Wie ist er so, der Osterhase?

Exklusiv-Interview mit einem Langohr-Experten

Nach wochenlangen Recherchen hat ein mehrköpfiges Team des ZDF nun endlich einen Fachmann für das Osterhasen-Wesen ausfindig gemacht. Dieser erklärte sich allerdings zu einem Gespräch nur bereit, wenn wir ihn an einem unbekannten Ort treffen und seinen Namen nicht nennen. Er schlug vor, ihn mit Os ter Hasl anzusprechen.

Ein Hase sitzt im Gegenlicht vor einem Eierkorb
Das ZDF bietet Informantenschutz und wahrt die Anonymität des Experten. Quelle: imago

ZDF online: Herr Os ter Hasl, warum die Geheimniskrämerei?

Os ter Hasl: Meine jahrelangen wissenschaftlichen Forschungen im Bereich der Osterhasen hat mir in deren Szene nicht nur Freunde verschafft... Die Hasen sind nicht so harmlos, wie sie nach außen hin den Anschein erwecken.

ZDF: Na gut. Was können Sie uns über den Osterhasen...

ter Hasl: MOMENT! Da muss ich gleich einmal ein Missverständnis aufklären. Es gibt in keinster Weise DEN Osterhasen, das ist eine Legende aus dem 17. Jahrhundert. Alleine in Deutschland leben heute Abertausende von ihnen. Aufgrund der Arbeitszeitregelungen wäre das auch gar nicht anders zu organisieren. Nur so können sie ihre Arbeit, ich sage mal, akkurat, pünktlich und hygienisch einwandfrei erledigen.

ZDF: Und wie schaffen sie dann dieses immense Arbeitspensum?

ter Hasl: Das ist eine Frage der Organisation. Hierfür wurde vor Jahrzehnten schon der Verband Deutscher Osterhasen (VDO) gegründet. Dieser hat sich allerdings während der Bundeskonferenz 1970 aufgespaltet in VDO/MH, VDO/NH, VDO/SH und VDO/EH. Die MHler, also Marzipan-Hasen, verteilen Marzipan-Eier und sind die Intimfeinde der NHler, die Nougat anbieten. Ein Wechsel von der einen in die andere Gruppe ist ein Stück weit so unwahrscheinlich wie der freiwillige Umzug eines Mainzers nach Wiesbaden oder eines Kölners nach Düsseldorf.

ZDF: Und die anderen?

Hase (Kaninchen) sitzt hinter bemalten Hühnereiern
Die traditionellen Eierlieferanten leiden unter den Lebensmittel-Skandalen. Quelle: imago

ter Hasl: Die SHler sind die Vertreter der einfachen Schoko-Eier, während die Hasen der EH-Gruppe sich als Traditionalisten verstehen. Sie bewahren den alten Brauch, echte Eier, also Hühnereier sozusagen, in die Osternester zu legen. In den vergangenen Jahren ist ihr Einfluss jedoch stark zurückgegangen, was nicht zuletzt an der Legehennen-Diskussion und dem Dioxin-Skandal gelegen haben mag. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends hat sich eine militante Splittergruppe gegründet, die sich VDO/VH nennt. Sie kämpft darum, dass nur noch Eier ohne tierische Bestandteile an Ostern verteilt werden – aus Sicht von Hasen nachvollziehbar - und nennt sich daher „vegane Hasen“. Sie verteilen Eier aus Tofu und beteiligen sich auch an teilweise gewaltsamen Demonstrationen. Hierbei nutzen sie ihre Ostergaben gern einmal als Wurfgeschosse. Von einem Tofu-Ei getroffen zu werden – keine schöne Vorstellung!

ZDF: Und wie sind diese Verbände organisiert?

ter Hasl: Nun, das geschieht in der üblichen Weise. Es gibt jeweils einen Bundesverband, Landes-, Bezirks-, Kreis und schließlich Ortsverbände. In den Ortsverbänden, also an der Basis, wird die eigentliche Arbeit geleistet. Hier trifft man sich regelmäßig zum Kegeln oder auf bunten Abenden. Jährlich gibt es eine Hauptversammlung, meistens im Dezember. Da Beschlüsse in der Regel erst nach dem vierten oder fünften Glühwein getroffen werden, kann oder will sich am nächsten Morgen niemand mehr daran erinnern. Dem Bundesverband ist das allerdings egal, der macht eh, was er will.

Nikolaus am Badestrand
Während die Hasen schufften, genießt der Nikolaus seinen verdienten Urlaub. Quelle: imago

ZDF: Vielleicht noch ein Wort zu dem größten Konku... ähh Mitbewerber der Osterhasen, dem Nikolaus?

ter Hasl: Da kann ich leider nichts dazu sagen und der Kollege Niko L. Ausl (wahrscheinlich auch ein Pseudonym, die Red.) befindet sich zurzeit in seinem Jahresurlaub und lässt wohl ein Stück weit die Seele baumeln.

ZDF: Wann wird er zurück erwartet?

ter Hasl: Man rechnet wie immer mit ihm im Spätsommer, zunächst bei Aldi und Lidl.

ZDF: Vielen Dank für das Gespräch.

ter Hasl: Danichfür.

Das Gespräch führte Harald Grimm

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