Tierschützer leisten beeindruckende Arbeit

Interview mit Schauspieler und Tierschützer Hannes Jaenicke

Für eine bewegende, aufrüttelnde Doku über Elefanten, die am 31. Juli im ZDF ausgestrahlt wird, war Hannes Jaenicke drei Wochen in Kenia, um die Dickhäuter hautnah zu erleben.


ZDF: Was war bei den Dreharbeiten besonders beeindruckend?

Hannes Jaenicke: Mitten in einer Herde zu stehen und die Elefanten aus aller­nächster Nähe filmen zu können. Ein sechsmonatiges Elefanten­baby namens Ziva stieg versehentlich auf meinen Fuß. Es wog 500 Kilo. Zum Glück hatte ich feste Stiefel an, sonst wäre mein Fuß Brei gewesen. Elefanten sind unfassbar menschlich, witzig und intelligent. Und so großartig es ist, sie zu beobachten, so traurig ist es auch, weil aufgrund des explodierenden Elfenbein­handels jedes Jahr über 40.000 Tiere wegen ihrer Stoßzähne getötet werden. Waisentiere wie Ziva benötigen sieben bis neun Jahre lang intensive Zuwendung, um das Trauma, die Mutter sterben zu sehen, zu überwinden. Sie werden mit der Flasche hochgepäppelt und benötigen 24 Stunden am Tag Betreuung. Ein unglaublicher Aufwand. Die afrikanischen Pfleger schlafen sogar bei den Riesenbabys. Wenn alles gut geht, können die Tierpfle­ger die Elefanten schließlich für ein Leben in der Wildbahn vorbe­reiten – mit dem Risiko, dass sie dann wie ihre Eltern geschossen werden. Besonders beeindruckt haben mich Tierschützer wie Iain und Saba Douglas-Hamilton von "Save the Elephants", die unfassbare Don-Quichotte-Arbeit leisten, wenn man bedenkt, dass fast zehn Prozent des verbleibenden Bestands jedes Jahr geschossen werden. Und da nicht aufzugeben, finde ich bewun­dernswert.


ZDF: Waren die Dreharbeiten in Kenia gefährlich? Die Elfenbein­wilderei ist ja ein heißes Eisen …

Jaenicke: Nein. Wir haben dort zwar Elefantenjäger interviewt, aber das waren ehemalige, die aus dem Wilderer-Geschäft ausgestiegen sind, die Seite gewechselt haben und jetzt als Ranger ihre ehe­maligen Komplizen bekämpfen. Übrigens geht Deutschland bis heute nicht gegen den Schmuggel oder Besitz von Elfenbein vor. Das ist mir unverständlich. Natürlich hätten wir gern auch aktive Wilderer gefilmt, aber da live ranzukommen, ist unmöglich. Das geht so schnell, sie sind technisch und logistisch so gut ausge­stattet, unter anderem mit Helikoptern, so hochgerüstet wie eine Armee, da haben wir keine Chance, sie zu erwischen. Wenn wir deren Treiben gefilmt hätten, wären wir auch anschließend nicht mehr zu Hause angekommen – und das Filmmaterial ebenfalls nicht.

Hannes Jaenicke mit Elefantenbaby
Hannes Jaenicke mit einem verwaisten Elefantenbaby Quelle: ZDF/Guido Ohlenbostel


ZDF: Welches Verhältnis hatten Sie persönlich bisher zu Elefanten?

Jaenicke: Ich kannte sie eigentlich nur aus meiner Kindheit, nämlich aus dem Zoo und von Zirkusvorstellungen. Ich habe sie jetzt zum ersten Mal aus allernächster Nähe und in freier Wildbahn erlebt. Und dabei schießt einem sofort ein irritierender Gedanke durch den Kopf: Wie kann es in Deutschland – anders als beispiels­weise in Österreich – immer noch erlaubt sein, diese Tiere in einer Manege auftreten und in viel zu kleinen Käfigen oder Zelten leben und arbeiten zu lassen? Das ist ein Skandal. Elefanten sind wilde Tiere, die unglaublich weite Strecken zurücklegen, mit einem phänomenalen Sozialverhalten. Und trotzdem werden die Tiere für Kunststücke brutal abgerichtet, und das Publikum beklatscht das Ganze dann. Was das für ein Verbrechen ist, wurde mir erst bei den Dreharbeiten in Afrika klar. Jeder hierzu­lande sollte sich für ein striktes Zirkusverbot von Raubkatzen, Elefanten, Seehunden und anderen Tierarten einsetzen, die nicht zu unseren Haus-Tierarten gehören. Wilde Tiere zu kommerziel­len Zwecken abzurichten, ist abartige Tierquälerei.


ZDF: Haben Sie auch eine ähnlich kritische Meinung über Zoos?

Jaenicke: Ich bin da hin- und hergerissen. Zoos sind eine hervorragende Erziehungseinrichtung. Durch die Besuche kann schon bei Kin­dern die Begeisterung für Tiere und Natur geweckt werden. So war das bei mir auch. Es war früher das Größte für mich, mit meinem Opa in den Frankfurter Zoo zu gehen. Wenn die Tiere artgerecht gehalten werden können, finde ich Zoos akzeptabel. Aber das gilt eben nur für bestimmte Tierarten und Gehege.


ZDF: Sind Sie mit Haustieren groß geworden?

Jaenicke: Wir hatten als Kinder Hamster, Meerschweinchen und phasen­weise Katzen (mein Vater war ein großer Fan von Stubentigern). Heute habe ich eine alte Katzendame und einen jungen Kater, beide aus dem Tierheim. Wenn ich unterwegs bin, kümmert sich meine Nachbarin um die Tiere. Die ehemalige Kostümbildnerin betreibt jetzt zu meinem Glück eine Hunde- und Katzenpension, kennt sich bestens aus. Sie kommt jeden Tag vorbei, füttert die beiden, spielt mit ihnen und schickt mir dann per Handy ein Foto.


ZDF: Zu Beginn der Doku geben Sie offen zu: "Viele kennen mich als Schauspieler, Tierfreund und Umweltaktivist. Letzteres ist keine angenehme Rolle, um ehrlich zu sein." Was meinen Sie damit?

Jaenicke: Das Unverständnis, wie langsam es beim Naturschutz vorangeht. Ich bin Jahrgang 1960. Eigentlich wissen wir doch schon seit den 70er Jahren über die gravierenden Folgen der Umweltzerstörung Bescheid. Trotzdem wird weitgehend tatenlos zugeschaut, wie Tierarten verschwinden und Habitate zerstört werden. Keiner stoppt das. Das fängt bei der Vernichtung des Regenwaldes und der Verschmutzung der Meere an. Primaten und Raubkatzen haben keinen Lebensraum mehr. Ganz aktuell hat Kanada die Wale in ihrer Artengefährdungsstufe herabgestuft von "vom Aus­sterben bedroht auf nur "gefährdet", damit die Öltanker an der dortigen Küste endlich durch bislang geschützte Zonen fahren können. Australien hat den Abschuss aller weißen Haie über drei Meter Länge freigegeben. Und wir gucken zu, wie in der Ostsee die letzten Schweinswale sterben. Einfach traurig.


ZDF: Frustriert das nicht auf Dauer?

Jaenicke: Nein, es motiviert eher. Dabei könnten wir alle viel mehr unter­nehmen: Boykottiert Delfinarien wie das in Nürnberg, TV-Shows, in denen Tiere auftreten, Zirkusse mit wilden Tieren! Die Zuschauer sollten erst wiederkommen, wenn die Zoo- und Zirkus­unternehmer ihre tierischen Stars nicht mehr in ihrer Shows auftreten lassen. Das wäre mal eine wirkungsvolle Aktion.


ZDF: Wurden Sie für Ihre deutlichen Worte schon angefeindet ?

Jaenicke: Wenn, dann machen sich manche Leute eher darüber lustig. Ich habe mich daran gewöhnt, dass einige in der Filmbranche mein Engagement amüsiert belächeln. Wenn ich an den Set komme, werde ich manchmal gefragt: "Na, wie geht es Deinen Affen? Wie isses beim Tierfilm?" Mir ist das egal.



ZDF: Wie reagieren Sie denn, wenn Ihnen auf der Straße jemand begegnet, der Elfenbeinschmuck trägt?

Jaenicke: Das kommt ab und zu vor, dass jemand ein Armband aus Elefan­tenhaar, einen Hai-Zahn oder ähnliches trägt. Meistens hört man dann Ausreden. Ich habe kürzlich jemanden getroffen, der einen Löwenzahn um den Hals trug. Er meinte: "Na, das Tier war doch eh schon tot, als der Zahn entnommen wurde." Oft heißt es auch: "Habe ich geschenkt bekommen, hätte ich selbst doch niemals gekauft." Das Nachfragen reicht oft schon, damit es den Leuten unangenehm wird.


ZDF: Sie dagegen können sich anders "schmücken": mit vielen Naturschutz-Auszeichnungen wie dem "Steiger Award", dem "Naturlife Umweltpreis", mit einer "Diva" … und es gab 2010 sogar eine "kulinarische" Nominierung bei der Berlinale.

Jaenicke: Tatsächlich nennt Festivalchef Dieter Kosslick diese Kategorie mit Umweltthemen so. Bekannte Filme wie "Food Inc." über das unglaubliche Geschäft mit genmanipulierten Lebensmitteln liefen dort oder "We feed the world" über die Massenproduktion von Nahrungsmitteln. Eine tolle Idee, mit einer eigenen Umwelt-Kategorie solchen Themen auf einem der größten Filmfestivals der Welt ein Forum zu geben. Kosslick ist sehr umweltengagiert und konsequent: Auf der Berlinale wird nur vegane Kost gereicht.


ZDF: Was können Sie denn nach dem Dreh noch gegen die Elefantenjagd tun?

Jaenicke: Ich unterstütze die im Film vorgestellten Organisationen "David Sheldrick Wildlife Trust", "Save the Elephants", die deutsche AGA (Aktionsgemeinschaft Artenschutz) und die indischstämmige Tier­aktivistin Raabia Hawa in Nairobi. Sie zieht mit ehemaligen Wilde­rern los, um die Elefanten vor den aktiven Jägern zu schützen. Ihre Organisation heißt "Walk with Rangers". Sie alle brauchen Spendengelder. Und ich unterstütze jede Initiative gegen wilde Tiere im Zirkus.

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