Sind die Jesuiten gescheitert?

Völkerverständigung ist Adam Schalls größter Verdienst

Nach dem Tod des Kaisers Shun-chihs wendet sich das Blatt gegen die Jesuiten: Sie werden des Hochverrats angeklagt. Doch ein Himmelszeichen rettet Adam Schall das Leben. Der Mission wird ein Ende gesetzt. In China bleiben etwa 200 christliche Gemeinden. Doch nicht am Missionierungserfolg soll Adam Schall gemessen werden: Seine Verdienste um die Verständigung zwischen Europa und China sind höher einzuschätzen.

Adam Schall bei chinesischen Leibesübungen Quelle: ZDF

Mit dem Tod der Lieblingskonkubine des Kaisers Shun-chihs beginnt der Anfang vom Ende der Mission in China. Auch Kaiser Shun-chih, der Schall immer noch als 'Ma-fa' anspricht, ist an einer Pockeninfektion erkrankt. Die menschliche Tragödie in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers könnte die letzte Gelegenheit sein, ein Oberhaupt der Chinesen zum Christentum zu bekehren.

Doch es kommt zu keiner Bekehrung des Kaisers, im Gegenteil: Mit dem Tod Shun-chihs im Jahre 1661 verlieren die Jesuiten ihren wichtigsten Beschützer. Drei Jahre später schlagen die Feinde der westlichen Missionare zu. Der gebrechliche Schall und seine Mitarbeiter sind des Hochverrats angeklagt.

Himmelszeichen rettet Schall

Den Angeklagten droht die Todesstrafe. Die Mission in Peking ist wieder an dem Punkt angekommen, an dem sie vierzig Jahre zuvor mit der Ankunft von Longobardi und Schall begonnen hatte. Das Werk einer ganzen Generation von Missionaren droht, verloren zu gehen. Die Protokolle zum Prozess gegen die Jesuiten füllen Bände. Aus den Akten lässt sich das Misstrauen herauslesen, das den missionarischen Aktivitäten der Europäer entgegengebracht wurde: "Der geheime Plan der Christen sei es, China zu unterwerfen", heißt es. "Und Adam Schall sei ihr Anführer."

Schall und Jesuiten sind des Hochverrats angeklagt Quelle: ZDF

Die Aufzeichnungen beinhalten auch Angaben über das überraschende Ende des Prozesses. Am 13. April 1665, wenige Tage vor der geplanten Vollstreckung des Urteils, erscheint ein Meteor über Peking. Das Himmelszeichen wird zugunsten des kaiserlichen Astronomen gedeutet. Vor allem wegen seiner Verdienste um China kommt der 72-jährige wieder frei. Aber fünf seiner Mitarbeiter werden enthauptet. Seine Entlassung aus dem Gefängnis wird Adam Schall nur um wenige Monate überleben.

200 christliche Gemeinden in China

"Die Mission der Jesuiten ist nicht gescheitert", meint Roman Malek, Professor für Sinologie an der Universität Bonn. "Gescheitert ist natürlich der Versuch, diese Konstantinische Wende herbeizuführen. Ich meine aber, es war für China wahrscheinlich nicht das Richtige."


Der Sieg des Christentums in China ist ausgeblieben, aber Ende des 17. Jahrhunderts zählt man 200 christliche Gemeinden im Lande mit insgesamt 150.000 Mitgliedern. Ohne die christenfreundliche Stimmung im Land, die sich aus der Arbeit Adam Schalls und seiner Nähe zum Kaiser ergeben hatte, wäre die flächendeckende Verbreitung des Christentums nicht möglich gewesen.

Größter Erfolg: Völkerverständigung

Die Südkirche Nantang, von Adam Schall selbst gegründet, legt Zeugnis ab für das Wirken des Kölner Missionars in Peking. "Für uns liegt die Bedeutung Adam Schalls vor allem in dem Versuch, sich der chinesischen Kultur ohne Vorbehalte anzunähern", erklärt Sinologe Xiping Zhang: "Schall verstand sich als Mittler zwischen den Welten. Dass er für dieses Verhalten Angriffe von beiden Seiten erdulden musste, schmälert seine Leistung nicht."

Nach seinem Tod im Alter von 74 Jahren am 15. August 1666 wird Johann Adam Schall von Bell beigesetzt. In China wird der Kölner noch heute als "Meister der Geheimnisse des Himmels" verehrt. Als Botschafter des Christentums nach China gekommen war. Und der als Mittler zwischen den Kulturen endete. Eine Verwandlung, die zum Vorbild für die Generationen seiner Nachfolger werden sollte.

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