Am Anfang war der Pergamonaltar

Ein Museum zur Zierde der Hauptstadt Kaiser Wilhelms II.

Auf der Museumsinsel in Berlin hat alles mit dem Pergamonaltar angefangen. 1880 wurden einige der Friesplatten zum ersten Mal in Berlin gezeigt. Der Kampf der Götter gegen die Giganten war eine Riesensensation. Die Resonanz war so gewaltig, dass man beschloss, ein eigenes Museum dafür zu bauen.

Pergamonalter
Anfangs des 20. Jahrhunderts erhielt der Pergamonaltar ein eigenes Museum.

Das von dem Architekten Fritz Wolff entworfene Museum wurde 1901 eröffnet. Aber schon 1908 musste das instabile Gebäude geschlossen und abgerissen werden. Da hatte Wilhelm Bode, der Generaldirektor der Museumsinsel, aber schon mit der Planung eines neuen, großen Museums begonnen. Und er brauchte nicht lange, um den Kaiser davon zu überzeugen. Wilhelm II. war selbst ein begeisterter Hobbyarchäologe. Vor allem in Korfu betätigte er sich regelmäßig als Ausgräber. Die Funde deutscher Archäologen in der Türkei ebenso wie in Ägypten, Griechenland und vor allem Mesopotamien sind ein Glanzlicht seiner Regentenzeit.

Demonstration der Macht

Und Wilhelm, immer auf der Suche nach prestigeträchtigen Attraktionen, mit denen er Furore machen konnte, wusste sie einzusetzen. Endlich konnte er mit den lieben Verwandten gleichziehen: Nicht nur Wien und St. Petersburg, Paris und London, nein, auch die Hauptstadt der Deutschen sollte jetzt herausgeputzt werden. Vor allem mit pompösen Bauten, nicht zuletzt solchen, die Kunstschätze vergangener Großreiche präsentierten. Archäologie wurde so zum Mittel für Machtpolitik und persönliches Sendungsbewusstsein.


Manchmal trafen dabei machtpolitische auf wirtschaftliche Interessen. Es ist wohl kein Zufall, dass die meisten Kulturobjekte, die nach Berlin kamen, aus dem Bereich des osmanischen Reiches stammten. Zu diesem, namentlich dem Sultan Abdul Hamid II, pflegte Wilhelm II. besonders enge Beziehungen. Er half beim Bahn- und Straßenbau und gab militärische Unterstützung.

Größtes Puzzle der Welt

Zu den bedeutendsten Ausgrabungs-funden aus dem Vorderen Orient gehörte das Ischtar-Tor. Es wurde 1899 im Wüstensand ausgegraben. Eine Aktion, die Kaiser und Reich über zwei Millionen Goldmark kostete. In 536 Kisten wurde die Fracht nach Berlin gebracht, dort zum Entsalzen gewaschen und in jahrelanger Arbeit zusammengesetzt.

Seither steht das größte Puzzle der Welt im Vorderasiatischen Museum - eine Mischung von Originalteilen und Ergänzungen, um die gewaltige Größe nachvollziehbar zu machen - am Ende der 30 Meter langen Prozessionsstraße, geschmückt mit eindrucksvollen Löwen. Nur wenige wissen, dass im Keller des Pergamonmuseums noch einige tausend von diesen Ziegelfragmenten liegen, noch immer in den Originalkisten. Der Rest des Riesenpuzzles ist nie fertig geworden - wie so vieles im Pergamonmuseum.

Neuer Umbau nach uraltem Plan

Auch in vielen anderen Kellergängen und hochgesicherten Räumen türmen sich Kisten und Verpackungen für unzählige Ausgrabungsfunde. Unerzählte Geschichten und unentdeckte Objekte lagern hier, unter anderem auch Kunstwerke aus Ägypten. Wenn alles planmäßig verläuft, werden viele von ihnen nach der Generalsanierung, Umbau und Modernisierung des Hauses in wenigen Jahren aus den Tiefen des Pergamonmuseums ans Licht der Öffentlichkeit kommen - oben im Museum, im für die Zukunft geplanten vierten Flügel, der eigentlich einem uralten Plan entstammt.

Das Pergamonmuseum sollte nach den Plänen von Alfred Messel eine gewaltige vierflügelige Anlage im dorischen Stil werden. Messel war einer der revolutionärsten Architekten seiner Zeit. Vor allem mit seinem Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz hat er Kaiser Wilhem II. schließlich mit seinem Konzept für das Museum überzeugt: eine an der Klassik orientierte Form, deren Äußeres schon auf das Innere verweist. Doch Messel starb bereits 1909. Das fertige Gebäude hat er nicht mehr gesehen.

Imperiales Machtgehabe

Messels langjähriger Vertrauter, Ludwig Hoffmann, versprach das Werk zu Ende zu führen. Neben einigen öffentlichen Gebäuden profilierte sich der Baustadtrat in Berlin vor allem mit Krankenhäusern und Schulen. Hoffmann beließ es aber nicht dabei, Messels Bau weiterzuführen. Er hat auch eigenständig Veränderungen eingefügt.

Was vorher grob wirkte, ist jetzt fein ziseliert, Giebel kamen dazu und ein um fünf Meter höherer Sockel: alles zur Steigerung des imperialen Machtgehabes. Und so wuchs das Pergamonmuseum zwischen Bode- und Neuem Museum aus drei Metern Tiefe langsam in die Höhe. Allerdings mit vielen Problemen.

1930 wird das Haus eröffnet

Erst 1912 begannen die Arbeiten, die Gründung war problematisch. Eine eiszeitliche, 50 Meter tief mit Schlamm gefüllte Bodenspalte musste mit einer Art Brücke überbaut werden. Dann kamen Weltkrieg, Inflation und Wirtschaftskrise. Immer wieder lag die Arbeit brach. Auch chronischer Geldmangel lähmte das Projekt.

Ohne vierten Flügel und ohne Eingangsbrücke musste das Haus schließlich 1930 eröffnet werden. Das tat dem glanzvollen Ereignis aber keinen Abbruch: Es herrschte Riesenandrang. Als Höhepunkt durften die Besucher genauso wie heute die Treppe empor schreiten, sinnlich erleben, dass dieser Altar etwas ganz Besonderes ist.

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