Schätze an alten Schriften

Die "Evangelien" von Nag Hammadi

In Oberägypten bei dem Ort Nag Hammadi wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert eine große Sammlung an Schriften gefunden. Aus Unwissenheit vernichtete eine Frau einen Teil dieser Schriften, benutzte sie als Feueranzünder. Nur ein Zufall konnte die Dokumente retten, die Zeugnis geben über die Vielfalt der Lehren, die das frühe Christentum kennzeichnete.

Alte Frau heizt mit Schrifen ihr Feuer an Quelle: ZDF

In Oberägypten nahe dem Ort Nag Hammadi stößt ein Bauer bei der Feldarbeit auf einen im Boden vergrabenen Gegenstand. Es ist ein Tonkrug, wie sie bis heute in diesem Land in Gebrauch sind. Gemeinsam mit einem Nachbarn birgt er das Gefäß, in der Hoffnung, es enthalte Schmuck oder Münzen.

Ungeduldig zerschlagen die beiden Männer den Krug. Zum Vorschein kommen alte Schriften auf Papyrus. Wertloses Zeug, wie sie glauben, das sie nicht lesen können. Eine Frau aus der Familie des Bauern nutzt die Schriften als Brenn-Material, um ihren Backofen damit anzuheizen. Die Frau ahnt nicht, dass sie wahre Schätze an alten Schriften vernichtet.

Zufall rettet "Schriften von Nag Hammadi"

Dann kommt ein Zufall der Entdeckung zu Hilfe: Ein Priester der koptischen Kirche, der christlichen Kirche Ägyptens, bekommt einige Blätter zu sehen. Er kann die Schrift lesen. Er ahnt, dass es sich um wertvolle Texte aus der Antike handelt. Dadurch werden die Schriften gerettet.


Über den Schwarzmarkt in Kairo gelangen die Dokumente, die als Schriften von Nag Hammadi bekannt werden sollen, in das koptische Museum, wo sie heute aufbewahrt werden. Es sind Evangelien: Schriften, die die Geschichte Jesu und seine Lehren wiedergeben. Eines der besterhaltenen Manuskripte ist das "Evangelium des Thomas". Die Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels erklärt das Neue an den Schriften: "Mit der sensationellen Entdeckung der Schriften von Nag Hammadi 1945 wurde klar, dass das frühe Christentum eine Vielfalt christlicher Lehren prägte, die viel unterschiedlicher und aufregender waren, als alles, was man bisher kannte." Es gibt also nicht nur die vier kanonischen Evangelien. Dafür ist der Beweis erbracht.

Koptische Inschriften

Höhle bei Nag Hammadi Quelle: ZDF


Nicht weit entfernt von dem Fundort der Schriften in Oberägypten wird in einer Grabhöhle ein weiterer Fund gemacht. In einem felsigen Abriss in der Höhe bot die alte Grabhöhle Zuflucht vor Verfolgung. Denn Kämpfe waren in der Frühzeit des Christentums keine Seltenheit - es ging um die Wahrheit der Überlieferungen, um den "richtigen" Glauben. In der Höhle an den Wänden finden sich koptische Inschriften, eine Sprache, die die Christen Ägyptens entwickelten und die sich griechischer Buchstaben bediente. Die Sprache, in der auch die Schriften von Nag Hammadi verfasst waren.

Beruht unser Wissen über das Leben Jesu auf einseitig ausgerichteten, auf manipulierten Informationen? Ist das, was unsere Bibel über Jesus berichtet, vielleicht falsch oder unvollständig? Schon das frühe Christentum war sich uneinig. Unterschiedliche Glaubensrichtungen bekämpften sich. Es gab Gruppierungen, die sich auf ihre eigenen "Evangelien" beriefen, nicht auf die kanonischen, die wir aus dem Neuen Testament kennen. Von ihren Gegnern wurden sie als "Ketzer" verfolgt, ihre Schriften bezeichnete man als "Evangelien der Ketzer".

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