Wohin treibt der Islam? (1/2)

Dschihad und Frömmigkeit

Im Zeitalter der Globalisierung sind islamische und christlich geprägte Welt untrennbar miteinander verwoben. Europa ist eine der gemeinsamen Schnittstellen. Allein in Deutschland leben über vier Millionen Muslime. Die Vorbehalte gegenüber dem Islam sind nach wie vor riesig. Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2006 waren über 80 Prozent der Befragten überzeugt, dass der Islam fanatisch sei und 60 Prozent waren der Meinung, er sei undemokratisch.

Wie fanatisch also ist der Islam wirklich und passen Demokratie und Islam zusammen? Wie ist das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen möglich, welche Chancen und welche Schwierigkeiten ergeben sich beim Aufeinandertreffen der beiden Kulturen?

Islam abseits gängiger Klischees

Die Dokumentation von Friedrich Klütsch und Daniel Gerlach begleitet Muslime und Nichtmuslime, die Antworten auf diese Fragen geben können. Es entsteht ein differenziertes und vielgesichtiges Bild des Islam jenseits gängiger Klischees. Dabei werden die neuralgischen Punkte des Zusammentreffens von Muslimen und Demokratie zum Thema und Leitfaden der Dokumentation. Aber es geht nicht nur um das Versuchsfeld Europa. Um dem Islam als Weltreligion gerecht zu werden, wird dieser Fokus bereichert und ergänzt durch Entwicklungen, wie sie unter anderem in Ägypten und Indonesien stattfinden.

Die erste Folge fragt nach der Bedeutung des sogenannten "Dschihad". Spätestens nach dem 11. September 2001 scheint es klar zu sein, was der Dschihad ist: Der "Heilige Krieg" von Muslimen gegen die westliche Welt. Der Film überprüft, inwieweit sich Gewalt durch den Islam rechtfertigen lässt. Die Autoren zeigen einen Hassprediger aus Hamburg, sprechen mit dem Verfassungsschutz und stellen Aussteigerprogramme für Terroristen in England vor. Und sie treffen auf Menschen, für die der Dschihad etwas anderes bedeutet, nämlich ein guter und frommer Mensch zu sein. So wie der Tierarzt aus Hamburg, dessen Dschihad lautet: "Auf dem geraden Weg zu bleiben. Muslimen und Nichtmuslimen zu helfen."

Deutungshoheit über den Koran

Welche Autorität befindet überhaupt darüber, wie der Koran ausgelegt wird? Ist es die mächtige Al-Azhar-Universität in Kairo, an der insgesamt 400.000 Studenten lernen und wo der Koran mithilfe von Kalligraphen mit größter handwerklicher Präzision hergestellt wird.

Oder ist es der Fernsehprediger mit Millionenpublikum aus Katar? Die Autoren sprachen auch mit dem großen Korangelehrten Nasr Abu Zaid, der im Juli verstorben ist, über eine moderne Auslegung des Korans. Wohin treibt der Islam? Zum Heiligen Krieg oder zur Frömmigkeit?

Islam trifft Christentum

Muslime wie die Grundschullehrerin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor fordern eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam und das neu gewählte Mitglied der Islamkonferenz, der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad, sogar eine grundlegende Erneuerung des Islam: "Der Islam braucht Häretiker, die die verrosteten Strukturen hinterfragen."Wohin treibt der Islam? Dort wo der Islam auf die christlich geprägte Kultur trifft, stellen sich ganz neue Herausforderungen. An dieser Nahtstelle suchen die Autoren Friedrich Klütsch und Daniel Gerlach nach Antworten bei Experten, wichtigen Stimmen des Islam und vor allem bei Menschen und ihren Geschichten. Dabei entsteht ein vielfältiges Bild des Islam, das auch zeigt, wie in Zukunft ein zeitgemäßer Islam in Deutschland aussehen kann.

Teil 2, "Scharia und Demokratie", wird am Mittwoch, 15. September, 22:15 Uhr, ausgestrahlt.

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