Viele Evangelien im Umlauf

Der Beginn einer Tradition

Neben den kanonischen Evangelien gibt es weitere "Evangelien" - Schriften, die wie die Evangelien des Neuen Testaments in den ersten Jahrhunderten nach Christus entstanden sind und bis vor wenigen Jahrzehnten unentdeckt geblieben waren. Diese Schriften lassen Jesus von Nazareth in einem anderen Licht erscheinen - und mit Jesus das ganze Christentum.

Jahrtausend alte Schriften Quelle: ZDF

Wer waren die Menschen, die die Geschichte von Jesus von Nazareth erst mündlich weitergegeben und später aufgeschrieben haben? Die ersten Anhänger von Jesus waren Juden, aber immer stärker trat eine Abkehr vom Judentum ein. Explosionsartig entwickelten sich Gemeinden, die der neuen Religion des Christentums angehörten. Und in diesen Gemeinden entstanden Schriften. Die Forschung ist sich einig: Es wurden mehr als die vier kanonischen Evangelien verfasst:

Der Beginn einer Tradition


Wie, fragen sich Experten bis heute, kam es dazu, dass so unterschiedliche Evangelien verfasst wurden? Und aus welchem Grund entstand das Bedürfnis, die Evangelien aufzuschreiben? "Die Evangelien sind entstanden, weil es Gemeinden gab. Am Anfang gab es nur Jesus, dann die Verkündigung von Jesus. Dann sind die ersten Apostel gestorben und dann merkte man, man braucht eine Tradition", erklärt Theologin Dr. Silvia Pelligrini, "man braucht einen festen Punkt, wo alle sagen und aufbewahren können, was diese Lehre oder diese Verkündigung ist."

Diese Evangelien entwickelten sich so unterschiedlich, wie die Gemeinden, in denen sie entstanden. Denn wer konnte 100, 200 oder 300 Jahre nach Jesu Tod noch sagen, was wirklich geschehen war? Es gab einen Wettstreit der Ideen und Auffassungen, der in den Texten sein Echo fand.

Galiläa zur Zeit Jesu Quelle: ZDF

Übertriebene Darstellungen?

Besonders im zweiten und dritten Jahrhundert entstanden weitere Schriften, die sich auch dadurch auszeichneten, dass legendäre Geschichten aufgenommen wurden, übertriebene Darstellungen sowie "eine Sammlung eigentümlicher vermeintlicher Aussagen Jesu", die auf den Leser Eindruck zu machen suchten, wie der Professor für Neues Testament Eduard Lohse berichtet. "Die alte Kirche, die diese Werke nicht anerkannte, sondern lediglich die vier Evangelien in den Kanon neutestamentarischer Schriften aufnahm, hat damit eine wohl begründete Entscheidung getroffen", meint Lohse. Nichts desto trotz geben diese Schriften einen Einblick in die Auseinandersetzungen, die untern den Christen im frühen Christentum geführt wurden.

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