Politik als Nahkampf

Ein Wahlkampftag mit Johannes Kahrs

Eine kleine Straße hinter dem Hamburger Hauptbahnhof am frühen Donnerstagmorgen: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs verlässt sein Haus. Bereitwillig lässt er sich von unserem Team ein Mikrofon ans Jackett heften. Wir wollen ihn in den kommenden 15 Stunden beim Nahkampf mit den Wählern begleiten. Kahrs überquert eine Straße, geht Richtung U-Bahn, eine Treppe runter. Sein Gesicht wird beleuchtet von seinem Smartphone. Kahrs ist immer online. Kaum ein Bundestagsabgeordneter twittert so viel wie er.

Es geht Richtung Barmbek. Kahrs und sein Wahlkampfteam aus einigen jungen Leuten in blauen T-Shirts verteilen Flyer und Kugelschreiber mit Kahrs‘ Namen drauf. „Den behalten die Leute gern und erinnern sich so an mich“, sagt Kahrs.

3000 Flyer in anderthalb Stunden

Die ersten 3000 Flyer sind binnen anderthalb Stunden verteilt. „Mehr als ein freundliches Moin kann man morgens nicht von den Leuten erwarten“, meint Kahrs, „einige wenige pöbeln auch mal“. An diesem Morgen bleibt alles friedlich. Kahrs weitere Stationen: ein Wahlstand im Stadtteil Horn, Besuche bei Wählern zuhause (Kahrs kommt auf Einladung und bringt Kuchen mit), ein kleiner Vortrag bei der Arbeiterwohlfahrt, ein Wahlstand im Stadtteil St. Georg, eine Podiumsdiskussion mit seinen Wettbewerbern in einer Schule.

Zwischendrin setzt sich Kahrs zu einem Interview mit uns an den Rand eines Marktplatzes. Ob er ein Getriebener sei? „Ich bin kein Philosoph“, sagt er, „ich mache mir nicht viele Gedanken um den Stress als Abgeordneter. Ich nehme es, wie es kommt und organisiere meine Büros und Strukturen so, dass ich die Arbeit bewältige.“ Kahrs‘ Antrieb ist die Vielfalt des Jobs, sagt er. Mal kümmere er sich darum, dass ein Jugendheim gebaut werde, mal müsse er am Telefon einen tobenden Sigmar Gabriel beruhigen, nachdem Kahrs „mal wieder was falschgemacht“ habe. Wer Kahrs im Wahlkreis und in Berlin beobachtet, erlebt einen Politiker, der Wähler dadurch von sich überzeugen will, dass er ihnen persönlich begegnet, ihnen die Hand schüttelt oder sie auf eine Tour in die Hauptstadt einlädt. Politik ist für Kahrs Nahkampf. Tag für Tag. Stunde für Stunde.

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