Seelen gehen nach Walhalla

Der heidnische Glaube der Sachsen

Jenseits der Grenze des Frankenreiches - im heutigen Norddeutschland - lebte ein Volk, das in den Augen der Franken aus unzivilisierten Wilden bestand. Die Sachsen hingen einem heidnischen Glauben an, und den bekämpfte Karl der Große ebenso verbissen wie den militärischen Widerstand.

In der Vorstellung der Sachsen stand jeder neue Mensch in einer engen Verbindung mit seinen Vorfahren. Die Seelen der Verstorbenen, gute und böse Geister bevölkerten nach ihrer Anschauung eine unsichtbare Welt.


Für die Heiden ging das Leben im Jenseits - in Wallhall - so weiter wie im Diesseits: ein Herrscher würde weiter herrschen, ein Sklave weiter dienen. "Ein richtiger germanischer Krieger bekam für das Jenseits alles das mit, was er brauchte", erläutert der Historiker Lutz von Padberg.

Götter für Krieg und Geburt

Bei der Geburt eines Kindes dankten die Sachsen zuerst der germanischen Gottheit Freya. Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe. Noch andere Götter bevölkerten den Himmel der Sachsen: Wodan, der Kriegsgott - ihm wurden auch Menschen geopfert -, Donar, der Gott des Donners, und Saxnot, der die Ratsversammlungen beschützte.

Sachsen Fluss Quelle: ZDF


Die Sachsen lebten in Stammesgruppen, die nur lose miteinander verbunden waren. Ungewöhnlich für das frühe Mittelalter war, dass sie keinen König hatten. Ihre Heerführer trafen sich einmal im Jahr zu einer Versammlung, um Kriegsrat zu halten.

Friedfertigkeit unbekannt

Das Kämpfen gehörte für die Sachsen zur Natur. Friedfertigkeit war eine Vorstellung, die ihnen völlig unbekannt war. Der Gott Wodan wurde verehrt, damit er im nächsten Krieg den Sieg brachte. "Friedlosigkeit, Kampf und Auseinandersetzung waren so etwas wie eine Grundstruktur bei verschiedenen germanischen Stämmen", verdeutlicht von Padberg.

Heidnische Kultstätte

Archäologische Funde belegen, dass die Sachsen große handwerkliche Fähigkeiten hatten. Aus Schafswolle und Flachs sponnen sie Garne, die sie zu Tüchern webten. Die leuchtenden Farben gewannen sie aus Pflanzen wie Krapp und Färberwau. Ihre Keramik war einfach. Kunstvollere Objekte kamen durch Handel mit Nachbarvölkern zu den Sachsen.


Bei seinen Feldzügen stieß Karl der Große auf eine Kultstätte des heidnischen Volkes. Die Sachsen verehrten ihre Götter in der freien Natur, und ihr wichtigstes Heiligtum nannten sie "Irminsul". Für Karl den Großen, der den christlichen Glauben verbreiten wollte, muss der Anblick des heidnischen Heiligtums eine ungeheuerliche Provokation gewesen sein.

In der Umgebung der Kirche Peter und Paul in Obermarsberg wurde eine vermutlich neuere Darstellung der Irminsul gefunden: ein stilisierter Baum. Möglicherweise ein Beweis, dass die Irminsul in der Nähe der historischen Eresburg gestanden hatte.

Zerstörung des Kultbaumes

Die Archäologin Gabriele Isenberg hat in Obermarsberg gegraben: "Wir haben alles gefunden, nur nicht die Irminsul." Nach der Schriftüberlieferung hält sie es auch für nicht sehr wahrscheinlich, dass die Irminsul dort gestanden hat. "In den Reichsannalen stehen dazu zwei Sätze: dass Karl mit dem Heer auf die Eresburg marschierte und diese zerstörte. Und darauf, so heißt es, gelangten sie zur Irminsul", zitiert Isenberg. In ihren Augen bedeutet das nicht unbedingt, dass beide Orte identisch waren. Sie hätten Stunden oder sogar einige Tagesreisen voneinander entfernt sein können.

Tatsächlich ist es ein bis heute ungeklärtes Rätsel der Geschichte, wo die heidnische Irminsul gestanden hat - möglicherweise auch bei den Externsteinen. Dort findet sich ein Hinweis auf das Heiligtum. Für Karl den Großen war klar: Die Irminsul musste zerstört, die Sachsen mussten Christen werden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet