Vater der Anti-Apartheid-Bewegung

Nelson Mandela und der Kampf und die Freiheit

Nelson Mandela symbolisiert wie kein anderer die südafrikanische Anti-Apartheid-Bewegung. Jahrelang ist er der berühmteste politische Gefangene der Welt. Am 11. Februar 1990 kommt Mandela frei, er wird erster schwarzer Präsident Südafrikas und prägt das Land.

Nelson Rolihlahla Dalibhunga Mandela wird am 18. Juli 1918 in einem kleinen Dorf namens Mvezo in Südafrika geboren. Sein Vater ist ein Tembu-Häuptling. Er gibt ihm den Namen Rolihlahla, was sinngemäß "Unruhestifter" bedeutet. Seinen englischen Vornamen Nelson bekommt er erst in der Schule von seiner Lehrerin. Als Mandela neun Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Er besucht eine Missionsschule, anschließend eine höhere Schule der Methodisten in Healdtown.

Frühes politisches Engagement

Nelson Mandela 1961
Nelson Mandela, 1961 Quelle: ap

Später studiert er Jura an der Universität von Fort Hare, einer Hochschule für Farbige. Während seines Studiums engagiert er sich politisch und wird Mitglied des Studentenrats. Als Mandela einen großen Streik organisiert, soll er von der Universität verwiesen werden. Er verlässt Fort Hare, geht nach Johannesburg und wird Anwaltsgehilfe in einer jüdischen Kanzlei.  Außerdem nimmt er ein juristisches Fernstudium auf, das er 1942 an der Universität von Pretoria abschließt. Später wird er sich während seiner Haftzeit an derselben Universität 1988 noch ein weiteren Abschluss erwerben.

Von 1944 bis 1957 ist Mandela mit Evelyn verheiratet. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne und zwei Töchter. 1944 wird Mandela Mitglied des African National Congress (ANC). Mit Walter Sisulu und Oliver Tambo gründet er, unzufrieden mit der damals gemäßigten ANC-Politik, die Jugendliga des ANC. Von 1951 bis 1952 ist er deren Präsident.

Arbeit als Rechtsanwalt

Mandela arbeitet als juristischer Referendar und eröffnet 1952 mit Oliver Tambo das erste farbige Rechtsanwaltsbüro in Johannesburg. 1958 heiratet er  zum zweiten Mal: Die 16 Jahre jüngere Nomzamo Winnie Madikizela wird seine Frau. Mit Winnie bekommt er zwei Töchter.

Mandela spielt eine zentrale Rolle als Organisator der Widerstandskampagnen, die mit den Protesten gegen die Passgesetze am 21. März 1960 in Sharpeville einen blutigen Höhepunkt erreichen. Verhaftungen und Gerichtsverfahren sind die Folge. Nach dem Verbot des ANC gründet Mandela am 16. Dezember 1961 den militanten Flügel "Umkhonto we Sizwe" (Speer der Nation) mit. Er reist heimlich ins Ausland, unter anderem nach Großbritannien, um Spenden für die militärische Ausbildung von ANC-Kämpfern  zu sammeln.

Haft auf Robben Island

Im August 1962 wird Mandela verhaftet und wegen verschiedener Protestaktionen zunächst zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1963 steht er erneut vor Gericht. Ihm werden mehr als 150 Sabotageakte angelastet. Dafür bekommt er eine lebenslange Haftstrafe.

Bis 1981 verbüßt Mandela - mittlerweile Symbolfigur des Kampfes gegen die Apartheid - seine Strafe auf der berüchtigten Felseninsel "Robben Island" vor Kapstadt. Dort sitzt er als Häftling mit der Nummer 466/64 ein. Mandela nutzt die Zeit, um zu studieren. Nach 18 Jahren wird er in ein Hochsicherheitsgefängnis aufs Festland verlegt. 1984 erlaubt die Regierung erstmals so genannte Kontakt-Besuche. Der wohl berühmteste Gefangene der Welt und seine Frau Winnie fallen sich nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder in die Arme.

„Free Mandela“ als neuer Schlachtruf

Mandela auf Robben Island
Mandela auf Robben Island Quelle: dpa

Im Gefängnis erfährt Mandela vom wachsenden internationalen Druck auf das Apartheid-Regime. „Free Mandela“ wird ein weltweiter Schlachtruf. 1985 bietet der südafrikanische Präsident Pieter Willem Botha auf internationalen Druck hin Mandela die Freilassung bei öffentlicher Gewaltentsagung an. Mandela lehnt ab und fordert die Legalisierung des ANC und die Abschaffung der Apartheid.

Mandela entschließt sich zu geheimen Verhandlungen mit der Regierung: Im Dezember 1989 findet das erste Treffen zwischen Mandela und Präsident de Klerk statt. Am 11. Februar 1990, um 16.14 Uhr, wird Mandela nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. Er tritt sofort an die Spitze der Anti-Apartheidbewegung  - noch am Tag seiner Entlassung hält er eine Rede vor hunderttausenden Menschen im Stadion in Soweto und ruft zur Versöhnung auf. Als freier Mann reist er in verschiedene Länder, um den internationalen Demokratisierungsdruck auf Südafrikas Regierung aufrechtzuerhalten. Im Juni 1990 ist er auch in Deutschland.

Abschaffung der Apartheid

1990 und 1991 werden schließlich alle wesentlichen Apartheidgesetze abgeschafft. Mitte 1991 werde der Ausnahmezustand aufgehoben, politische Gefangene kommen frei. Im Gegenzug verpflichtet sich der ANC dazu, den Kampf aufzugeben.

Eine schwere private Krise erschüttert Mandela 1991: Nachdem Winnie Mandela der Beteiligung an der Entführung und Folterung schwarzer Jugendlicher überführt und verurteilt wird, trennt sich Mandela von ihr. Für seinen gesellschaftspolitischen Kampf um die Demokratisierung von Südafrika bekommt Mandela 1993 eine besondere Auszeichnung: Gemeinsam erhalten Mandela und de Klerk für "ihren Versöhnungswillen, ihren großen Mut und ihre persönliche Integrität" den Friedensnobelpreis.

Erster schwarzer Präsident Südafrikas

Annähernd 20 Millionen Wähler beteiligen sich im April 1994 Unter dem Motto „One man, one Vote" an den ersten freien Parlamentswahlen in Südafrika. Als großer Wahlsieger geht der ANC hervor. Am 9. Mai 1994 wurde Mandela von der Nationalversammlung einstimmig zum Staatspräsidenten gewählt. Mandelas Regierungsmannschaft demonstriert das große Bemühen um ein von innenpolitischem Konsens und Interessenausgleich geprägtes "Kabinett der nationalen Einheit". Vizepräsidenten werden Mandelas alter ANC-Gefährte Thabo Mbeki und der bisherige Präsident Frederik de Klerk.

Nelson Mandela 1990
Mandela 1990 im Stadion von Soweto, 120.000 Menschen wollen ihn sehen. Quelle: ap

Als Südafrikas neuer Staatspräsident bemüht sich Mandela um Versöhnung: Er trinkt Tee mit ehemaligen Gegnern und als das ausschließlich aus weißen Mitspielern bestehende Rugbyteam "Springboks" im Weltmeisterschaftsfinale gegen Neuseeland steht, kommt Mandela im Springbok-Hemd zur Siegerehrung. In Afrika übernimmt er Vermittleraufgaben, etwa bei den Bürgerkriegen in Zaire/Kongo und im Sudan. Aber es gibt auch Kritik: Seine Kontakte zu Libyen, Kuba und Iran sorgen international für Unverständnis. Mandela spricht sich für eine Aufhebung der gegen Libyen verhängten UNO-Sanktionen aus und verleiht Libyens Staatschef Gaddafi die höchste Auszeichnung Südafrikas für Ausländer. 1998 empfängt er Palästinenser-präsident Arafat und zeichnet ihn für die Hilfe im Kampf gegen die Apartheid ebenfalls mit dem "Order of Good Hope" aus.

Letzter großer Auftritt bei der WM

Am 18. Juli 1998, seinem 80. Geburtstag, heiratet er Graça Machel, die Witwe des früheren Präsidenten von Mosambik. Es ist seine dritte Ehe. Der Brautpreis an die Familie von Graça Machel beträgt 60 Kühe. Ende März 1999 verabschiedet sich Mandela unter Beifall der Abgeordneten vom ersten demokratisch gewählten Parlament, eine zweite Kandidatur lehnt er ab.  Er engagiert sich nun stark für soziale Belange und gründet eine Stiftung, die "Nelson Mandela Foundation". Geschickt weiß er die Unterstützung von internationalen Künstlern, Sportlern und Politikern zu nutzen.

Kinder liegen ihm besonders am Herzen. So sammelt er Spendengelder für den Bau von Schulen und Gesundheitszentren in abgelegenen Gebieten oder den Kauf von Medikamenten.  Auch kämpft er gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids. Er fordert einen offenen Umgang mit der in Südafrika tabuisierten Krankheit. Auch privat ist Mandela betroffen: Im Januar 2005 stirbt sein Sohn Makgatho an Aids.

Als sich Südafrika um die Austragung der Fußball-WM 2010 bewirbt, setzt das Land auch auf das Zugpferd Mandela. Mit Erfolg: 2004 erhält Südafrika den Zuschlag. Im Juli 2008 feiert ganz Afrika Mandelas 90. Geburtstag – Mandela wird weltweit gewürdigt und gefeiert.  Während der WM in Südafrika 2010 hat Mandela seinen letzten großen Auftritt. Der mittlerweile 94-Jährige lebt in Qunu (Provinz Ostkap) und ist nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen.

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