Rätselhafte Wundmale

Wurde Franziskus durch den Seraphen stigmatisiert?

Der Berg La Verna wird zum Schauplatz des Geschehens, das zur Verklärung der Gestalt des Franziskus führt. Hier hat Franziskus die Vision eines Seraphen. Danach liegt er bewußtlos am Boden, sein Körper weist Wundmale auf: An Händen, in der Seite - an den Füssen. Die Stigmata, die Wundmale des gekreuzigten Christus. Wie sind die Wundmale des Franziskus zu erklären?

Vision eines Seraphen

Das Felsenkloster wird zum heiligsten, aber auch rätselhaftesten Ort der franziskanischen Bewegung. Zweifel und Bitterkeit erlebt Franziskus hier, aber auch Gewissheit und Versöhnung, wie sie im von ihm selbst geschriebenen Lied an die Sonne zum Ausdruck kommen sollte: 'Selig, die in Deiner allerhöchsten Gande sterben, der Tod kann ihnen nichts anhaben'.

"Tiefe Niedergeschlagenheit"

"Als Franziskus in La Verna ankam, war er äußerst niedergeschlagen", meint Professor Chiara Frugoni: "Er musste einsehen, dass er die Zukunft nicht mehr beeinflussen konnte, und sich der Orden ganz anders entwickeln würde, als er es wollte. Er fühlt sich verlassen von Gott, wie Christus, und ahnt, dass er dessen Schicksal teilen könnte."

Jesus von Assisi Quelle: ZDF/Giuseppe Bianco


Franziskus zieht sich zur Meditation in eine Felsnische auf dem Berg La Verna zurück. Tagelanges Fasten, Schlafentzug und Selbstgeißelungen gehen dem Ereignis voraus, das ihn zu einer jesusgleichen Gestalt machen sollte. Am 17. September 1224, drei Tage nach dem Fest der Kreuzerhöhung Christi, hat Franziskus den Berichten zufolge am helllichten Tage eine außerordentliche Vision.

Wundmale des Franziskus

Ein Seraph erscheint Franziskus - ein Engel mit sechs Flügeln, in der Haltung eines Gekreuzigten. Einer seiner engsten Vertrauten, Bruder Leo, findet Franziskus schließlich: besinnungslos, blutend, gezeichnet. Sein Körper weist Wundmale auf, die Stigmata des gekreuzigten Christus, an den Händen, in der Seite und an den Füssen. Wie aber sind die Wundmale des Franziskus zu erklären? Übersinnliches Geschehen oder Selbstverstümmelung im Zustand der Trance?


Professor Helmut Feld findet eine relativ simple Erklärungsweise: "Wir sind im Zeitalter der Kreuzzüge und es ist überliefert, dass sich viele Leute, tausende, die sich auf den Weg nach Jerusalem begaben, Wundmale beigebracht haben in der Nachfolge Christi, weil sie eben auch das Leiden Christi äußerlich an ihrem Körper erleben und vollziehen wollten und nichts anderes, meine ich, ist bei Franziskus der Fall." Für die Teilnehmer der Prozession, die täglich auf dem La Verna stattfindet, gibt es keinen Grund, an den übernatürlichen Geschehnissen zu zweifeln.

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