"Vater vieler Völker"

Stammvater von Juden, Christen und Muslimen

Als Gott ihn ruft, lässt er alles hinter sich: Heimat, Freunde und Besitz. Im Alter von 99 Jahren schließt Gott einen Bund mit ihm, segnet ihn und gibt ihm den Namen Abraham. Der Herr sagt ihm, dem Kinderlosen, dass er Vater vieler Völker sein wird. Hat es ihn gegeben, den Mann, der als erster an den "einen" Gott glaubte?

Abraham
Abraham Quelle: ZDF

Den Namen "Abraham" erhielt Abram von Gott selbst. Er bedeutet "Vater vieler Völker" und sein Name ist Programm: Bis heute gilt Abraham als Stammvater der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, und mehr als drei Milliarden Menschen, fast die Hälfte der Weltbevölkerung, verehren ihn.

Mühsame Wanderungen

Der heiligen Schrift nach kam Abram aus Ur in Chaldäa, im heutigen Irak. Von dort aus zog er mit seinem hoch betagten Vater Terach, mit seiner Frau Sara, seinem Neffen Lot und den Leuten, die in seinen Diensten standen, nach Haran, das damals in Nordmesopotamien lag und heute zur Südosttürkei gehört. Das ist eine Strecke von etwa 1000 Kilometern, eine riesige Entfernung für eine Karawane in biblischen Zeiten.

Karte Mesopotamien
Karte Mesopotamien Quelle: ZDF

"Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und du sollst ein Segen sein", spach der Herr zu Abraham. Der zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahre alte Abraham gehorchte. Von Haran aus führte die Wanderung durch Syrien, an Damaskus vorbei ins Land Kanaan und weiter nach Süden, durch den Negev bis nach Ägypten und wieder zurück in das Land am Jordan. Das sind noch einmal mehr als 1500 Kilometer, das meiste davon zu Fuß, vielleicht auf dem Esel zurückgelegt - einer menschenfeindlichen Natur ausgeliefert.

Mehr als eine biblische Legende?

Vor mehr als 4000 Jahren soll Abraham gelebt haben. Traditionelle Theorien datieren ihn auf die Zeit zwischen 1800 und 1000 vor Christus. Es sind die Geschichten um den heimatlosen Nomaden, der seinem Gott so sehr vertraute, dass er bereit war, sein geliebtes Kind auf dem Opferaltar zu schlachten, welche die Menschen über verschiedenste Epochen und Kulturen hinweg berührt und in seinen Bann gezogen haben.

Fast alle Forscher sind heute der Meinung, dass der biblische Stammvater historisch nicht zu erfassen und schon gar nicht archäologisch nachweisbar sei. Aller Skepsis zum Trotz gibt es immer wieder Übereinstimmungen zwischen den historisch-archäologischen Befunden und den biblischen Erzählungen. Die Heilige Schrift nennt Orte, die Archäologen inzwischen ausgegraben haben und beschreibt Situationen, die aus Keilschrifttexten bekannt sind. Diese Zusammenhänge werfen immer wieder die Frage auf, ob die Stammvater-Geschichten nicht doch einen wahren Kern haben könnten.

Nicht aus einem Guss

Die Forscher wissen heute, dass die Abraham-Geschichte nicht aus einem Guss ist. Zwischen dem achten und zweiten Jahrhundert vor Christus aufgeschrieben, wurden die Geschichten seines Schicksals neu interpretiert, umgeschrieben und ergänzt. Schließlich entstand der Text, der im Buch Genesis der jüdischen Tora und im Alten Testament der christlichen Bibel niedergeschrieben ist. Auch das heilige Buch der Muslime, der Koran, berichtet von Abraham und nennt ihn den "Freund Gottes".

Ein Beispiel für die "Anpassung" der Texte ist die Sache mit den Kamelen: Der Überlieferung nach verließ Abraham Ägypten als reicher Mann: Sara wurde vom Pharao freigegeben, dazu hatte Abraham Gold und Silber und andere Schätze, große Viehherden und prächtige Kamele. So steht es geschrieben. Domestizierte Kamele, die als Lasttiere in Karawanen mitliefen, sind im Vorderen Orient erst ab dem ersten Jahrtausend vor Christus belegt. Die meisten Forscher schließen daraus, dass sich in den Abraham-Geschichten die Lebenswelt der Epoche spiegelt, in der sie niedergeschrieben wurden.

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