Aus Alt mach Neu

Der Charme von damals bleibt erhalten

Fünf Jahre nach Beginn der Renovierungsarbeiten am Bode-Museum wird im Sommer 2002 die große Kuppel fertig gestellt und erstrahlt in neuem Glanz. An anderer Stelle beginnt der Wideraufbau gerade erst, neue Wände werden eingezogen, Schächte für Sicherheitstechnik und Klimaanlage werden gebaut. Auch die Stuckdecken warten auf ihre neue Verzierung.

Presbyter Madonna im Bode-Museum
Die Presbyter Madonna ist über 800 Jahre alt.

Herr über all diese Abläufe ist Heinz Tesar. Der Wiener Architekt ist mit der Generalinstandsetzung des Hauses betraut worden und hat dafür bestimmte Grundsätze. "Bei einem bestehenden Haus sollen viele Dinge unsichtbar bleiben, weil man den Charakter des Hauses nicht zerstören möchte", erklärt Tesar. Allerdings hat der Architekt auch die Chance, Neues zu bauen. Eine Kuppel wird tiefer gelegt, um später dort eine Verbindung zu den anderen Häusern der Museumsinsel herzustellen. Auch an anderer Stelle gibt es einschneidende Veränderungen: Wo über hundert Jahre lang nur Depots waren, entsteht ein neuer Raum.

Künstlerische Gipsarbeiten

Aus der Baustelle wird der neue Raum für die Kunst der Romantik. Im Juni 2006 zieht die Presbyter Madonna dort ein. Der Blick des 800 Jahre alten Meisterwerkes ist in die Ferne gerichtet. Eine Ausstrahlung, der sich niemand entziehen kann. Nicht nur die Datierung auf das Jahr 1199 und die Nennung des Künstlers, des Mönches Martinus, auf dem Sockel, sondern auch die fast vollständig erhaltenen Farben machen diese Madonna zu einem außergewöhnlichen Werk. "Es ist für mich ein großes Erlebnis, dass die Skulptur an dieser Stelle wieder für den Besucher zugänglich ist", erklärt Bodo Buczynski, Chefrestaurator der Skulpturensammlung.

Zu den spannendsten Arbeiten beim Wiederaufbau gehört die Rekonstruktion der Stuckdecken. Sobald die Unterkonstruktion aus Drahtgeflecht und Streckmetall angefertigt und sicher angebracht ist, wird die Gipsmasse aufgetragen. Mit Schablonen, die ein Negativ-Abdruck der ursprünglichen Form sind, wird der Gips schließlich glatt gezogen. "Nach dem Glattziehen beginnen die feineren Arbeiten", sagt Stuckateur Jochen Winniewski. Mit viel Fingerspitzengefühl werden Ornamente und Konsolen angebracht. Eierstab-, Blatt- und Zahnstabornamente sind die im Bode-Museum am häufigsten verwendeten Motive.

Königlicher Glanz

Wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist der Tiepolo Raum. Nachdem er vor dem Zweiten Weltkrieg aus dem Bode-Museum entfernt wurde, galten seine Teile lange als verschollen. Lediglich auf der Grundlage eines Fotos ist es dem Chefrestaurator des Museums gelungen, den ganzen Raum wiederherzustellen. Die Villa, für die Tiepolo das Juwel der Rokokozeit geschaffen hatte, existiert längst nicht mehr. Auch venezianische Renaissancedecken, die Wilhelm von Bode in Italien erworben hatte, waren nach dem Krieg verschollen. Im Keller des Pergamonmuseums wurden sie schließlich wieder gefunden und sollen nach der Renovierung an ihrem alten Platz angebracht werden.

Im kleinen Treppenhaus wird das Geländer vergoldet. Schicht für Schicht wird das Haus schlossähnlich gemacht. Viele Pinselstriche sind nötig, um dem Museum seinen königlichen Glanz wiederzugeben. Im Februar 1945 zerstörten mehr als 25 Volltreffer das Kaiser Friedrich Museum fast ganz. Nach der Wiedervereinigung wurde jahrelang diskutiert, wie die Kunstwerke der Museumsinsel - nach dem Krieg in Ost und West verstreut - neu geordnet werden sollten. Erst 1999 entschied man, im Bode-Museum Skulpturen und Münzen, byzantinische Kunst und Teile der Gemäldesammlung zu zeigen.

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