Rätselhafte "Veronika"

Hat es nie eine Schweißtuch-Episode gegeben?

Der "Schleier der Veronika" gibt Rätsel auf - in zweierlei Hinsicht: Zum einen soll das Tuchbild sein, das auf dem Weg Christi zu seiner Hinrichtung entstanden ist. In der Bibel gibt es jedoch keinerlei Anhaltspunkte für dessen Existenz. Zum anderen bezweifeln Experten die Echtheit des "Schleiers von Veronika", der jährlich in Rom gezeigt wird.

Veronika reicht Jesus ein Schweißtuch

Noch heute wird in der Schatzkammer des Petersdoms der Rahmen aufbewahrt, in dem einst das Christusbild, der "Volto Santo", gefasst war. Der Rahmen ist leer, und das Glas, das die wertvolle Reliquie schützen sollte, ist gebrochen. Spuren der Zerstörung sind ein Zeugnis der dramatischen Ereignisse des Raubes. Zwar finden viele verschwundenen Objekte den Weg zurück in die Schatzkammer des Petersdoms - der "Volto Santo" zählt jedoch nicht dazu.

Schleier der Veronika - eine Fälschung?

Im Vatikan wird seit dem Jahr 1529 der "Schleier der Veronika" präsentiert, das Tuchbild, das auf dem Kreuzweg Christi entstanden sein soll. Der Historiker Dr. Saverio Gaeta aus Rom ist davon überzeugt, dass das "Schweißtuch der Veronika" jedoch nicht mehr in Rom zu finden ist. Ist das Tuch von Rom eine Täuschung? Ein blasser Ersatz für das verlorene Original? Gibt es vielleicht eine Verbindung zwischen dem "Volto Santo" und dem "Schleier der Veronika"? Das Tuchbild, das alljährlich präsentiert wird, hält der Historiker für eine Fälschung.

Nicht nur Dr. Saverio Gaeta bemängelt, dass auf dem Tuchbild, das im Petersdom gezeigt wird, nichts zu sehen ist - ein Umstand, den der Romkritiker Martin Luther bereits im Jahre 1545 beklagte: "Mit der Veronika tun sie so, als sei unseres Herren Angesicht in das Schweißtüchlein gedrückt. Aber es ist nichts als ein klares Linnen vor einem schwarzen Brett." Buchautor Paul Badde, der sich persönlich aus der Nähe davon überzeugen konnte, dass auf diesem Schweißtuch, nichts zu sehen ist, ist der Meinung, es handele sich bei dem "Volto Santo" um die echte "Veronika". Auch andere Experten halten eine Verbindung zwischen dem "Volto Santo" und dem Kreuzweg Christi nicht für abwegig.

Kein Beleg für Veronika-Legende

Kann der Vorfall auf dem Kreuzweg die Entstehung des "Volto Santo" erklären? Während die Überlieferung von Veronika berichtet, die als Geste der Barmherzigkeit Jesu mit einem feuchten Tuch erfrischen möchte, erzählt die Bibel eine andere Geschichte: Eine Frau steht am Wegesrand. Sie bleibt unbeteiligt, als Jesus zu Fall kommt. Niemand greift freiwillig ein, ein Bauer, Simon von Kyrene, wird verpflichtet, Jesus zu helfen.

Eine Schweißtuch-Episode mit einer Frau namens Veronika hat es nie gegeben. Professor Zwickel bestätigt: "Wenn wir ins Neue Testament schauen, dann haben wir dort aber keine Veronika-Legende. Und keinen Text, der von einer Veronika etwas erzählt."

Veronika - das wahre Bild Christi?


"Vielleicht war alles auch nur ein Missverständnis, bedingt durch den Namen Veronika", meint Professor Zwickel, und erklärt, wie es dazu gekommen sein könnte: "Veronika besteht aus zwei Teilen, vera - wahr und eikon - das Bild. Zusammengesetzt Veronika - das wahre Bild Christi. Um die Herkunft eines authentischen Porträts Jesu zu begründen, taugt die Veronika-Legende, so wie wir sie heute haben, jedenfalls nicht. Aber vielleicht gibt es ja einen anderen Weg, nämlich die Frage nach den Bestattungssitten zur Zeit Jesu."

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