Steine und Knochen sprechen lassen

Relikte geben Informationen über die Karolingerzeit

Gräber und Gestein geben Archäologen einen tiefen Einblick in die Geschichte einiger Orte im einstigen Land der Sachsen. Wann lebten hier die ersten Christen? Wie lange beteten die Bewohner heidnische Götter an? Wissen und Technik können Knochen Antworten auf solche Fragen entlocken.

Bauarbeiten am Paderborner Dom förderten im Juli des Jahres 2006 Gräber zu Tage. Archäologen datierten sie auf das frühe Mittelalter, um die Wende vom 8. auf das 9. Jahrhundert. Wer waren die Toten, die hier bestattet wurden? Die Forscher suchten nach Antworten.


Der Archäologe Sven Spiong ist sich sicher, Gräber vom ersten christlichen Friedhof der Stadt vor sich zu haben. Einst legten ihn Gläubige rund um die 777 erbaute Kirche Sankt Salvator an - die erste im Ort. Auch wenn keine Kirche in der Nähe gewesen wäre, hätte Spiong die Gräber als christlich identifizieren können.

Blick nach Osten

"Wir sehen, dass sie eindeutig Ost-West ausgerichtet sind - ein bisschen Abweichung haben sie -, und sie sind beigabenlos", erläutert der Forscher. Der Kopf der Verstorbenen lag im Westen, mit Blick nach Osten, also genau so, wie der Christ zu der Zeit bestattet sein musste. Denn ein Christ sollte nach Osten schauen, weil dort die Wiederkehr Jesu am Tag der Auferstehung erwartet wurde.


Nachdem die wissenschaftlichen Arbeiten an den Skeletten unter dem Dom von Paderborn beendet sind, werden die Gräber der frühen Christen wieder geschlossen. Sie haben den Forschern neue Erkenntnisse über die Ausbreitung des Christentums geliefert und dürfen nun wieder ruhen.

Geheimnis der Externsteine

Ein Jahr zuvor waren Archäologen nicht weit entfernt einer heidnischen Kultstätte durch die Untersuchung des Gesteins auf die Spur gekommen. Die legendenumrankten Externsteine im Teutoburger Wald mussten eines ihrer Geheimnisse an die Wissenschaft preisgeben.

Im Sommer 2005 wollten Wissenschaftler von der Forschungsstelle Archäometrie der Universität Heidelberg mehr über die Nutzung der Höhlen unter dem außergewöhnlichen Naturdenkmal wissen. Sie fanden Verfärbungen an den Höhlenwänden, die auf ein starkes Feuer hindeuteten, das dort einmal gebrannt hatte.

Luminiszenzdatierung Quelle: ZDF


Eine Luminiszenzdatierung von Gesteinsproben sollte verraten, wann Feuer in den Höhlen gebrannt haben. Bohrkerne lieferten genug radioaktives Material, um Schlüsse über das Alter der Brandspuren zu ermöglichen.

"Das Alter der Brandspuren zeigt, dass eine Nutzung der Externsteine auch schon um 800 oder etwas früher durchaus möglich sein kann", schlussfolgert der Physiker Clemens Woda. Doch wozu diente die Höhle? War sie Kultstätte oder Zufluchtsort vor den Kriegern Karls des Großen? Vielleicht war sie beides.

Ein Relief aus dem 12. Jahrhundert zeigt die Szene, in der Christus vom Kreuz genommen wird. Der Heilige Nikodemus steht dabei auf einem umgeknickten Baum. Dieser wird von Historikern als die zerstörte Irminsul, ein wichtiges Heiligtum der heidnischen Sachsen, interpretiert. Tatsächlich ist es ein bis heute ungeklärtes Rätsel der Geschichte, wo die heidnische Irminsul gestanden hat - die Externsteine sind nur ein möglicher Ort.

Spuren einer Legende

Einem weiteren Rätsel rund um Karl den Großen wollen Forscher in der Schweiz auf die Schliche kommen. Im Ort Müstair soll Karl der Große ein Kloster gegründet haben - als Dank an Gott, dass dieser ihn ein Unwetter überstehen ließ. Heute befindet sich dort das Kloster St. Johann. Im Laufe der Jahrhunderte sind neue Gebäudeteile hinzugefügt worden. Doch die Klosterkirche mit den drei Altarnischen stammt noch aus karolingischer Zeit.

Im Kirchenraum steht eine der ältesten Statuen Karls des Großen, entstanden etwa um das Jahr 1000. Teile der Malereien an den Kirchenwänden sind nachweislich zu seinen Lebzeiten gemalt worden. Hat er also tatsächlich das Kloster im Jahr 774 bauen lassen?

Datierung durch Jahresringe

An der Decke der Heiligkreuz-Kapelle entnimmt der archäologische Techniker Werner Fallet eine Holzprobe. Der Balken soll den Forschern sein Alter preisgeben. Mit den modernen Methoden der Dendrochronologie kann genau das Jahr errechnet werden, in dem ein Baum gefällt wurde.


Der Bohrkern zeigt die Jahresringe des Stammes, und jeder Ring ist anders. Wenn man die Abfolge der Jahresringe mit einer Zeitskala vergleicht, kann man feststellen, wann ein Baum gelebt hat.


"Die Klosterkirche hat Hölzer, die 775 gefällt worden sind. Für die Heiligkreuzkapelle sind die Bauhölzer 785 und 788 geschlagen worden", deutet der Archäologe Jürg Goll. Daraus schlussfolgert er, dass die Kirche und die Kapelle zur Zeit Karls des Großen erbaut worden sind. Damit bekommt der Mythos einen wahren Kern.

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