs existieren. Unabdingbar ist für den Papst dabei das Recht auf Religionsfreiheit. Sie habe eine unverzichtare gesellschaftliche und politische Dimension das sie eine friedliche Koexistenz fördere.

Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Religion

Die Rede des Papstes im Präsidentenpalast in Beirut fügt sich ein in die Reihe der großen Grundsatzreden des Papstes zum Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Religion, die er bei seinen Auslandsreisen in den vergangenen Jahren immer wieder gehalten hat. Vor der Rede stattete Benedikt XVI. dem libanesischen Präsidenten einen Höflichkeitsbesuch ab und traf Vertreter des Islams. Dabei betonte der sunnitische Großmufti des Libanon, Scheich Mohammed Raschid Kabbani, dass die Muslime die Abwanderung der Christen aus dem Nahen Osten bedauerten. Das Christentum gehöre zur Region. Er begrüßte, dass der Vatikan wiederholt islamfeindliche Aktionen verurteilte wie zuletzt im Falle der Verunglimpfung des Propheten Mohammed durch ein US-Amateurvideo.

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