Wo ist der Himmel?

Mariä Himmelfahrt mit Nina Ruge

Am 15. August feiern Katholiken weltweit das Fest Mariä Himmelfahrt. Ganz selbstverständlich sprechen die Religionen vom Himmel. Doch was ist der Himmel? Wo ist er? Nina Ruge begibt sich auf Spurensuche - mit dem deutschen Astronauten Ulrich Walter und dem Benediktinerabt Johannes Eckert, vom Kloster Andechs.

Weiße Wolken vor blauem Himmel Quelle: ZDF

Der Himmel fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Schon die alten Ägypter und die Griechen erforschten die Gestirne des Himmels. Galileo Galilei revolutionierte mit seinen Entdeckungen Anfang des 17. Jahrhunderts das bis dahin geltende Weltbild. Heute erkunden Astronomie, Astrophysik, Luft- und Raumfahrt den Himmel. Die Naturwissenschaften haben mit ihren Forschungen den Himmel als Ort, an dem die Götter sind, entzaubert.

Von "Heaven" and "Sky"

Nina Ruge mit Abt Johannes Eckert
Abt Johannes Eckert Quelle: ZDF


Der Benediktinerabt Johannes Eckert macht im Gespräch mit Nina Ruge darauf aufmerksam, dass zwei Bedeutungen des Begriffs "Himmel" unterschieden werden müssen; dann bleibe auch wieder Platz für das Religiöse in diesem Kontext. Man müsse, wie im Englischen leicht möglich, "Sky - den Himmel der Naturwissenschaftler" von "Heaven - dem Himmel als Lebensbereich Gottes" unterscheiden.

In der Tradition des Christentums ist der Himmel der Ort Gottes, der der Verfügbarkeit des Menschen entzogen ist. Zugleich ist er aber auch in gewisser Weise Ziel des Menschen. Denn der Himmel steht für dessen endgültige Teilhabe am Leben Gottes. Dabei handelt es sich um ein so genanntes eschatologisches, also die letzten Dinge betreffendes Ereignis. Die Christen sind davon überzeugt, dass nach dem Tod in der Begegnung mit Gott der Mensch seine endgültige geglückte Identität findet. Diese Vollendung wird als Himmel bezeichnet.

Der Himmel als "Zustand"

Himmel ist also weniger ein Ort als vielmehr ein Zustand. Naturwissenschaft und Religion haben beide in der Welt von heute ihren Platz. Davon ist auch der Münchner Professor für Raumfahrttechnik und Astronaut, Prof. Dr. Ulrich Walter,überzeugt: "Die Wissenschaft kann nur Aussagen machen darüber, was wir direkt erfahren. Sie kann nie Aussagen über Metaphysik machen, also Dinge, die wir nicht erfahren. Hier hört die Wissenschaft auf und fängt das Religiöse an."

Walter war 1993 für knapp zehn Tage im All. Der ehemalige Raumfahrer glaubt nicht, dass Astronauten durch ihre Erfahrungen während ihrer Missionen religiöser würden. "Aber wenn man zurückkommt und über die Dinge der Welt nachdenkt, denkt man anders darüber, weil man diese Distanz bekommen hat."

Aufgefahren in den Himmel

In der Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg in Andechs gibt es eine Darstellung der Himmelfahrt Mariens. Mariä Himmelfahrt ist nach katholischer Tradition der Todestag der Gottesmutter. Nach ihrer Entschlafung soll sie, mit Leib und Seele, in den Himmel aufgenommen worden sein. Abt Johannes Eckert sieht darin die Verheißung für jeden Menschen, dass er mit allen seinen Beziehungen und Erfahrungen einmal bei Gott sein wird. Eckert hofft, dass am Ende alle Menschen in den Himmel kommen. Doch: "Gott respektiert die Freiheit des Menschen, von daher muss es die Hölle als Ort der Gottferne geben."

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