Zocken auf Bayerisch

Das Desaster einer Landesbank

Milliardenverluste mit Schrottpapieren, dubiose Geschäfte auf dem Balkan: Weltweit hat die BayernLB unter den Augen der bayerischen Politik gezockt - und verloren. Der Steuerzahler musste die staatliche Bank vor dem Untergang retten. Eine ZDF-Dokumentation zeigt auf, welch riskante Geschäfte die Bayern-Banker gemacht haben. Die Reporter begeben sich auf Spurensuche auf den Balkan und in die USA, sprechen mit Insidern, Managern und Opfern.

Die BayernLB ist die Landesbank, die in Deutschland die riskantesten Geschäfte gemacht und das meiste Geld vom Steuerzahler gebraucht hat - insgesamt rund zehn Milliarden Euro, bis jetzt. Der Film zeigt die Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit, mit der die Banker vorgingen. Eben darum wird es wahrscheinlich bald vor Gericht gehen: Schadenersatzklagen gegen den ehemaligen Vorstand sind angekündigt. Und auch die Aufseher der Bank, die bayerischen Spitzenpolitiker der Stoiber-Jahre, müssen sich Sorgen machen.

Eine gigantische Pleite erlebte die BayernLB in den USA. Hier ging sie auf große Einkaufstour und häufte Schrottpapiere in Höhe von 38 Milliarden Euro an. Als die Krise 2007 sichtbar wurde und andere Banken schon ausstiegen, kauften die Bayern noch kräftig nach. Der ehemalige Manager der Rating-Agentur Moody's, Eric Kolchinsky, sagt, dass zwar viele Banken Risiken eingegangen seien. "Doch so viel Geld, wie deutsche Landesbanken hat kaum jemand aufs Spiel gesetzt", sagt Kolchinsky in der Dokumentation. Heute ist Kolchinsky einer der wichtigsten Zeugen bei der amerikanischen Aufarbeitung der Finanzkrise.

Desaster Hypo Alpe Adria

Der Film durchleuchtet auch das andere große Desaster der BayernLB: Den ruinösen Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria. Die Bayern-Banker wollten das Geschäft auf dem Balkan kontrollieren, international ein immer größeres Rad drehen. Resultat: 3,7 Milliarden Euro Verlust, für den der Steuerzahler aufkommen muss. Dabei übersahen die Münchener angeblich, in welch dubiosem Umfeld die Bank agierte: Kunden die in Geldwäsche und Waffenhandel verwickelt waren, Bestechung bei Bauprojekten und Kreditvergaben. Die Bank habe sich in einer Kultur der Korruption bewegt, berichtet Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler den ZDF-Reportern. Er gibt in der Dokumentation intime Einblicke in die Geschäftspraktiken der Balkan-Bank.


Von all dem aber will die BayernLB nichts gewusst haben. Im Gegenteil: Zahlreiche CSU-Spitzenpolitiker, die die Bank eigentlich kontrollieren sollten, stimmten dem Kauf zu einem überhöhten Preis zu. Auch Edmund Stoiber, damals Ministerpräsident in Bayern, weist jede Verantwortung von sich. Er habe sich bei all dem nie um Details gekümmert. Die beiden ZDF-Reporter stießen auf Aussagen von Zeitzeugen und geheime Dokumente, die Zweifel an dieser Version aufkommen lassen.

Teure Schrottimmobilien

Und hinzu kommt ein Skandal mit Schrottimmobilien: Die BayernLB-Tochter DKB hat mit fadenscheinigen Vermittlern Wohnungen zu offenbar überteuerten Preisen finanziert. Die Wohnungen - zum größten Teil in Ostdeutschland - sind kaum vermietbar. Die Opfer, die auf diese Masche hereingefallen sind, erleben den finanziellen Ruin. Und auch für die BayernLB könnte das zum Problem werden. Im schlimmsten Fall drohen zusätzliche Verluste.

Schrottimmobilien: DKB-Bank im Zwielicht

Die ZDF-Reporter Karl Hinterleitner und Michael Haselrieder erzählen nach langen Recherchen einen Wirtschaftskrimi mit zwielichtigen Akteuren. Sie geben neue und überraschende Einblicke in das Desaster bei der Bayerischen Landesbank.

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