Über Gott und die Engel

Von der Faszination der Gottesbotschafter

Zwei Drittel der Deutschen glauben an die Existenz von Engeln, während nur noch 64 Prozent der Befragten zugeben, an Gott zu glauben. Das ermittelte Forsa in einer Umfrage im Jahr 2005. Verdrängt das wachsende Interesse an den Gottesdienern den traditionellen Gottesglauben? Und was sagt die Wissenschaft zum Phänomen "Engel"?

Engel im Gegenlicht Quelle: ZDF

Engel sind bei religiösen wie spirituell-interessierten Menschen gleichermaßen beliebt. Für die Dokumentation "Die Macht der Engel" untersucht ZDF-Moderator Karsten Schwanke alte Schriften, besucht historische Stätten und trifft Experten, wie den Evolutionsbiologen Professor Ulrich Kutschera aus Kassel, den Benediktinerpater Anselm Grün und die Engel-Dolmetscherin Alexa Kriele.

Monster und Mutanten?

Engelsflügel Quelle: ZDF


Die naturwissenschaftliche Analyse in Sachen Engel-Existenz dürften Engelfans ernüchtern: Für den Naturwissenschaftler Ulrich Kutschera, Evolutionsbiologe an der Universität Kassel, ist die Erklärung eindeutig: "Engel, Teufel und Dämonen, das sind alles abenteuerliche Fantasiegeschichten ohne jede faktische Grundlage. Allein die Angst vor dem Tod lässt uns in solche Geschichten flüchten."

Beweis für den Biologen ist, dass Engel Wirbeltiere mit sechs Gliedmaßen sein müssten, mit zwei Beinen, zwei Armen und zwei Flügeln. Die Evolution lehrt uns aber: "Sechs Extremitäten tragende Landwirbeltiere hat es nicht gegeben und kann es auch nicht geben." Zwar räumt Kutschera ein, dass es Abweichungen von den Tetrapoden, also den Vierfüßlern, gab: "Es gab schon immer Mißbildungen, genetische Monster und Mutanten, mit fünf, oder sechs, oder acht Extremitäten. Diese Monster der Evolution sind in einzelnen Individuen sofort ausgestorben."

Engelsflügel Quelle: ZDF

Engel näher am Menschen

Naturwissenschaftlich darf man sich dem Thema Engel nicht nähern, meint der Potsdamer Religionswissenschaftler und Angelologe, Professor Johann Hafner: Da Engel "reine Geister" sind, gelten die "Gesetze der Naturwissenschaften nicht. Sie leben in einer Welt reiner Geistigkeit", meint der Angelologe. Auf die Frage, weshalb diese Geisteswesen so stark im Kommen sind, antwortet er: "Engel sind näher bei den Menschen, da ihnen Gott als zu groß und zu weit weg erscheint!"

Für den Engel-Buchautor und Mönch Anselm Grün gibt es keinen Zweifel an der Exitstenz der Himmelsboten. "Jeder Mensch bekommt als Kind bei der Geburt einen Engel, der ihn begleitet und ihn auch über die Schwelle des Todes hinweg trägt in Gottes Arme." Engel sind für ihn individuell erfahrbar: "Sie können zu mir in einem Traum sprechen oder durch einen inneren Impuls", erklärt er: "Gott schickt die Engel zu uns, um uns zu beschützen und zu begleiten auf unserem Weg. In Psalm 91 heißt es, seinen Engeln hat er befohlen, uns zu behüten auf all unseren Wegen."

Engeln auf der Spur

Die Spurensuche führt das ZDF-Team auch in die Welt des Alten und Neuen Testaments und in die Entstehungszeit der Bibel. Wie lebte etwa die geheimnisvolle Essener-Gemeinde von Qumran mit Engeln zusammen? Welchen Einfluss hatte der altägyptische Götterglaube auf die Ausgestaltung der Engelsbilder und wieso haben sich im Laufe von zwei Jahrtausenden ganz unterschiedliche Bilder von männlichen, weiblichen und von Kinderengeln herausgebildet?

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