Was Sie schon immer über 3D wissen wollten

Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt

In 3D zu drehen, bedeutet mehr, als zwei Kameras parallel laufen zu lassen. Regisseur, Kameramann, Cutter und alle weiteren Mitglieder eines Filmteams haben es mit einer Fülle neuer Begriffe zu tun. Die wichtisten werden hier erklärt.

Michael Hermann und Max Laufer mit 3D-Brillen am 3D-Monitor
Michael Hermann und Max Laufer mit 3D-Brillen am 3D-Monitor Quelle: ZDF

Wie funktioniert 3D?

Beim dreidimensionalen Filmen wird die räumliche Darstellung beim menschlichen Sehen technisch nachgestellt. Beim menschlichen Sehen mit zwei Augen ("beidäugig"), also beim binokularen Sehen, senden die beiden Augen zwei unterschiedliche Bilder eines betrachteten Objekts an das Gehirn. Die Bilder des rechten und des linken Auges unterscheiden sich aufgrund des Augenabstandes hinsichtlich Position und Perspektive voneinander. Dieser leicht unterschiedliche Blickwinkel wird als "visuelle Disparität" bezeichnet. Der durchschnittliche menschliche Augenabstand beträgt 6,5 cm. Diese beiden (leicht) unterschiedlichen Bilder werden im Gehirn zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt.

Um diesen Sehvorgang technisch nachzubilden, muss für jedes Auge eine eigene Aufnahme erzeugt und dem rechten und linken Auge wieder getrennt zugeführt werden. Die räumliche Abbildung von Objekten durch zwei getrennt aufgenommene Halb- bzw. Teilbilder, die den beiden Augen wieder getrennt zugeführt werden, nennt man Stereoskopie bzw. Stereo-3D (S3D). Es gibt Menschen, die kein Stereo-3D sehen können.

Huber-Film-Team auf dem Sofa mit 3D-Brillen
Huber-Film-Team mit 3D-Brillen Quelle: ZDF,Peter Borig

Welche Rolle spielt die Leinwand beim 3D-Film?

Beim Stereo-3D installiert man da, wo man für eine 2D-Produktion mit nur einer Kamera arbeitet, zwei Kameras nebeneinander, die das Objekt in zwei Bildern aufnehmen. Der Positions- und Blickwinkelunterschied wird als "Parallaxe" bezeichnet. Sind die Kameras auf ein Objekt gerichtet und konvergierend, gibt es einen Punkt, in dem sich die Blickachsen schneiden. In diesem Punkt sind die Bilder der beiden Kameras deckungsgleich. Man nennt ihn "Konvergenzpunkt". Vergleicht man bei der Projektion der Bilder auf eine Leinwand mehrere Objekte in einem Raum, so werden die Objekte, die im linken und rechten Bild deckungsgleich sind, vom Zuschauer als "auf der Leinwand liegend" wahrgenommen. Diese Ebene ist die so genannte "Konvergenz- oder Scheinfensterebene". Abhängig von der Scheinfensterebene werden die anderen Objekte als vor beziehungsweise hinter der Leinwand liegend wahrgenommen.

Wenn der Film von der Leinwand in das Wohnzimmer ragt - Negative und Positive Parallaxe

In der "negativen Parallaxe" liegen Objekte, die als "vor der Leinwand liegend" wahrgenommen werden, in der "positiven Parallaxe" liegen Objekte, die als "hinter der Leinwand liegend" wahrgenommen werden. Betrachtet man ein Objekt, indem man abwechselnd das rechte und das linke Auge abdeckt, so "springt" das Objekt im Vergleich zu einem Bezugspunkt - beispielsweise zum Hintergrund - hin und her. Bei der negativen Parallaxe scheint das Objekt - im Vergleich zum Hintergrund - im Bild des linken Auges weiter rechts zu liegen als im Bild des rechten Auges. Umgekehrt ist es bei der positiven Parallaxe: Dort scheint das Objekt im Bild des linken Auges - jetzt im Vergleich zum Vordergrund - weiter links zu liegen als im Bild des rechten Auges. Aus diesen Parallaxen interpretiert das Gehirn, in welcher Tiefenstaffelung die Objekte zueinander stehen. Für Stereo-3D definiert die maximale negative und die maximale positive Parallaxe das "Stereo-Budget", also die gesamte räumliche Tiefe, die im Film bespielt werden kann. Durch die Festlegung des Schnittpunktes der beiden Blickachsen wird definiert, welche Objekte eines Films im Vordergrund und welche im Hintergrund liegen. Mit dieser Definition ergibt sich auch die räumliche Tiefe des Films.

Wenn das Gehirn einen Strich durch die Rechnung macht - Die Scheinfensterverletzung

Zu einer "Scheinfensterverletzung" kommt es, wenn ein Objekt (beispielsweise der Arm eines Menschen), das "vor der Leinwand liegend" wahrgenommen wird, rechts, links oder oben angeschnitten ist. Dies widerspricht der Logik der räumlichen Tiefe, denn das Gehirn denkt, ein Gegenstand der beschnitten ist, muss hinter dem Rahmen des Fernsehers sein und kann nicht nach vorne herausragen. Es stellt keinen 3D-Effekt mehr her.

3D-Kamera mit zwei parallel montierten konventionellen Film-Kameras
3D-Kamera Quelle: ZDF,Peter Borig

In welchem Abstand werden die Kameras zueinander montiert? Stereobasis und Hyper-Stereo

Im Gegensatz zum menschlichen Sehen gibt es bei dreidimensionalen Filmen verschiedene Möglichkeiten der Bildgestaltung. So ist man beispielsweise nicht auf einen Augenabstand von 6,5 cm beschränkt. Die Abstände der beiden Kameras, die sogenannte "Stereobasis" (Abstand zwischen den Mittelpunkten), lassen sich variieren. Vergrößert man die Stereobasis, erzeugt man bei weit entfernten Objekten einen 3D-Eindruck, der mit menschlichem Auge nicht sichtbar wäre (aus dem Flugzeug betrachtet sieht die Erde relativ zweidimensional aus). Hier spricht man von "Hyper-Stereo". Das Gleiche gilt im umgekehrten Fall bei Makroaufnahmen, bei denen man mit Stereobasen kleiner als 6,5 cm eine große Motivtiefe erzeugen kann. Allerdings wird es für die menschlichen Augen und das Gehirn bei größer werdenden Parallaxen immer schwieriger, die beiden Bilder in Übereinstimmung zu bringen.

Konvergierendes oder paralleles Drehen

Beim konvergierenden Drehen werden die Kameras, analog zu den menschlichen Augen, perspektivisch zueinander ausgerichtet. Sie schauen nicht parallel, sondern perspektivisch auf einen Punkt. In diesem Punkt treffen sich die beiden Blickachsen. Der Stereograph legt am Set fest, was auf der Bildebene, was vor der Bildebene und was dahinter liegt.

Beim parallelen Drehen werden die beiden Kameras parallel angeordnet, das kann das menschliche Auge nicht. Im gesamten Bild, in jedem Punkt haben die beiden Aufnahmen der beiden Kameras einen Augenabstand von zum Beispiel 6,5 cm. Es gibt keinen Punkt im Bild, auf dem das rechte und das linke Auge deckungsgleich sind. Hierbei lässt sich ausschließlich in der Postproduktion festlegen, welche Tiefenstaffelung das Bild hat.

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