Über 60 Jahre Krieg

Israels langer Weg zum Frieden

1948 ruft David Ben Gurion in Tel Aviv die Unabhängigkeit Israels aus. Doch nur wenige Stunden später befindet sich der junge Staat schon mitten im Unabhängigkeitskrieg gegen seine arabischen Nachbarn. Vier weitere große Kriege 1956, 1967, 1973 und 1981 folgen und lassen das Land nicht zur Ruhe kommen.

Nur wenige Stunden, nachdem David Ben Gurion am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeitserklärung des neu gegründeten Landes Israel verlesen hat, erklären noch in der Nacht Ägypten, Irak, Jordanien, Libanon, Saudi-Arabien und Syrien dem jungen Staat den Krieg. Bis Januar 1949 dauern die Kämpfe mit den zunächst übermächtig erscheinenden arabischen Nachbarn. Am Ende jedoch kann Israel überraschend den Sieg für sich verbuchen: Die israelische Armee hat nicht nur das Land verteidigt, sondern sogar noch Gebiete hinzugewonnen. Unter Aufsicht der Vereinten Nationen finden Verhandlungen mit den arabischen Nachbarstaaten statt, ein Waffenstillstandsabkommen wird beschlossen.

Die Aufbaujahre

In den ersten fünf Jahren des jungen Staates kommt es durch die charismatische und kraftvolle Führung Ben Gurions zu großen Einwanderungswellen. Die meisten Immigranten sind Überlebende des Holocausts, die auf eine neue Heimat hoffen. Am 25. Januar 1949 werden erste Parlamentswahlen abgehalten. Zwei Männer, die Israel in die Unabhängigkeit geführt hatten, sollen künftig dem Staate vorstehen: David Ben Gurion, der Vorsitzende der Jewish Agency, wird der erste Ministerpräsident des Landes, Chaim Weizmann, Leiter der zionistischen Weltorganisation, wird vom Parlament zum Staatspräsidenten gewählt.


Es fließt eine Menge Geld nach Israel: Mit den Wirtschaftshilfen aus den USA, Spenden aus der jüdischen Diaspora und deutschen Wiedergutmachungsleistungen wird der Wohnungsbau vorangetrieben, die Landwirtschaft aufgebaut, eine Handelsflotte und eine eigene Luftfahrtgesellschaft gegründet, sowie Straßen-, Telefon- und Stromnetze ausgebaut. In Jerusalem wird ein Gebäude für das israelische Parlament errichtet. Zahlreiche Krankenhäuser und soziale Einrichtungen entstehen.

Trügerischer Friede

David Ben Gurion
David Ben Gurion auf dem Weg zur Parlamentseröffnung. Quelle: GPO

Doch der 1949 geschlossene Waffenstillstand mit den arabischen Nachbarstaaten ist trügerisch. An den Grenzen kommt es immer wieder zu Übergriffen und größeren Kämpfen. Es gibt Verletzte und Tote. Der ständige Kleinkrieg gipfelt im Herbst 1956 schließlich im Sinai-Feldzug, dem zweiten arabisch-israelischen Krieg. Es folgt ein 100 Stunden dauernder Kampf, in dem die israelischen Streitkräfte den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel erobern. Auf internationalen Druck - insbesondere der USA - zieht sich die israelische Armee jedoch wieder aus diesen eroberten Gebieten zurück.

1967 kommt es erneut zum Krieg: Anfang Juni positionieren sich ägyptische, syrische und jordanische Soldaten an den Grenzen zu Israel. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser verkündet, dass das Hauptziel die Zerstörung Israels sei. Doch bevor die arabischen Truppen den ersten Angriffsschlag ansetzen können, attackieren israelische Kampfflieger ihre Stützpunkte und zerstören einen Großteil der gegnerischen Flugzeuge. Der Sechs-Tage-Krieg ist schnell entschieden und Israel hat nun ein Land, welches plötzlich drei Mal so groß ist wie zuvor. Die Sinai-Halbinsel, der Gazastreifen, die Golanhöhen, und das Westjordanland gehören nun zu Israel. Auch die Altstadt Jerusalems wird eingenommen, erstmals haben Juden wieder Zugang zur Klagemauer.

Von Krieg zu Krieg

Doch auch der folgende Waffenstillstand ist äußerst wackelig: Wie schon beim Waffenstillstand von 1949 kommt es immer wieder zu nächtlichen Bombenangriffen und kleinen Grenzüberfällen auf beiden Seiten. Am 6. Oktober 1973 fallen an dem jüdischen Feiertag Jom Kippur überraschend ägyptische und syrische Truppen ein. Zunächst in der Defensive, gelingt es der israelischen Armee dann aber doch, die ägyptischen und syrischen Streitkräfte zurückzuschlagen. Schließlich stehen israelische Soldaten nur noch 35 Kilometer vor der syrischen Hauptstadt Damaskus. Am 24. Oktober 1973 tritt ein UN-Waffenstillstand in Kraft.

Vier Jahre später überrascht der ägyptische Präsident Anwar Sadat, Nassers Nachfolger, mit einem Besuch in Jerusalem. Bei einer Rede vor der Knesset spricht er von Frieden. 1978 vereinbaren beide Länder im amerikanischen Camp David schließlich einen Friedensvertrag, der auch Vorschläge für eine Selbstverwaltung der Palästinenser enthält. Als jedoch die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) ihre Stützpunkte in den Südlibanon verlegt und von dort aus verstärkt Überfälle in Nordisrael verübt, dringt die israelische Armee 1982 in den Libanon ein, um durch die Operation "Frieden für Galiläa" die PLO von dort zu vertreiben.

Treffen mit Arafat

Der Widerstand der Palästinenser in den von Israel besetzen Gebieten wächst. Die erste Intifada beginnt 1987: Junge Palästinenser sprengten sich im Verlauf der Jahre immer wieder in die Luft, an Bushaltestellen, auf Marktplätzen, bei Hochzeitsfeiern. Eine politische Sensation ist daher auch das Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin mit PLO-Chef Jassir Arafat 1993. In Oslo wird ein Abkommen ausgearbeitet, in dem Vorkehrungen für eine palästinensische Teilautonomie getroffen werden. Das israelisch-palästinensische Abkommen wird als Beendigung eines Jahrhundertkonflikts weltweit gefeiert und bringt den Initiatoren Rabin, Shimon Peres und Arafat 1994 den Friedensnobelpreis ein.


Ein provokanter Besuch von Ariel Sharon auf dem für Muslime heiligen Tempelberg im September 2000 löst die zweite Intifada aus. Arafat wird 2001 schließlich in einem Hauptquartier in Ramallah unter Hausarrest gestellt, die Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern werden auf Eis gelegt.

Erneute Annäherung

Erst nach dem Tod von Arafat und der Wahl von Mahmud Abbas zu dessen Nachfolger 2004 nimmt die israelische Regierung die Beziehungen zu den Palästinensern wieder auf. Unter Ministerpräsident Ariel Sharon verlassen israelische Soldaten 2005 den Gazastreifen, auch im Westjordanland werden israelische Siedlungen geräumt. Im November 2007 verkünden Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf dem Nahost-Gipfel von Annapolis ihren Willen, einen Friedensvertrag abzuschließen. Viele Fragen bleiben zunächst offen: etwa der Grenzverlauf eines möglichen eigenen Staates für die Palästinenser, der Status von Jerusalem oder der Umgang mit radikalen Organisationen wie der Hamas.


Gut ein Jahr nach dem Startschuss des neuen Friedensprozesses, Ende Dezember 2008, reagiert Israel auf die andauernden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen mit einer neuen militärischen Großoffensive gegen die Hamas. 2010 nehmen Israelis und Palästinenser ihre Friedensgespräche wieder auf, doch die Verhandlungen stocken, weil Israel seinen Siedlungsbau - seit Jahren einer der Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern - vorantreibt. So werden im Februar 2012 über 500 weitere Wohnungen im Westjordanland geplant. Die USA, die Europäische Union und die Vereinten Nationen kritisieren dieses Vorhaben, sie befürchten eine neueliche Eskalation der Gewalt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet