Vogelpredigt und Weihnachtskrippe

Respekt vor der Schöpfung und Frieden auf Erden

Die Vogelpredigt gehört zu den bekanntesten Franziskus-Legenden. Sie zeigt, dass Franz von Assisi die gesamte Schöpfung Gottes als eine Einheit begreift. Neben der Aufforderung zu sozialem und ökologischem Engagement ist es vor allem der Aufruf zum friedlichen Miteinander, für das Franz von Assisi steht. Ein Symbol dafür: Franziskus Erfindung der Weihnachtskrippe - mit Ochs und Esel.

Während der Erntezeit trifft die Gruppe um Franziskus auf eine Schar Vögel, die im geschnittenen Getreide nach Nahrung sucht. Das Verhalten der Tiere ist ungewöhnlich, denn sie fliegen nicht davon, als sich die Gruppe nähert. Franziskus beginnt, zu den Tieren zu sprechen.

"Franziskus war der Meinung, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, Pflanzen, und die gesamte Natur beseelt sei. Und insofern hat er angenommen, dass die Vögel verstehen!" So erklärt Professor Helmut Feld Franziskus Verhalten.

Kirche der gesamten Schöpfung


Die Worte der Vogelpredigt sind berühmt - aber was haben sie zu bedeuten? Richtet sich die Botschaft eigentlich an die Gefährten des Franziskus, die die Gunst Gottes in einem Leben ohne Besitz und auf Wanderschaft erkennen sollen? Oder verbirgt sich die Vision einer neuen Kirche dahinter - einer Kirche, die nicht nur Menschen anspricht, sondern das Heil der gesamten Schöpfung als Aufgabe sieht?

Vogelpredigt des Franziskus

Die Überlieferung hat aus der Vogelpredigt religiöse Folklore gemacht. Erst die moderne Umweltbewegung greift bei dem Versuch, Menschen wieder mit der Schöpfung zu versöhnen, einen Ansatz des Franziskus auf. "Die franziskanische Spiritualität ist geprägt von einem tiefen Respekt vor der Natur und vor der Schöpfung. Und wir als Christen, als Franziskanerinnen, sind deshalb besonders gefordert, Beispiel gebende Impulse zu setzen", sagt Schwester Gerda von den Franziskanerinnen.

Projekt im Sinne des Franziskus

Das Projekt, für das Schwester Gerda verantwortlich ist, steht in diesem Geiste: Die Regens-Wagner Stiftung in Zell ist eine Förder- und Betreuungseinrichtung für etwa 300 Hörbehinderte. Die neuen Gebäude für die Wohngemeinschaften wurden nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet und als Niedrigenergiehäuser ausgelegt. Schwester Gerda Friedel ist als Leiterin der Einrichtung auch für das Umweltmanagement zuständig.


Die Erdwärmeheizung ist nur eine der Maßnahmen, die die Stiftung zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt gemacht haben: "Durch diese Umweltmaßnahmen hier bei uns in Zell haben wir die CO2-Emission im vergangenen Jahr um über 216 Tonnen reduzieren können", erzählt die Schwester Gerda.

Weihnachtskrippe mit Ochs und Esel


Neben der Aufforderung zu sozialem und ökologischem Engagement ist es vor allem die Verpflichtung zur Friedfertigkeit, die auch 800 Jahre nach Franziskus nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Franziskus Treffen mit dem Sultan während des 5. Kreuzzugs ist ein Versuch, in Gesprächen Frieden zu finden. "Kirchenpolitischen, bekehrungsmäßige, oder missionarischen Folgen hatte diese Begegnung nicht", sagt Professor Helmut Feld. Franziskus hat sich in den Orient begeben, um mit dem Sultan zu sprechen. "Franziskus hatte das Grauen der Kreuzzüge erlebt, und er wollte sie verurteilen", erläutert Professor Chiara Frugoni aus Padua: "Mit dem Krippenspiel von Greccio will er die Botschaft der Liebe, die die Christen seiner Zeit völlig vergessen hatten, wiederbeleben."

Weihnachtskrippe mit Ochs und Esel

Die Weihnachtskrippe ist eine Erfindung des Franziskus. Im Jahr 1223 stehen in einer Felsnische bei Greccio zwei Tiere im Zentrum des Geschehens: "Ochse und Esel stehen in der Bildsprache der Zeit für Juden und Muslime. Und das Heu ist für sie der Leib Christi, die Hostie", erklärt Professor Chiara Frugoni. Die Teilhabe am Heilsgeschehen für Juden und Muslime? Nach Franziskus wäre - rein symbolisch - die gesamte Menschheit vor dem Christuskind versammelt.

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