Twittern zwischen Grill und Kuhstall

Dorothee Bär macht Wahlkampf in Franken

Ein Bauernhof, mitten in Franken. An einem gewöhnlichen Mittwochmorgen hat Dorothee Bär knapp 100 Leute zusammengetrommelt, voller Stolz darüber blinzelt sie in die Runde. Sie sitzen auf Bierbänken, der Duft von Bratwurst weht durch den Garten, der Landrat ist gekommen, die gesamte CSU-Lokalprominenz. Bär ist Bundestagsabgeordnete und präsentiert heute Prominenz aus Berlin: ihre Parteifreundin und Bundesministerin Ilse Aigner ist in Bärs Wahlkreis gekommen.

Ein Rundgang durch Hühnerställe, Eier-Sortiermaschinen und Nudelproduktion. Eine Stunde ist die Ministerin da, lobt die Vorzeige-Landwirtschaft, lobt ihre Freundin Dorothee Bär. „Solche Termine sind wichtig“, sagt Bär, verabschiedet die Ministerin und verbreitet die schönsten Bilder des Besuchs gleich über ihren Twitter-Account.

Das Handy ist ihr ständiger Begleiter

Das Handy ist ständiger Begleiter der Politikerin. Wer wissen will, wo Bär gerade ist, womit sie sich beschäftigt, wozu sie eine Meinung hat, erfährt es immer und sofort über Twitter. Bärs Wahlkreis in Franken ist die eine Hälfte ihrer Welt, das Berliner Regierungsviertel die andere. Nach dem Bauernhof besucht sie ein Weingut, um sich nach dem Geschäft zu erkundigen. Danach: ein paar Tweets und wieder ins Auto. Auf einem Feldweg bittet sie den Fahrer anzuhalten. Sie will ihr Dirndl gegen ein Kostüm tauschen, es passe nicht zum nächsten Termin: eine Kita. Bär kontrolliert ihren Auftritt bis ins letzte, alle Bilder, die sie produziert, jedes Wort, das sie sagt.

Heute Bauernhof, Kita, Weingut, morgen vielleicht Euro-Rettung, Afghanistan-Einsatz, Energiewende. „Natürlich hat Politik ein hohes Suchtpotential“, sagt Bär. „Ich kenne keinen Politiker, der nicht auch Raubbau mit seiner Gesundheit betreibt.“ Mit 35 Jahren gehört sie zu den Nachwuchstalenten der CSU. Wer sie begleitet, trifft eine Politikerin, die mit Dirndl und viel Herzblut durch die Provinz tourt, zwischen Grill und Kuhstall für ihre Wiederwahl wirbt. Kann sie auch loslassen? „Ich würde natürlich nie sagen, dass ich süchtig bin, aber das würden ja alle sagen, die von etwas abhängig sind“, sagt sie. Und lacht.


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