Auftritt einer starken Frau

Ein gleichberechtigtes Paar: Echnaton und Nofretete

In der heiligen Tempelanlage von Karnak finden sich die ersten Darstellungen von Nofretete. Nach der Heirat mit Echnaton lebt sie an diesem Ort der Götter. Dem Mächtigsten, Amun, hatte Echnatons Vater Amenophis III. eine gewaltige Säulenhalle errichten lassen - doch gleichzeitig entwickelte er auch neue religiöse Ideen.

Tempel von Karnak
In Karnak finden sich die ersten Darstellungen von Nofretete.

Echnaton geht noch weiter. Er macht Aton zum einzigen Gott und baut vier Tempel für ihn. Nofretete steht zu ihm, bei allem was er tut. "Es ist zweifellos, dass sie gerade im Kult eine sehr starke Stellung neben dem König hatte", sagt Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin. "In keiner anderen Periode tritt der König nahezu ausschließlich in der Begleitung der Königin in dogmatisch wichtigen Szenen auf. Echnaton ohne Nofretete ist gar nicht vorstellbar."

Echnatons Hohepriesterin

Nofretete hat Echnatons neue Religion und Philosophie, Kunst und Schrift unterstützt. Die frühesten Abbildungen von ihr finden sich auf den so genannten Talatatblöcken. Nofretete ist kleiner dargestellt als Echnaton, steht hinter ihm, die Haut hell, das Gewand durchsichtig. Sie ist aber schon in dem von ihm geschaffenen Stil dargestellt: überlange Körperglieder, große Nase, die Augen wie Schlitze.

Durch die Abbildungen konnte bewiesen werden, dass sie Echnatons Hohepriesterin war, erklärt Zahi Hawass vom Ägyptischen Antikendienst. Nicht selten ist Nofretete allein als Opfernde abgebildet, nur begleitet von einer Tochter. War sie etwa selbst Priesterin? Hatte sie sogar einen eigenen Tempel?

Spiegelbild Echnatons

Wo damals Gemp-a-Aton, der größte der vier Aton-Tempel in Theben, stand, befindet sich heute eine Ausgrabungsstätte. Hier hat Henri Chevrier 1925 riesige Statuen gefunden, die Echnaton als Herrscher zeigen. Die Statuen haben überlebensgroße ungewöhnliche Formen, sind gleichzeitig männlich und weiblich. Eine davon aber hat nach Ansicht vieler Forscher rein weibliche Geschlechtsmerkmale: breite Hüften runde Oberschenkel, Brüste. Es könnte eine Darstellung von Nofretete sein. Demnach wäre sie in der riesigen Tempelanlage im Wechsel mit Echnaton als überlebensgroße Skulptur aufgestellt gewesen.

Andere Darstellungen aus dieser Zeit zeigen, dass Nofretete Echnaton immer ähnlicher wird. Bei Opferszenen steht sie geradezu wie ein Spiegel hinter ihm, wie zur Verdoppelung seiner Macht, hält ihm sozusagen den Rücken frei. Außerdem trägt sie die Chathaube, die eigentlich dem Pharao vorbehalten ist. "Sie war die erste und einzige, die Echnaton voll und ganz zur Seite stand", stellt Zahi Hawass fest. Nofretete begleitet Echnaton, als der Aufbruch nötig wird, als die Priesterschaft sich gegen die neue Politik und Religion von Echnaton erhebt. Die Zeit des Herrscherpaares in Theben ist abgelaufen.

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