Sex, Tabus und Kalter Krieg

Wie die Deutschen liebten

Ost und West sind im Kalten Krieg getrennt bis in die Schlafzimmer. Der Sozialismus prägt einen anderen Umgang mit Sexualität und Erotik als der Kapitalismus. Während die Bundesrepublik der 50er Jahre von kleinbürgerlicher Enge erfüllt ist und die Rollen von Mann und Frau konservativ verteilt sind, marschiert im Arbeiter- und Bauernstaat die berufstätige Gattin mit ganz anderem Selbstbewusstsein durchs Alltags- und Liebesleben.

Oswalt Kolle und Kurt Starke sitzen in einem Kino vor der Leinwand mit Frauenkopf. Quelle: ZDF

In den 60er Jahren stellt im weltoffenen Westen die sexuelle Revolution die bundesrepublikanischen Betten auf den Kopf. Im unfreien Osten lässt der Volkskörper die Hüllen fallen und pflegt einen kollektiv natürlichen Umgang mit Nacktheit am Ostseestrand.


Die westdeutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften zensiert "nackte Tatsachen" von Beate Uhse ebenso wie Dr.-Sommer-Texte der Bravo über Masturbation. In der DDR ist es dagegen das Politbüro selbst, das gleich mal alle Sex-Produkte und auch Pornos bis zur Wende offiziell verbietet. Immerhin darf das "Magazin" einmal im Monat wenigstens ein einziges Aktfoto zeigen, und die selbst gedrehten, humorigen Erotikstreifen von Amateurfilmern werden von der Partei dann doch geduldet.

Kompetente Zeitzeugen

Starke und Kolle Quelle: ZDF


Es zeigt sich: Auf beiden Seiten gibt es Prüderien und Verklemmtheiten genauso wie offenen und lockeren Umgang mit Sexualität, aber eben in systembedingt unterschiedlicher Ausprägung. Oswalt Kolle, bundesrepublikanischer Volksaufklärer und "Orpheus des Unterleibs", sowie sein Kollege Kurt Starke, der renommierte DDR-Sexualforscher, kennen sich aus in diesen zeitgeschichtlichen deutschen Intimzonen. In einem entspannten Kinoambiente sehen sie sich zahlreiche Filmdokumente aus verschiedenen Zeiten an, die Kolle-Filme selbst sind dabei und Aufklärungsfilme wie "Helga" oder "Mann und Frau intim".

Im Gespräch miteinander kommentieren die beiden Experten pointiert und unterhaltsam zugleich die "Bräuteschule" ebenso wie den "Schulmädchenreport". Als Zeitzeugen bewerten sie den Umgang beider Gesellschaften mit Lust, Liebe und Tabus und zeichnen ihr persönliches Bild deutsch-deutscher Sexualmoral. Zu Wort kommen auch Ruth Gassmann, Martin Goldstein, Eva Mahn, Hans Maier, Helmut Pöschel, Jutta Resch-Treuwerth, Bernd Römer, Günther Rössler, Peter Schneider, Jutta Speidel, Heidi Wittwer.

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