Sein gutes Recht

Leben mit Betreuung - Die Dokumentation

Es kann – früher oder später – jeden treffen. Schon heute sind 1,3 Millionen Menschen in Deutschland auf Betreuung angewiesen, Tendenz steigend.
Die Figur des Max Büttner im Film „Sein gutes Recht“ ist erfunden. Aber die Zahl der Menschen, die wie er nach einem erfüllten, selbstbestimmten Leben auf einmal merken, dass sie Ausfallerscheinungen haben, ihren Alltag nicht mehr meistern, wird immer größer in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig: Demenz, psychische und andere Erkrankungen, Sucht.

Früher konnte eine solche Lebensuntüchtigkeit zur Entmündigung führen: Der Betroffene verlor das Recht, über alle geschäftlichen und gesundheitlichen Belange seines Lebens selbst zu entscheiden. Heute gibt es das System der Betreuung: Hilfsbedürftigen Menschen wird ein gesetzlicher Betreuer zugewiesen, der sie nur dort unterstützen soll, wo sie wirklich Hilfe benötigen.

Betreuer finden nicht immer Zustimmung

Karin Becker ist Berufsbetreuerin. Im Namen ihrer Schützlinge führt sie Auseinandersetzungen mit Angehörigen und Behörden, hilft bei der Entscheidung über die Unterbringung in Heim oder Krankenhaus. Nicht immer findet sie dabei die Zustimmung ihrer Klienten: Manch Betreuter empfindet die Einmischung in sein Leben als bloße Zumutung. Dabei bedeutet Betreuung im Unterschied zur früheren Vormundschaft gerade nicht, dass ein Mensch über einen anderen bestimmt. Peter Winterstein, Vorsitzender des Betreuungsgerichtstages, weist immer wieder darauf hin, dass den Wünschen der betreuten Person soweit wie möglich Rechnung getragen werden soll.

Das geht in der Praxis manchmal schief. Denn Berufsbetreuer kann jeder werden, es gibt keine geschützte Berufsbezeichnung. So kommt es, dass immer wieder schwarze Schafe das Image des Betreuers beschädigen. Und – immer wieder wird über Probleme geklagt: Mangelnde Kontakte zu den Betreuten, unzureichende Kontrolle durch die zuständigen Amtsgerichte, Überforderung, in Einzelfällen sogar Betrug und Unterschlagung werfen Schatten auf ein System, das Würde und weitest gehende Selbstbestimmung gerade bewahren soll. Auch Angehörige können zu Betreuern werden. Doch wer weiß, ob die lieben Kinder, Geschwister oder Enkel die Interessen des Betreuten wichtiger nehmen als die eigenen?

Andrea Klüting und Ulrike Brincker zeigen in ihrem Film Szenen aus dem Alltag von Berufsbetreuern und Schicksale von Betreuten. Anhand von verschiedenen Beispielen werden Licht und Schatten des Betreuungswesens aufgedeckt. Experten erklären, warum durch die dramatische Zunahme der Menschen, die einer Betreuung bedürfen, das System an seine Grenzen gerät. Längst fordern Verbände und Juristen, den Beruf des Betreuers zu professionalisieren. Aber auch ganz einfache Fragen werden beantwortet: Wer entscheidet eigentlich auf welcher Grundlage, wann eine Betreuung erforderlich ist? Und wie kann jeder selbst Vorsorge treffen, dass er im Ernstfall von einer kompetenten und vertrauenswürdigen Person begleitet und nicht wie Max Büttner im Film „Sein gutes Recht“ zum Opfer eines überforderten oder betrügerischen Betreuers wird?

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