Und es gibt sie doch!

Emanzipationsdrama um Streben nach Gerechtigkeit

Eine Frau regiert im Vatikan und ist Herrscherin über einen großen Teil der Christenheit. Eine Frau kommt ganz nach oben, macht Karriere und meistert alle Hindernisse einer Männergesellschaft. Das ist der Stoff, aus dem Filme gemacht werden, ganz heutig und modern, und noch immer so ungewöhnlich, dass das Rechtschreibprogramm meines Computers das Wort "Päpstin" ständig rot unterstreicht. Nicht vorgesehen und deshalb nicht akzeptiert.

Trastevere: Gemälde einer Frau mit Papstzeichen
Trastevere: Gemälde einer Frau mit Papstzeichen Quelle: ZDF

Doch es gab die Päpstin über Jahrhunderte hinweg: in den Aufzeichnungen des Dominikanermönchs Martin von Troppau aus dem 13. Jahrhundert, als Papstbüste in einer römischen Kirche oder in der Polemik Martin Luthers gegen die katholische Kirche.

So märchenhaft und so monströs ist der Aufstieg des jungen Mädchens zur Päpstin, so glühend die Bewunderung und so heftig die Ablehnung, dass die Frau historische Gestalt annimmt.

Wirklichkeit einer Projektionsfläche

Päpstin Johanna (Spielszene)
Päpstin Johanna (Spielszene) Quelle: ZDF

Sie wird zur tatsächlichen Projektionsfläche von Sehnsucht und Abscheu. Ob als anmaßende Grenzüberschreiterin oder weibliche Identifikationsfigur, im Spiegel der historischen Quellen bekommt sie historische Wirklichkeit, gerade auch wenn die Existenz der Päpstin Johanna geleugnet wird.

Gab es die Päpstin also wirklich? Natürlich gab es sie. Die Kategorie des Historischen im Sinn des rein faktischen Vorhandenseins greift zu kurz, denn nicht allein das, was tatsächlich da ist, zählt, sondern was unsere Sehnsucht wünscht und wovor wir Angst haben, das bestimmt den Lauf der Geschichte. Diese Kräfte, dieses Drehmoment der Geschichte, will die vorliegende Dokumentation sichtbar machen.

Heldin oder anrüchige Skandalfrau?

Es werden Indizien und Beweise gesucht, Spuren aufgenommen, Belege gefunden. Der Film sucht nach den Antriebskräften und Beweggründen, die aus einer Frau die Heldin auf dem Heiligen Stuhl oder die anrüchige Skandalfrau machen. So sagen die Rechercheergebnisse mehr über den historischen Betrachter als über die Person Johanna aus.

Heute scannen wir die Geschichte noch einmal ganz anders. Wir suchen das Emanzipationsdrama und streben nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Gesellschaft und Kirche. Deshalb sehen wir in Johanna ein so modernes und bewegendes Schicksal. Es schlummert noch verborgen im sogenannten Saeculum obscurum, dem dunklen Zeitalter. All dies gilt es nur noch zu entdecken.

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