Vom Heiden zum Christen

Ein junger Sachse lässt sich bekehren

Der Sachse Haddo wuchs ganz in der Tradition seiner sächsischen Vorfahren auf, lernte die Bräuche seines Volkes und das Kriegshandwerk. Zunächst kämpfte er gegen Karl den Großen, doch dann änderte ein Mönch sein Leben von Grund auf.

Haddo Quelle: ZDF

Die Rekonstruktion von Haddos Leben beginnt mit einem Knochenfund. Was der Anthropologin Babette Wiedmann zunächst auffällt, ist eine leichte Lippenbildung an den Wirbeln des menschlichen Skeletts. Sie schließt daraus auf leichte Rückenprobleme, außerdem hatte der Mensch einen komplett kariösen Zahn im Oberkiefer.

"Wenn ich wissen will, wie alt so ein Mensch geworden ist, dann ist vor allem der Schädel ein guter Hinweis. Die Schädelnähte sind in diesem Fall noch zu sehen, aber schon ein Stück weit verwachsen", erklärt Wiedmann und schlussfolgert, dass der Mann zwischen 30 und 50 Jahre alt geworden ist.

Fiktion und Fakten

Der vermutlich in der Mitte des 8. Jahrhunderts geborene Mann erhält den Namen Haddo. Damit beginnt der Versuch, die wichtigsten Stationen seines Lebens zu rekonstruieren. Mit einer Mischung aus gesammeltem Wissen über die damalige Zeit und Fiktion wird Haddos wechselvolle Geschichte zusammen gepuzzelt. Sie zeigt den Sachsen hin- und hergerissen zwischen heidnischer Tradition und christlicher Lehre. Vieles bleibt Spekulation, doch so könnte Haddo gelebt haben:

Der Hof, auf dem Haddo mit seiner Familie lebte, lag an den Ausläufern des Teutoburger Waldes. Als Haddos Vater starb, wurde sein Sarg mit Beigaben gefüllt. Er war ein angesehener Krieger. Das Kämpfen gehörte für die Sachsen zur Natur. Friedfertigkeit war eine Vorstellung, die ihnen völlig unbekannt war. Sie verehrten den Gott Wodan, damit er ihnen im nächsten Krieg den Sieg brachte.

Mit den Ahnen verbunden

Haddo fühlte sich wohl mit dem Geist seines Vaters verbunden. Auch er wollte ein guter Krieger sein und nach seinem Tod mit seinen Ahnen wieder zusammen sein.

Die Sippe Haddos wurde im ersten Kriegszug von Karl dem Großen nicht unterworfen. Bis zu ihrer Siedlung waren die Franken noch gar nicht vorgedrungen. Haddos Sippe kannte keinen König aller Sachsen. Warum hätte sie Karl als ihren König akzeptieren sollen?

Waffen für den Widerstand

Haddo erlernte den Beruf des Waffen-Schmieds. Wie man aus Eisenerz in einem Lehmofen Eisen gewinnt, wussten die Sachsen seit Jahrhunderten. Viele Stunden lang wurde das Eisenerz durch Verbrennen von Holzkohle auf über 1000 Grad erhitzt.

Schließlich öffneten die Schmiede den Ofen und holten das Gemisch aus Eisen, Schlacke und Holzkohle heraus. Das Eisen war noch lange nicht rein. Durch Ausschmieden wurde es von Schlacke und Holzkohle getrennt. Erst danach konnte Haddo es zu einer Klinge verarbeiten.

Schwerter wurden dringend benötigt, denn die Männer in Haddos Dorf hatten von einem Heerführer gehört, der die Sachsen zum Aufstand gegen die Franken führte. Haddo dachte an seinen Vater zurück, der ein unerschrockener Krieger gewesen war, freiheitsliebend wie alle Sachsen. Gemeinsam mit anderen Männern aus seinem Dorf schloss sich Haddo dem Aufstand unter Widukind an.

Vom Galgen gerettet

Trotz einiger kleiner Siege führte der Widerstand nicht zum Erfolg. Eines Tages wurde Haddo gefasst und als heidnischer Aufrührer verurteilt. Zu seinem Glück wurde der Mönch Liudger auf Haddo aufmerksam und verzieh ihm. Wahre christliche Nächstenliebe galt für Liudger auch einem Sünder. Der Missionar hätte selbst einem Mörder das Leben geschenkt.

Haddo selbst fühlte sich der geistigen Welt seiner Ahnen verbunden. Nach seinem Tod wollte er mit seinen Vorfahren in Wallhall zusammen sein. Im christlichen Paradies, so predigten die Missionare, würde er die heidnischen Vorväter nicht antreffen. Eine schwer zu akzeptierende Vorstellung für einen jungen Sachsen.

Haddo folgt dem Mönch

Nach seiner Rettung vom Galgen folgte Haddo dem Mönch. Vieles, was der Geistliche predigt, war für ihn neu. So erfuhr Haddo, dass der Christengott alle Menschen gleich liebt. Fürsorge galt bei den Sachsen nur der eigenen Familie.


Der Sachse folgte Liudger, der schließlich zum Bischof geweiht wurde, und ließ sich mit ihm in Paderborn nieder. Immer wieder erklärte Liudger dem gelehrigen Haddo die Botschaft des Evangeliums. Und der erkannte, dass die neue Religion sein Leben mehr bereichern konnte als Ahnenkult und Opfergaben an Kriegs- und Wettergötter. Schließlich war er bereit, sich taufen zu lassen.

Haddo Taufe Quelle: ZDF


Nicht lange nach der epochalen Krönung Karls des Großen zum Kaiser starb Haddo in einem Dorf nahe der Kaiserpfalz von Paderborn. Liudger betete mit ihm. Neben anderen Menschen aus der ersten sächsischen Christengeneration wurde Haddo auf dem Friedhof in Paderborn begraben.

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