Todesfalle Internet

Im Chat mit dem Mörder

Die "Todesfalle Internet" ist ein neues Phänomen, mit dem sich die Ermittlungsbehörden bundesweit befassen müssen. Freunde finden, chatten, flirten: Für viele gehört die Kontaktsuche im Netz schon zum Alltag. Arglos und ungehemmt enthüllen die Netz-User ihre intimsten Geheimnisse vor der globalen Öffentlichkeit. Über Gefahren machen sich die wenigsten Gedanken.

Junger Mann sitzt vor seinem blau erleuchteten Laptop
Junger Mann sitzt vor seinem blau erleuchteten Laptop Quelle: imago/imagebroker

Als "Sarah" kam er mit Melanie ins Gespräch - eine virtuelle Freundschaft. Sie verabredeten sich. Schon am ersten Prozesstag gestand Benjamin F., Melanie mit Messerstichen in den Hals getötet und sich danach an der Toten vergangen zu haben.

50 Millionen Deutsche sind online

Die "Todesfalle Internet" ist ein neues Phänomen, mit dem sich die Ermittlungsbehörden bundesweit befassen müssen. Laut einer ZDF-Studie sind fast 50 Millionen Deutsche über 14 Jahren online. Freunde finden, chatten, flirten und verlieben: Für die große Mehrheit gehört die Kontaktsuche im Netz längst zum Alltag.

Man trifft sich virtuell in sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ, in Chats, in denen Wildfremde per Tastatur miteinander "plaudern", sich Fotos oder "Küsse" zusenden, oder auch in gebührenpflichtigen Communities, in denen bevorzugt Verabredungen zum (realen) Sex stattfinden.

Collage der bekanntesten Social Networks
Collage der bekanntesten Social Networks Quelle: dpa




Begeistert, arglos und ungehemmt enthüllen die Netz-Werker ihre intimsten Geheimnisse vor der globalen Öffent-lichkeit. Über Gefahren machen sich die wenigsten Gedanken.

"Das Gefährliche am Internet ist, dass die Menschen bereit sind, immer mehr private Daten preiszugeben", berichtet Kriminaloberkommissar Christoph Adler vom Bundeskriminalamt. So können Sexualtäter, Mörder und andere Psychopathen gezielt in Kontaktbörsen nach "idealen" Opfern suchen.

Drang zur Selbstentblößung

Ein anderes Beispiel ist der Staplerfahrer Christian G. aus Hamburg: Er chattete als "Riddick 300" mit mehr als 100 Frauen im Internet, gab sich dabei als "Frauenversteher" aus. Zwei Chat-Partnerinnen soll er bei anschließenden Treffen getötet haben, die 39-Jährige Regina B. aus Marl mit 26 Messerstichen. "Ich habe meine Mutter immer gewarnt, dass sie zu leichtsinnig mit ihren Internet-Bekanntschaften sei", berichtet Christiane B., eine Tochter des Opfers. Täter G. wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt.

Angaben für Partnersuche
Angaben für Partnersuche Quelle: ZDF




Die Partnersuche im Netz geht einher mit einem Drang zur Selbstentblößung, der in der Geschichte ohne Beispiel ist. In den Texten werden geheime Wünsche artikuliert, Fotos von Sauforgien oder Nacktbilder ins Netz gestellt, die kaum jemand in den eigenen vier Wänden herumzeigen würde. Chatrooms und soziale Netzwerke erlauben tiefe Einblicke in die Träume und Obsessionen der bundesdeutschen Gesellschaft - für die sich Jäger und Sammler aller Art und Neigung interessieren.

Auch wenn nicht jeder Online-Flirt gleich tödlich endet, gibt es doch oft schmerzliche Erfahrungen. In einem Chat-Forum lernte Ingrid P. einen Mann kennen, der sie später monatelang als Stalker verfolgte. Ihr Fazit: "Ich würde nie wieder einen Partner über das Internet suchen"

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