Unter dem Mikroskop

Lüftet der "Schleier der Veronika" sein Geheimnis?

Im Mittelpunkt der Tagung standen die Fragen nach der Art des Trägermaterials und nach dem Vorhandensein von Farbauftrag. Darüber hinaus informierten die anwesenden Experten über den Stand der Forschung zum "Volto Santo" in ihren Spezialgebieten.

Es wurden Vorschläge gemacht, welche Untersuchungen nicht-invasiver und invasiver Art am "Volto Santo" in Zukunft vorgenommen werden sollten.

Der "Volto Santo" selbst wurde durch die ihn umgebenden Glasscheiben hindurch - von der Vorder- wie der Rückseite aus - im Mikrobereich untersucht und fotografiert. Die angewandte Technik erlaubte bildfüllende Vergrößerungen von Tuchausschnitten mit einer Breite von drei Millimetern. Dies entspricht der Fläche, die auf dem "Volto Santo" von neun bis zwölf Kettfäden eingenommen wird. Die Vergrößerungen wurden den Anwesenden zeitgleich auf Bildschirmen präsentiert und anschließend digital gespeichert.

Versuche hinter Glas

Der Rahmen des "Volto Santo" wurde nicht geöffnet. Die Möglichkeit, Proben des Tuchmaterials oder des Farbauftrags zu entnehmen, bestand nicht. Professor Giulio Fanti, der den Versuchsaufbau vorbereitet hat, stellte verschiedene Beleuchtungssituationen her. Die im Laufe der Tagung generierten Bilder ergänzten und bestätigten die Untersuchungen, die Fanti bereits im Jahre 2003 gemacht, aber noch nicht veröffentlicht hatte.


Das Vorhandensein von Farbpigmenten war bei vorausgegangenen Untersuchungen von verschiedenen Seiten bestritten worden.

Stil des Porträts und Maltechnik

Die Maltechnik entspricht der seit dem 14. Jahrhundert bekannten "Tüchleinmalerei". Dabei wird ohne Grundierung und mit wasserlöslichen Temperafarben gearbeitet. Als Grundierungsersatz für die lichten Bildpartien wird das Tuchmaterial selbst eingesetzt. Als bekannteste Beispiele für Tüchleinmalerei gelten die Fastentücher von Zittau. Trotz ähnlicher Maltechnik weist der "Volto Santo" gegenüber den Fastentüchern unterschiedliche Bildeigenschaften auf, etwa mit seiner Transparenz.

Sichtbare Flecken auf dem Porträt waren bislang auch als Wundmale oder Verletzungen angesehen worden, die nicht durch Farbauftrag, sondern durch den Austritt von Blut entstanden sein sollen. Es konnte ausgeschlossen werden, dass es sich hier um Blut auf dem Gewebe handelt: Prof. Pfeiffer, Prof. Vittore, Dr. Hahn sind sich sicher: "Bei den roten Pigmenten auf dem Tuch handelt es sich nicht um getrocknetes Blut."

Eindeutig Muschelseide

Zum Vergleich waren Fäden aus Muschelseide und Leinen ebenfalls mit dem eingerichteten Versuchsaufbau und unter gleichen Lichtverhältnissen untersucht worden. Die Einschätzung, dass es sich beim Trägermaterial um Muschelseide handelt, teilten alle anwesenden Experten - mit der Einschränkung, dass erst die chemische Untersuchung einer Probe endgültige Gewissheit geben könnte.

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