"Welthochburg der Hoffnung"

Papst Benedikt XVI. in Lourdes

Lourdes feiert 150. Geburtstag und Papst Benedikt XVI. feiert mit. Für das Kirchenoberhaupt ist der Marienwallfahrtsort die "Welthochburg der Hoffnung". Mehr als sechs Millionen Pilger kommen jährlich nach Lourdes und nicht wenige von ihnen hoffen auf ein kleines Wunder.

Papst Benedikt XVI. betet in der Grotte von Lourdes Quelle: ap

Jugendliche schieben alte und behinderte Menschen in Rollstühlen zur Grotte der Marienerscheinungen; Ordensfrauen und Familienväter füllen Wasser an der Quelle in Kanister oder Marienfiguren aus Plastik; an den Bädern stehen Hunderte Pilger geduldig an, um ein Bad in dem zwölf Grad kalten Wasser zu nehmen. Vor der Basilika feiert eine Gruppe Gottesdienst. "Ave, Ave, Ave Maria" schallt es über den Platz.

Lourdes ist einer der bekanntesten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche. Seit im Frühjahr 1858 der 14-Jährigen Müllerstochter Bernadette Soubirous die Gottesmutter mehrfach erschienen sein soll, kommen die Menschen in Scharen in die kleine südfranzösische Stadt. Von Anfang an sind viele Kranke darunter, denn schon früh wird von wundersamen Heilungen berichtet. Dem Wasser aus der Quelle von Lourdes, die an dem Ort der Erscheinungen entspringt, werden heilende Kräfte zugeschrieben.

Heilungen und Wunder

Im Wallfahrtszentrum gibt es eigens ein Büro, das die unerklärbaren Heilungen untersucht. Bisher wurden über 7.000 davon gemeldet, berichtet der Leiter des medizinischen Büros, Patrick Theillier. Allerdings hat die Kirche bisher nur 67 Wunder offiziell anerkannt, das letzte vor 21 Jahren. Man müsse gut unterscheiden zwischen einer Heilung und einem Wunder, erklärt Theillier. "Man muss genau untersuchen, ob es wirklich eine Heilung gab, ob diese außergewöhnlich war und es keine medizinische Erklärung für den Vorgang gibt."

Liebe statt Wunder

Die Kirche möchte weg von der Fixierung auf den Wunderglauben. Papst Benedikt XVI. erklärte bereits auf dem Weg von Rom nach Frankreich im Flugzeug gegenüber den mitreisenden Journalisten, dass er nicht wegen der Wunder nach Lourdes komme sondern wegen der "Liebe der Mutter".


Über Wunder sprach Benedikt XVI. bei seinem Besuch daher kaum. Höchst selten nahm er das Wort in den Mund. Dafür legte er den Akzent auf die spirituellen Erfahrungen, die die Menschen in Lourdes machen und das besondere Klima der Nächstenliebe. Unzählige Menschen kämen zwar vielleicht mit der heimlichen Hoffnung auf ein Wunder. Aber, so Benedikt XVI., "auf dem Heimweg nach der geistigen Erfahrung eines Lebens in der Kirche, verändern sie ihren Blick auf Gott, die anderen und sich selbst. Sie sind von einer kleinen Flamme namens Hoffnung, Mitgefühl, Zärtlichkeit beseelt".

Liebe statt Wunder lautet also die Devise des Kirchenoberhaupts. Dabei wurde Benedikt XVI. nicht müde zu betonen, dass Maria auf Christus verweist. Damit möchte er einer falsch verstandenen Marienverehrung entgegentreten.

Hoffnung auf innere Stärkung

Das ist auch ganz im Sinne der Kranken, die nach Lourdes kommen. Sie erwarten keine Wunder, sondern eine innere Stärkung, so Antonia Rötschtke aus dem sächsischen Wittichenau, die mit ihrem behinderten Mann schon zum fünften Mal nach Lourdes gekommen ist. Die Zeit in dem Marienwallfahrtsort bedeutet für die beiden immer auch ein Ausbrechen aus dem Alltag zuhause. Die Kranken und Behinderten stehen in Lourdes im Mittelpunkt; zuhause machen sie, von der eigenen Familie abgesehen, oft die Erfahrung, am Rande zu stehen, eine Last zu sein. Lourdes ist damit für sie, ein Ort der Hoffnung.

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