Vorchristliche Unterwelten

Menschen aller Zeiten hatten Unterweltsvorstellungen

Im Jenseits drohte nicht immer eine Hölle, wie die Christen sie fürchteten. Schon in der griechischen Mythologie führte die Reise ins Totenreich an einen fernen Ort der Finsternis. An ihm wurde geklagt, aber nicht gequält.

Pyramiden Quelle: ZDF

Die Welt der Lebenden und der Toten trennte der Fluss des Vergessens, dem die Griechen den Namen Lethe gaben. Der Verstorbene hatte für die Passage ins Reich der Toten einen Obolus zu entrichten, den Charons-Pfennig, benannt nach dem düsteren Fährmann ins Jenseits. Die Hinterbliebenen gaben dem Toten goldene Münzen als Fährgeld mit auf seine letzte Reise.

Schattenreich Hades

Am Ende der Überfahrt über den Fluss des Vergessens wartete kein Ort gepeinigter Seelen und ewiger Verdammnis, sondern ein dunkles Schattenreich: der mythische Hades, die letzte Ruhestätte der Toten. Der Theologe Klaas Huizing erklärt, die christliche Hölle gehe zurück auf alte Hadesvorstellungen: "Dort wurden die Toten aufbewahrt, und es war auch so, dass die Menschen nicht wollten, dass die Toten aus dem Hades herauskamen. Deshalb gab es Wächter. Es war sogar ausgesprochen unangenehm, das waren dann Widergänger die kamen; sondern es gab eine klare Trennung zwischen Hades unten und Himmel oben - und allenfalls die Götter gingen nach unten um jemanden zu befreien."

Mumien im alten Ägypten

Noch vor der griechischen Mythologie kam bei den Ägyptern die Vorstellung von der Auferstehung der Toten und ihrem Weiterleben in einem paradiesischen Jenseits auf. Sie bauten ihren Verstorbenen unterirdische Wohnungen und Paläste, mumifizierten sie, damit sie körperlich unversehrt im Totenreich weiterleben konnten. Der Weg führte sie in den Westen, dort wo die Sonne untergeht.

Die Mumifizierung war nur der Anfang einer langen, gefahrvollen Reise des Verstorbenen. Sie folgte dem Lauf der Sonne, die jede Nacht auf der Sonnenbarke durch das Reich der Toten reiste, um am anderen Morgen gleichsam wiedergeboren zu werden. Auch die Vorstellung eines Jüngsten Gerichts kannten schon die Ägypter. Überwogen die guten Taten die Sünden, war die Seele gerettet. Ewige Höllenqualen mussten sie nicht befürchten. Von ihrer Gewissheit der Auferstehung der Toten und des ewigen Lebens im Paradies künden noch heute ihre Tempel und Pyramiden.

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