Alltagsleben in Amarna

Flucht vor der Pest: Echnaton gründet Achet-Aton

Nofretete und Echnaton zogen weit weg von den alten Strukturen und Querelen in Theben, 400 Kilometer weiter nach Norden den Nil hinunter. Im fünften Jahr seiner Regierung ließ Echnaton eine neue Stadt errichten, an einem Ort, an dem noch nie zuvor Göttern geopfert worden war und der ihm nicht durch die Pest verseucht erschien: Achet-Aton.

Frauen waschen Wäsche im Nil
Der Alltag am Nil unterscheidet sich heute kaum von dem vor 3000 Jahren.

"Die These, dass Echnaton seinen Hof nach Amarna verlegt hat auf Grund der Gefahr einer Pest, hat schon Herr Gödecke formuliert", sagt Andrea Gnirs, Ägyptologin an der Universität Basel. Diese Idee ist ihrer Meinung nach "nicht abwegig".

700 Statuen gegen die Pest

Tatsächlich hatte schon der Vater von Echnaton in Karnak einen riesigen Tempel zur Abwehr der Pest bauen lassen. 700 Statuen der Göttin Sechmet standen hier. Belege für die Pest in Ägypten sind hastig verscharrte Tote und Pestgebete von Nachbarvölkern, die kranke Ägypter beschreiben. Wie ein Zeichen seines Gottes muss es Echnaton erschienen sein, dass sich genau an der ausgewählten Stelle aus einer Einkerbung im Gebirge und dem Rund der aufgehenden Sonne, die Hieroglyphe Achet-Aton "Stadt des Aton" bildete, als er eines Tages dort stand.

So hat er es auch auf den Grenzstelen einmeißeln lassen: "Schaut Achet-Aton, von dem Aton wollte, dass es ihm geschaffen werde." Auf der Stele steht auch: "Und nicht soll die Königin zu mir sagen: Siehe es gibt einen schönen Ort für Achet-Aton an einer anderen Stelle." Hat es Nofretete hier nicht gefallen? Im sechsten Jahr seiner Regierung zog Echnaton mit seinem Gefolge in die neue Stadt. Die Prozessionsstraße war 40 Meter breit, an ihr entlang lagen mehrere Tempel und Paläste. Alles war noch größer und prachtvoller als in Theben.

Geblieben sind nur Reste

Geblieben sind von der riesigen Anlage des Nordpalastes nur Reste: Weite Hallen und Raumfluchten hat es hier gegeben, luftige Innenhöfe und kühlende Wasserbecken, einen Empfangssaal mit schlanken Säulen und irgendwo den Thron. Von den Originalfußböden blieb einiges erhalten und zeigen die Schönheit, mit der man sich umgab. Sie zeigen Pflanzen und Tiere, die nicht nur Schmuck sind, sondern auch Ausdruck von Lebensfreude und Dankbarkeit einem Gott gegenüber, der Fruchtbarkeit und Fülle versprach.

Viel ist hier noch zu entdecken. Eine gigantische Fläche, wo einst der große Atontempel stand. Das Dorf Tell el-Amarna ist inzwischen darüber hinweg gewachsen. Es ist ein armes Dorf mit wenigen hundert einfachen Menschen, deren Leben sich auf das Notwendigste beschränkt - kaum anders als vor 3000 Jahren.

Alltagsleben

Vom Alltagsleben zur Zeit Nofretetes finden sich Bilder und Spuren in den Felsengräbern, vor allem in denen der hohen Beamten. Alles wird hier streng bewacht, zu viel ist schon gestohlen worden. Im Grab des königlichen Domänenaufsehers Huya ist zu sehen, wie man bei Hofe speiste: Nofretete und Echnaton sitzen an reich gedeckten Tischen, ihnen gegenüber als Gast Königin Teje. Als Norman Davis vor 100 Jahren die Szene abzeichnete, war noch etwas mehr zu erkennen. Nofretete knabbert an einer Ente, Echnaton hält einen Fleischspieß in der Hand.

"Szenen des täglichen Lebens wurden ein neues Thema in der Kunst", erklärt Hassan Selim, Experte für ägyptische Geschichte und Archäologie. "Natürlich gab es so etwas auch schon vorher, aber es war nicht so frei wie in Amarna. Im alten und mittleren Königreich wurden vor allem Szenen aus der Natur gemalt. Hier sehen wir zum ersten Mal das Leben der Leute in ihren Häusern, ebenso wie das des Königs in seinem Palast. Das ist die große Ausnahme. Das gibt es nur in der Zeit von Amarna."

Öffentliche Auftritte

Aber auch die öffentlichen Auftritte sind festgehalten, zum Beispiel das Paar in seinem Streitwagen. Als gottgleiche Könige betraten sie natürlich nicht denselben Boden wie das gemeine Volk. Viel Militär gehörte zum Staat in Amarna - auch wenn bei den Prozessionen die Bevölkerung dem Paar mit den Gesichtern im Staub und mit hoch erhobenen Händen huldigte. Ob es tiefste oder erzwungene Anbetung war, weiß man nicht. Besondere Aufmerksamkeit verdient Nofretete: Sie lenkt jetzt ihren Wagen selbst.

In anderen Darstellungen ist sie die Einzige, die neben dem Pharao die Atef-Krone trägt. Geschmückt mit Uräen und Sonnenscheibe, Straußenfedern und Widderhörnern. Nur Hatschepsut als Pharao hat sich außer ihr so geschmückt. Und auch die Nubische Perücke hat Nofretete sich angeeignet. Sie wird sonst fast nur von Männern, meist Soldaten, getragen. Nofretete löst sich immer mehr von der traditionellen Königinnenrolle und überreicht sogar selbst Ehrengold für besondere Verdienste.

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