Was für ein Land!

China und seine Grenzen

China - was für ein Land: Fast 27 Mal so groß wie Deutschland, die größte Bevölkerung, die höchsten Berge, die heißesten Wüsten, vier Zeit- und vier Klimazonen, Grenzen länger als eine halbe Erdumrundung und Nachbarn, wie es sie unterschiedlicher auf der Welt nicht noch einmal gibt: Russen, Afghanen, Pakistanis und Inder, Birmesen, Laoten, Vietnamesen, Kirgisen, Tadschiken und Nordkoreaner. Eine Steinzeitdiktatur und die größte Demokratie der Welt, Kommunisten und Islamisten, alle stehen vor den Toren des riesigen roten Reiches.

Der Fokus der Welt richtet sich immer stärker auf die erwachende Supermacht im Osten - und doch wissen wir nur wenig über China. Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und Wachstumsraten - diese Symptome einer sich dramatisch verändernden Gesellschaft bilden normalerweise den Kern der Berichterstattung über China.

Ein unbekanntes China zeigen

Mit der zweiteiligen Dokumentation "Chinas Grenzen" haben wir uns bewusst entschieden, darüber hinaus zu gehen und ein China zu zeigen, das so selbst vielen Chinesen noch völlig unbekannt ist.

In sechs Monaten sind wir durch Chinas entlegenste Grenzprovinzen gereist - oft an Orte, die noch nie ein Ausländer gesehen hat. Knapp 20.000 Kilometer Landstraßen, Feldwege, Sand- und Geröllpisten haben wir zurückgelegt. Wir haben gefroren, geschwitzt, sind von Mücken und Pferdebremsen geradezu aufgefressen worden oder mussten in 4800 Metern Höhe um Luft ringen. Erdrutsche und weggespülte Straßen, Hitze, arktische Kälte, Monsunregen und Schnee brachten uns manches Mal zum Verzweifeln.




Entdeckt aber haben wir ein Land, dessen Schönheit in ihrer Vielfalt wohl einzigartig ist. Das subtropische Tal des Nujiang Flusses, bis zu fast 8000 Meter hohe Berge am Hindukusch, im Pamir- und Karakorumgebirge. Badan Jilin, ein Wüstengebirge aus Sand, das im Jahr 2001 zum ersten Mal mit dem Auto durchquert wurde. Die endlose grüne Weite des Graslands in der Inneren Mongolei, raue Birkenwälder bis zum Horizont an Amur und Ussuri in der chinesischen Taiga.

Schnaps aus Suppenschüsseln

Überall haben wir Menschen getroffen, deren Gastfreundschaft nicht größer hätte sein können. Schnaps aus Suppenschüsseln und gekochtes Schaf, frischer Lachs und Kaviar - es gab nur das Beste für die Gäste aus dem fernen Deutschland.

Wir waren mit chinesischen Fischern unterwegs, die sich am Ussuri mit russischen Küstenwachbooten einen täglichen Kleinkrieg um den Pazifischen Lachs liefern, haben einen amerikanischen "Spion" getroffen, sind durch die Wüste gefahren mit einem Fahrer, der lieber Soldat geworden wäre, "doch leider gab es keinen Krieg mehr". In abgelegenen Bergdörfern am Rande des Himalayas erzählten uns Tibeter, warum der katholische Glaube ihnen Kraft und Hilfe gibt.




In Nordchina besuchten wir Farmen, die so viele Farmarbeiter haben wie deutsche Kleinstädte Einwohner. Im Karakorum- und Pamir-Gebirge wurden wir das Gefühl nicht los, dass es Spannungen gibt zwischen China und seinen Nachbarn, und wir spürten einen innerchinesischen Rassismus.

Viele sprechen kein Wort Chinesisch

Überall haben wir Menschen getroffen, die kein Wort Chinesisch sprechen. In ganzen Landstrichen ist Chinesisch eine Fremdsprache. Im Nujiang Tal, das sich über 500 Kilometer in der südchinesischen Provinz Yunnan erstreckt, waren wir auf einen fünfsprachigen lokalen Dolmetscher angewiesen.Aluo, ein ehemaliger Ziegenhirte, streng katholisch und Umweltaktivist, spricht Nu, Li, Dulong, Tibetisch und Chinesisch. Andere Sprachen sind Dai, Tadschikisch, Uigurisch, Kirgisisch und Mongolisch - immer wieder mussten wir sprachkundige Helfer finden. Blonde Menschen mit blauen Augen, verschleierte Frauen, Männer, die Wasserpfeife rauchen, Mongolen und Ewenken mit Händen wie Bratpfannen und slawischen Gesichtszügen - oft fragten wir uns, ob das hier alles wirklich noch China ist.

Peking steuert ein Vielvölkerreich

Der kommunistische Apparat in Peking steuert ein Vielvölkerreich, dessen Zukunft sich in seinen Grenzregionen entscheiden könnte. Unabhängigkeitsbewegungen in Tibet und und der autonomen uigurischen Provinz Xinjiang, eine Wüste, die sich aus dem Norden immer tiefer in das Land hineinfrisst, und im Osten eine nordkoreanische Diktatur, die ihre Menschen verhungern lässt und der Welt mit atomarer Zerstörung droht.




Bis auf Tibet aber, das für uns nach wie vor verbotenes Land ist, und Xinjiang, wo bis zu sechs offizielle Begleiter dafür sorgten, dass wir kein einziges offenes Interview führen konnten, sehen die Menschen auch an den abgelegensten Orten eine große Zukunft für sich und ihr Land. Und die chinesische Verheißung auf ein besseres Leben strahlt weit in die Nachbarländer hinein.

Wir haben ein China entdeckt, dessen Menschen und Natur viel facettenreicher sind, als es westliche Klischees vermuten lassen. Ein Land, das in sich vielfältiger ist, als die kommunistischen Machthaber in Peking glauben machen wollen. Das Ergebnis ist ein bisher einzigartiger Blick auf das Land, das die Zukunft der Welt verändern wird und das wir doch kaum kennen.

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