Sehnsuchtsorte an der Adria (2)

Alter Glanz und frischer Wind

Den Auftakt des 2. Teils bildet eine Inselkreuzfahrt. Vor der kroatischen Stadt Sibenik im Herzen der Adria liegt ein Archipel von Hunderten Inseln. Stephan Merseburger und sein Team gehen an Bord eines Motorseglers, den man chartern kann – vorausgesetzt, man verfügt über das nötige Kleingeld: 18.000 Euro muss berappen, wer das Schiff für eine Woche buchen will. Das Inselreich ist auch eine Hochburg maritimer Massentierhaltung. Der Heißhunger auf Doraden ist so groß, dass er ohne Zuchtfische aus Aquakulturen nicht zu stillen wäre. 2,5 Tonnen Doraden werden an einem Tag „geerntet“; Umweltschützer kritisieren die Aquakulturen als zusätzliche Belastung für die Meere.

Drangvolle Enge herrscht auch an Barbara Luegs nächster Station, der Campinghochburg Bibione in Italien. Besonders Deutsche, Holländer und Italiener lieben das Campen im Urlaub. Poollandschaften, Animateure und Wohnwagen, soweit das Auge reicht – Ferien an der Adria in Reinkultur.

Ein Sehnsuchtsort für Winnetou-Fans

Der Nationalpark Paklenica ist ein Sehnsuchtsort für Deutsche. Denn hier, in der Karstlandschaft des ehemaligen Jugoslawien, und nicht im Wilden Westen wurden die Winnetou-Filme gedreht, die ganz Westdeutschland in den sechziger Jahren begeisterten. In Stari Grad gibt es ein Winnetou Museum, das an diese glorreichen Zeiten erinnert – untergebracht in dem Hotel, in dem einst Lex Barker, Pierre Brice und Uschi Glas schliefen.
Triest ist die Kaffeehauptstadt Italiens, jahrhundertelang Hafen der k.u.k. Monarchie, später ganz im Schatten des Ost-West-Konflikts. Alessandro Hausbrandt ist einer der jungen Kaffeeröster in Triest. Der erfolgreiche Unternehmer ist wütend auf die Politik, die Italien so weit hat kommen lassen. „Das Land ist in einem desaströsen Zustand. Alle Parteien haben das zu verantworten. Es ist eine Katastrophe.“

Die Insel Krk ist für Deutsche und Österreicher leicht und schnell zu erreichen. Das macht sie attraktiv als Ferienziel und als Ort für ein Ferienhaus. Viele Deutsche haben den Traum von der sommerlichen Zweitresidenz auf Krk in Kroatien verwirklicht. Doch gleich gegenüber, in Rijeka auf dem Festland, kämpfen die Werften des alten Jugoslawien ums Überleben.

Wohnwagen-Karawanen und Tagesurlauber

Im Sommer verstopfen Wohnwagen-Karawanen und Tagesurlauber die Straße von Italien nach Slowenien. Nur 46 Kilometer lang ist der slowenische Küstenstreifen. In Portoroz, dem einzigen Badeort des Landes, erinnern klassizistische Villen mit üppigen Gärten an die alten Zeiten des exklusiven Seebads, lange bevor der Massentourismus in den Ort schwappte.

Die letzte Station der beiden reisenden Reporter ist Istrien. Party, Party, Party heißt es Anfang Juni in Umag, wenn der „Spring Break“ gefeiert wird. 3 Tage lang wird getanzt, getrunken, getaumelt und gebaggert. Doch Istrien hat auch ganz andere, beschauliche Seiten. Traumhafte Dörfer, hügelige Landschaften, Olivenhaine und Weinberge. Die Toskana, wie sie früher einmal war, sagen Schwärmer – und das kroatische Paradies für Feinschmecker.
Die beiden Reporter Barbara Lueg und Stephan Merseburger treffen sich in dem Städtchen Rovinj. Hier endet die Reise zu den Sehnsuchtsorten an der Adria. Doch Rovinj ist längst auch ein Hotspot des Tourismus, viele Besucher bleiben nur kurz. Willige Beute der Restaurantbetreiber, die nicht selten Fantasiepreise für bestenfalls mittelmäßige Speisen fordern. Der frische Wind, der hier im lieblichen, alten Glanze weht, ist ziemlich rau.

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