Wahnsinn am Watzmann

Die Deutschen und ihr Königssee

Das Berchtesgadener Land zählt zu den beliebtesten Urlaubsorten Bayerns - bei deutschen und ausländischen Touristen. Doch nicht nur die Wallfahrtskirche Sankt Bartholomä zieht Besucher an, auch der Obersalzberg, zeitweiliger Wohnsitz Adolf Hitlers, lockt alte und neue Nazis in den südöstlichsten Zipfel Deutschlands.

Hier herrscht ganztags Bayernseligkeit: Engländer in Lederhosen probieren Gamsbarthüte, kichernde Japanerinnen umlagern die Jodelbären für zehn Euro. Es riecht nach Schweinshaxe mit Kraut, aus dem Lautsprecher dudelt Volksmusik, und eine Gruppe Neuseeländer versucht immer fröhlicher, Geschmacksunterschiede zwischen Enzian, Bärwurz und Bier-Schnaps herauszufinden. Ein murmelnder Menschenstrom schiebt sich durch die Einkaufsgasse von Schönau, hinunter zum Ufer des Königssees, wo die Elektroboote nach St. Bartholomä im 30-Minuten-Takt ablegen - seit 1909!


Ein magischer Ort: Alleine im vergangenen Jahr besuchten rund 600.000 Menschen den Königssee. Die kleine beschauliche Wallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert, x-fach in Kalenderblättern abgebildet, ist ihr Ziel, nicht ohne auf dem See dem unvergleichlichen und unvermeidlichen "Echo vom Königssee" zu lauschen. Intoniert vom Bootsführer und seinem Flügelhorn schallt es dann über das Wasser, hin- und hergeworfen zwischen den Wänden des Watzmanns und des Hagengebirges.

Alte Last und neue Lust

Das filmische Porträt dieses Ortes beschränkt sich aber nicht nur auf die "Hauptmarschroute" der Touristen. Denn gleich nebenan beginnt die Natur pur: Der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands, rund 15 Kilometer im Geviert, im südöstlichsten Zipfel der Bundesrepublik. Ein Dorado für Wanderer, Naturfreunde - und wie man argwöhnen könnte, auch für die Ewiggestrigen: Eines der Ausflugsziele ist auch das "Kehlsteinhaus", einst Hitlers Teehaus.


Idylle zwischen alter Last und neuer Lust: Denn hier oben auf dem Obersalzberg eröffnete 2005 ein Fünf-Sterne-Luxushotel seine Pforten. 138 Zimmer, drei Suiten, ein Wellness-Tempel und jede Menge Verantwortung: Das Hotelmanagement sammelt fleißig Listen von Terminen, die für die Naziszene relevant sind - und Namen von Leuten, die man lieber nicht beherbergen möchte. Denn der einzigartige Blick auf den Königssee soll schließlich durch nichts getrübt werden!

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