Vom Wiesenfund zum historischen Rallyewagen

Beim Projekt „Schrauben für die Zukunft“ restaurieren sechs Jugendliche und ein Kfz-Meister einen Opel Ascona B innerhalb von neun Monaten. Eine große Herausforderung, aber was braucht man eigentlich, um einen alten Rallyewagen wieder in Schuss zu bringen? Tipps vom Autor Ron Boese.

Wer sich einen historischen Rallyewagen aufbauen möchte, sollte sich vor der Auswahl des Fahrzeuges schon einmal Gedanken machen, ob er ein historisches Vorbild möglichst originalgetreu nachbauen oder ob er es vor allem im historischen Rennsport knallhart bewegen möchte. Diese Entscheidung hat nämlich Auswirkungen auf die zu verwendenden Einzelkomponenten des Fahrzeugs. Nicht jedes historisch korrekte Teil, wie zum Beispiel der zeitgenössische Recaro-Sitz,  ist heute noch zugelassen beziehungsweise homologisiert. So bleibt dem versierten Schrauber nichts anderes übrig, als sich durch die Reglements (Anhang K im FIA-Handbuch oder für Youngtimer das CTC-Reglement des DMSB) zu kämpfen.

Die Arbeit beginnt

Ist die Karosserie dann nackt und sämtliche ausgebauten Teile sind ordentlich sortiert nach Baugruppen in Kartons oder Kisten verstaut, geht es endlich los: Als erstes sollte man mit der Versteifung und Verstärkung der Karosse beginnen: Sämtliche Punktscheißnähte an der Karosse sollten im Abstand von fünf bis zehn Zentimeter mit einer fünf Zentimeter langen Raupe nachgeschweißt beziehungsweise durchgeschweißt werden. So erhält die Karosse eine wesentlich höhere Grundsteifigkeit.

Ist das geschafft sollten Verstärkungsbleche eingeschweißt werden. Die Stellen dafür sind vom Modell abhängig. Grundsätzlich aber empfiehlt es sich, die Federdome vorne und hinten zu versteifen und andere Sitzkonsolen einzuschweißen. Außerdem sollten auf jeden Fall die Achsaufnahmen verstärkt und Verstärkungsbleche im Bereich der Wagenheberaufnahmen verbaut werden. Jetzt beginnen wir mit dem Einbau des Überschlagschutzes. Wer die Wahl hat, sollte immer eine Zelle einschweißen und sich nicht mit einem Käfig zufriedengeben. Der Vorteil einer Zelle ist, dass auch Streben zu den Federdomen gehen, was nicht nur für die Insassen mehr Sicherheit bedeutet, sondern dem Auto auch nochmal zusätzlich Steifheit verleiht.

Die Lackierung

Nach der Zelle sollten alle weiteren Teile an die Karosse oder an Hauben, Türen und Kotflügel montiert werden, die später nicht einzeln lackiert werden sollen, wie zum Beispiel Kotflügelverbreiterungen. Ist die Karosse geschweißt, kann sie lackiert werden. Wer nicht gerade eine eigene Kabine hat, muss wohl oder übel den Weg zum Lackierer seines Vertrauens antreten.

Porsche 911 Carrera RS 2,7 Coupé
Björn Waldegaar und Hans Thorszelius auf 911 Carrera RS 2,7 Coupé 1974 Quelle: Porsche

Baut man ein historisches Vorbild nach, ist es nicht immer einfach den Farbton rauszufinden. Auch hier muss man recherchieren und sollte nicht dem erstbesten Foren-Eintrag vertrauen. Oft wurden die Fahrzeuge nicht in Serienfarben lackiert, sondern in speziellen, nur für den Rallyewagen bestimmten Farbtönen. Selbiges gilt für die Original-Beklebung.

Der nächste logische Schritt wären die Achsen, schließlich sollte man die Karosse, wenn sie vom Lackieren kommt, irgendwo draufstellen können. Die Achsen und Radaufhängungsteile sollten ebenfalls komplett zerlegt werden. Verstärkungen sollten in jedem Fall an den Radaufhängung, den Querlenkern und den Achshaltern eingeschweißt werden. Bei vielen Fahrzeugen bietet sich das Verbauen eines verstärkten Achshalses an. Ist die Karosse vom Lackierer zurück, kann der Einbau erfolgen.

Safety first

Steht das Fahrzeug jetzt endlich wieder auf eigenen Achsen, kann man beginnen die Karosse zu komplettieren und Elektrik, Schläuche und Leitung zu verlegen. Dabei ist wichtig: Sämtliche Kabel sollten in flexiblen Schutzrohren verlegt werden, schließlich wird das Auto mehr Vibrationen ausgesetzt sein als im normalen Straßenverkehr.


Hat man auch sämtliche Türen und den Heckdeckel verbaut und die Scheinwerfer, kann man sich in aller Ruhe dem Antriebsstrang zuwenden. Sollte man bis hierher gedacht haben, dass ein Rallyewagen aufzubauen gar nicht so teuer ist: Jetzt wird’s bitter. Gute Tuningteile für den Motor kosten richtig Geld. Wer Kontakte hat, sollte diese jetzt spielen lassen oder richtig tief in die Tasche greifen. Das Budget für den Motor sollte mindestens 2000 Euro betragen, wenn man auf Neuteile angewiesen ist.

Das Herzstück

Was den Block angeht, sollte man auf jeden Fall sämtliche Serien-Lager und Lagerschalen erneuern und durch haltbarere ersetzen und den Motor komplett neu abdichten. Eine scharfe Nockenwelle, die dazu passenden härteren Ventilfedern und bearbeitete Kanäle sind die gängigsten Grundarbeiten. Außerdem sollten in jedem Fall haltbare Rennsportventile verbaut werden. Ob man den Kopf plant oder den Block plant und wie viel man vor allem wo abträgt, das ist von Motor zu Motor unterschiedlich und auch eine Wissenschaft für sich. Grundsätzlich sollte man aber auf eine ausgewogene Balance zwischen Haltbarkeit und Leistungssteigerung achten.

Lancia Stratos HF
Lancia Stratos HF Quelle: Lancia

Wichtig ist auch das Verbauen des richtigen Getriebes. Hier sollte man wissen, welche Art von Rallye gefahren werden soll. Da man allerdings selten bei einer Rallye auf eine hohe Höchstgeschwindigkeit, sondern vielmehr auf eine schnelle Beschleunigung angewiesen ist, sollte die Getriebeübersetzung auch entsprechend ausgewählt werden.

Nach dem Einbau des Getriebes und der Kardanwelle (beim Hecktriebler) steht am Ende eines jeden Projekts die Hochzeit, das heißt das Verheiraten des Motors mit dem Rest des Autos. Jetzt muss nur noch alles richtig angeschlossen werden, dann können die Einstellarbeiten am Motor beginnen und die ersten Probefahrten unternommen werden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet