Sprachrohr Gottes

Engel in Judentum und Islam

Fast überall ist die Vorstellung von Geistwesen verbreitet, die zwischen Himmel und Erde agieren. Das Wort "Engel" ist aber nur in den drei großen monotheistischen Religionen, also dem Christentum, dem Judentum und dem Islam, bekannt.

Engel Umriss
Engel Umriss Quelle: ZDF

Im Judentum werden die Boten Gottes (hebräisch: "mal'ach jahwe: Boten") als übernatürliche Wesen verstanden, die als Sprachrohr fungieren und damit den göttlichen Willen kundtun. Sie stehen Gott im Himmel zur Seite, sind ihm aber klar untergeordnet.

In engster Beziehung

In der hebräischen Bibel werden auch Cherubim und Seraphim erwähnt: Sie allein sind mit Flügeln ausgestattet, jenem Attribut, das später durch die christliche Kunst in allen Engelkategorien auftauchen. Die sechsflügeligen Seraphim umschweben den Thron Gottes.


Die Cherubim werden häufig im Zusammenhang mit dem Allerheiligsten erwähnt, also dem Ort im salomonischen Tempel, an dem Gott gegenwärtig war. Im Tempel und im Bundeszelt wachen die Cherubim mit ausgebreiteten Flügeln über die Bundeslade. Man kann daher sagen, dass diese Engel in engster Beziehung zu Gott stehen. Auch bei der Paradiesgeschichte am Ende des Buches Genesis spielen die Cherubim eine wichtige Rolle: Im Garten Eden bewachen sie mit ihrem lodernden Flammenschwert den Baum des Lebens, einem tabuisierten Bereich.

Differenzierteres Engelbild

Das jüdische Verständnis von Engeln wurde vor allem durch die Erfahrungen des Babylonischen Exils im sechsten Jahrhundert vor Christus geprägt. Die persischen religiösen Vorstellungen gaben wichtige Impulse für die weitere Entwicklung der Engel. Ein differenzierteres Engelbild wurde ausgearbeitet. Sie erhielten nun Namen, sogar neue Arten entstanden. Sie retten aus der Verfolgung, heilen oder übermitteln die Gebete der Menschen an Gott. Eine Verehrung einzelner Engel wird jedoch abgelehnt.

Neben den wohlwollenden Engeln gibt es jedoch zudem apokalyptische Engel. In den apokalyptischen Schriften werden oftmals den Menschen bisher verborgene oder unverständliche Dinge mitgeteilt. Engel spielen eine wichtige Rolle, da sie dabei als Offenbarer der Zukunft oder als Deuter von Zukunftsvisionen erscheinen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch Daniel, in dem die radikalen innerweltlichen Veränderungen beschrieben werden. Die Vermittlung des göttlichen Plans geschieht durch einen Engel, der Daniel bei der Deutung der gesehenen Visionen hilft. In der jüdischen Engellehre ist die Grenze zwischen Engeln und Sterblichen zudem fließend: Einzelne Menschen haben den Status eines Engels erlangt, beispielsweise Henoch oder Elias. Dieses Engelverständnis zieht dann in die Traditionen der beiden anderen abrahamitischen Religionen ein und wirkte somit auf das frühe Christentum.

Lobpreis Gottes!


Auch im Islam findet sich eine sehr ausführliche Engellehre (Angelologie). Sie steht in der Tradition der jüdisch-christlichen Lehre, jedoch gehört der Glaube an die Engel (arabisch: "malaika, Bote/ Überbringer") zu den grundlegenden Glaubensdogmen: "Wer nicht an Gott, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten und den Jüngsten Tag glaubt, der ist weit abgeirrt" (Sure 4,136). Engel haben subtile, leuchtende Körper, die verschiedene Formen annehmen können, besitzen Flügel in unterschiedlicher Zahl, stehen jedoch unter den Propheten.

Ihre Hauptaufgaben bestehen in dem Lobpreis Gottes, der Mitteilung göttlicher Botschaften und in der Aufzeichnung der menschlichen Taten in Bücher, die Gott beim Gericht verwenden wird. Uns Menschen leisten sie Hilfe, legen Fürbitten für uns ein und geleiten uns nach dem Tod ins Paradies. Sie sind auch als Schutzengel tätig, tragen den Thron Gottes und sind die Wächter des Paradieses. Im Koran werden die Engel Michael (arabisch: "mikal") und Gabriel ("jibril") erwähnt; die Überlieferung kennt darüber hinaus Israfil, der Engel des Jüngsten Gerichts und Izrail, den Todesengel.

Begleiter des Propheten

Allen Engeln ist wiederum gemein, dass sie vor den Menschen geschaffen wurden, ihre Körper immateriell sind, sie jedoch den Körper eines Menschen annehmen können, generell aber geschlechtslos sind. Die im Koran dargelegten Offenbarungen wurden von Mohammed durch die Vermittlung des Engels Gabriel niedergeschrieben, der als Begleiter des Propheten gilt und eine herausragende Stellung unter den Engeln einnimmt. Auch für den Islam gilt, dass insbesondere in der Volksfrömmigkeit der Engelglaube eine große Resonanz erfuhr und dementsprechend gepflegt wurde.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet