Wenn Kinder trauern

Trennungsschmerz spielerisch verarbeiten

Der Bruder von Emil hat sich das Leben genommen. Auch die Zwillinge Fenja und Lena aus der Nähe von Oldenburg haben ihren Bruder verloren: Der 15-Jährige ist mit seinem Fahrrad tödlich verunglückt. Die Brüder Patrick und André aus Bremen sind mit acht Jahren Halbwaisen geworden. Ihre Mutter ist an Krebs gestorben. Einen Raum für ihren Schmerz finden diese Kinder bei "Trauerland", einem Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in Bremen, Oldenburg und Osnabrück. Dort können sie beides: toben und trauern. Zudem lachen, träumen, schweigen, anderen zuhören oder aber spielen.

Traurige Kinder
Traurige Kinder Quelle: imago

Es ist ein Ort nur für Kinder. Denn in ihren Familien finden sie nicht immer den nötigen Rückhalt. Viele Angehörige wissen nicht, dass junge Menschen ganz anders trauern als Erwachsene und fühlen sich überfordert.

Kinder trauern nicht nonstop

Kinder verarbeiten den Tod nicht unbedingt übers Reden. Auch trauern sie nicht nonstop, sondern springen in die Trauer hinein und wieder hinaus. Im einen Moment lachen sie, im nächsten sind sie wieder tief traurig. "Trauerland" berücksichtig all das. Sozialpädagogin Beate Alefeld-Gerges ist selbst betroffen, weil ihre Zwillingsschwester ermordet worden ist. 1999 hat sie das Zentrum nach amerikanischem Vorbild gegründet. Seitdem können junge Menschen alle zwei Wochen in ihrer jeweiligen Trauergruppe das Geschehene verarbeiten - kindgerecht.

Die Angehörigen müssen draußen bleiben, wenn Kinder und Trauerbegleiter spielerisch mit dem Thema umgehen. Rituale wie die Begrüßungsrunde mit Klangschale und das Gefühl, dass hier alle etwas Ähnliches erlebt haben, stärkt die jungen Menschen. An diesem neutralen Ort können sie Ordnung in ihre Gefühle bringen.

Das Konzept ist erfolgreich

Bei dem kostenlosen Angebot handelt es sich nicht um eine Therapie. Die rund 180 Kinder und Jugendliche, die hier aufgefangen werden, dürfen selbst entscheiden, ob sie malen, spielen oder sich im Tobe-Raum auspowern möchten. Das Betreuerteam aus Sozialpädagogen, Psychologen sowie Freiwilligen regt lediglich Spiel und Kreativität an.

Das bundesweit einmalige Konzept ist so erfolgreich, dass "Trauerland" expandieren möchte. Die Angebote des Vereins soll es schon bald bundesweit geben. Unterstützt wird "Trauerland" von prominenten Botschaftern wie Werder-Bremen-Trainer Thomas Schaaf und Schauspielerin Sabine Postel. Ein Film von Sabine Komm

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