Vater mit 100 Jahren

Abraham wird Vater von Ismael und Isaak

Gott hatte Abraham eine große Familie versprochen, aber Sara war unfruchtbar. "Herr, was willst du mir geben?", fragte Abraham im Gebet, "ich gehe dahin ohne Kinder". Seine Gebete wurden erhört: Hagar, Saras ägyptische Sklavin, wurde die Mutter von Ismael. Und auch Sara selbst brachte im hohen Alter ihren Sohn Isaak zur Welt.

Abraham mit Kind
Abraham mit Kind Quelle: ZDF

Im nomadischen Kulturkreis war Unfruchtbarkeit ein schweres Schicksal. Was das Alte Testament erzählt, mag heutzutage befremden: Um ihrem Mann Nachkommen zu ermöglichen, führte ihm Sara ihre ägyptische Sklavin Hagar zu. Hagar wurde in den Kreis der Familie aufgenommen, stand aber weiterhin in Diensten der Hauptfrau Sara. Ein Jahr später hatte Hagar einen Sohn geboren, der dem orientalischen Gesetz nach voll erbberechtigt war. Abraham nannte ihn "Ismael", was "Gott erhört dich" bedeutet.

Das altmesopotamische Recht, das die Forscher von Keilschrifttexten kennen, passt zu dieser Geschichte aus der Bibel. Danach hatte eine Ehefrau, die kinderlos blieb, ihrem Mann eine Nebenfrau zu stellen. Wieder ein Puzzelstein, der zum biblischen Text zu passen scheint und dem Stammvater historisches Leben einhaucht.

Der Bund wird geschlossen

Als der Stammvater 99 Jahre alt war, erschien ihm wieder der Herr und sprach: "Ich will einen Bund machen zwischen mir und dir." Nun änderte er Abrams Namen in "Abraham", was "Vater vieler Völker" heißt. Und auch Sara sollte gesegnet sein, "denn auch von ihr will ich dir einen Sohn geben", sagte Gott. Da fragte Abraham lachend: "Soll mir mit 100 Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara mit neunzig gebären?" Der Herr aber bestätigte die Verheißung, und als Zeichen seines Bundes mit Abraham forderte er die Beschneidung des Patriarchen und aller Männer aus seiner Sippe.

Einige Zeit darauf, als Abraham mittags vor dem Eingang seines Zeltes saß, kamen drei fremde Männer auf ihn zu. Er bemerkte nicht, dass es Engel waren. Mit großer Freundlichkeit bat er die Fremden in sein Zelt. Er bewirtete sie, wie es dem uralten nomadischen Gastrecht entsprach. Was Abraham vorlebte, den Fremden als willkommenen Gast zu bewirten, ihn mit Respekt und Großzügigkeit zu behandeln, gilt in allen drei Weltreligionen als beispielhaft.

Mutter mit über 90?

Einer der fremden Männer prophezeite Abraham, dass Sara im nächsten Jahr einen Sohn haben würde. Sara, die heimlich lauschte, lachte darüber - denn sie war inzwischen eine sehr alte Frau. Dann geschah das Wunder. Im Alten Testament heißt es: "Der Herr suchte Sara heim, wie er gesagt hatte, und tat an ihr, wie er geredet hatte." Abraham war inzwischen 100 Jahre alt. Der überglückliche Vater nannte seinen Sohn "Isaak", den Lachenden. Sara war inzwischen über 90 Jahre alt.

Sara bekommt ein Kind
Sara bekommt ein Kind Quelle: ZDF

Den Sohn verstoßen

Abrahams Glück über die beiden Söhne Ismael und Isaak währte nicht lange. Sara wollte ihrem Sohn Isaak das Alleinerbe sichern, obgleich nach dem altorientalischen Recht der Sohn der Nebenfrau nicht benachteiligt werden durfte. Sara forderte ihren Mann auf, Hagar und deren Sohn Ismael fortzuschicken. Abraham wehrte sich dagegen. Doch Gott forderte ihn auf, Sara zu gehorchen. Eine Geschichte, die schwer nachvollziehbar ist. "Die Texte behandeln Probleme, die zu der Zeit, in der sie entstanden sind, relevant sind. Eben auch die Frage, wie man mit Erben umgehen soll. Die Texte dienen zur Nachahmung, aber auch zum Erschrecken", erklärt Bibelforscherin Ulrike Bechmann.

Und so mussten Hagar und ihr Sohn Ismael fortgehen. Die Ungerechtigkeit hätte tödlich enden können. Aber Gott griff auf wundersame Weise ein und rettete die Verstoßenen vor dem Verdursten. Auch Hagar und Ismael gehörten zu seinem Bund. Der Koran berichtet, dass Ismael zusammen mit seinem Vater Ibrahim, der in 25 Suren vorkommt, das Heiligtum in Mekka gründete.

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