Schwarzer Tod: Die Pest

Die Hölle auf Erden im Mittelalter

Im Europa des Mittelalters herrschte Endzeitstimmung. Eine große Furcht hat die Menschen ergriffen: Die Pest wütete. Städte, Dörfer, ganze Landstriche wurden entvölkert. Gottes Zuchtrute, so dachte man, ginge auf die sündige Menschheit nieder.

Pestbegräbnis
Pestbegräbnis Quelle: ZDF

Und die verängstigten Menschen glaubten, den Grund für das große Sterben zu kennen: Gottes Strafgericht sei gekommen. Nun also würde sich entscheiden: Kann ich vor dem Weltenrichter bestehen, komme ich ins himmlische Paradies? Oder straft mich Gott für meine Sünden, schickt er mich zu den Verdammten, ins ewige Feuer der Hölle?

Menschen in der Hölle
Menschen in der Hölle Quelle: ZDF

Die Macht der Bilder

Unerbittlich drohte der "Schwarze Tod". Nie zuvor schien das Kommen des Antichristen so nah, das in der Offenbarung des Johannes vorausgesagt war: "Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis; und er wird ausgehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Welt." Das massenhafte Sterben führte dazu, dass man keine ordentlichen Begräbnisse und keine Trauerfeiern mehr machen konnte, es gab keine Priester mehr, die die letzte Ölung spendeten. Selbst Massengräber unter den Kirchen konnten die Leichen nicht mehr fassen. Jeder Dritte wurde Opfer der Pest.

Albtraum Höllenwesen
Albtraum Höllenwesen Quelle: ZDF


Die Menschen starben in Höllenangst, sie hatten schreckliche Qualen und endloses Grauen vor Augen. Nicht nur in der Heiligen Schrift und in Predigten - in allen Kirchen führten Altarbilder und Wandgemälde den Menschen schon zu Lebzeiten vor, was Sünder nach dem Tod sicher erwarten würde: die Hölle, in ihrer ganzen Drastik, bis in grausigste Details ausgemalt. Der Kirchenhistoriker Christoph Markschies erläutert die Bedrohung, die von Höllenbilden ausging: "Die Menschen haben die Bilder mit großer Angst angeschaut. Das Bild soll möglichst überzeugend sein: Ich soll zitternd davorstehen und sagen: 'Du gehst aus dieser Kirche heraus und wirst dem Nachbarn sein Geld nicht stehlen'".

Pest brachte "bösen Tod"

Der schreckliche Ruf der Hölle war Mahnung und Drohung: Sündige nicht! Wer die Botschaft nicht verstand, geriet unweigerlich in die Fänge des Höllenfürsten. Die Seelen der armen Sünder waren seine Beute. Nichts fürchteten die Menschen des Mittelalters mehr, als den so genannten "bösen Tod", also plötzlich und ohne geistlichen Beistand zu sterben. Ein "guter Tod" kannte keine Schrecken: bußfertig, vorbereitet, umgeben von Angehörigen, Freunden und Nachbarn, in der Gewissheit auf ein Weiterleben im Himmel, in der Herrlichkeit Gottes, so wollte man sterben.

Das Fegefeuer bedroht die Menschen
Das Fegefeuer bedroht die Menschen Quelle: ZDF


Die Pest aber brachte vielen den "bösen Tod". Denn wer im Stand der Sünde starb, war des Teufels. Sein Weg führte nach unten, tief ins Innere der Erde, zu dem, der "schwärzer ist als Kohle und heißer als tausend lodernde Feuer". An einen Ort ohne Wiederkehr, ein Gefängnis ohne Entrinnen, in die unermesslichen Räume ewiger Verdammnis. Keine Christenseele wollte an diesem Ort ohne Gnade und Vergeben enden. In der Hölle herrschte die absolute Gottferne.

Die Kunst des guten Sterbens

Die Menschen glaubten, unmittelbar in der Stunde des Todes würde die Entscheidung über Himmel oder Hölle gefällt. Die Angst vor dem unvorbereiteten Tod war allgegenwärtig. So gab die Kirche den Gläubigen die Sterbebüchlein an die Hand, die Ars moriendi, sie sollte Linderung verschaffen durch Text und Bild und sollte dazu verhelfen, den Anfechtungen des Teufels auf dem Sterbebett standzuhalten.Bußfertig und aus eigener Kraft aus dem Leben zu scheiden, das lehrte die "Kunst des guten Sterbens".

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