Baustelle Berlin

New York als Vorbild für die Museumsinsel

Um in der absoluten Oberliga mitzuspielen, fehlt noch allerhand. Deshalb holt man sich in der Hauptstadt Anregungen aus aller Welt, um die Museumsinsel zum Besuchermagneten zu machen.

Metropolitan Museum of Art in New York
Das Besucherkonzept des Metropolitan Museum of Art ist vorbildhaft. Quelle: reuters

Neue Architektur kann es auf der Museumsinsel ja nur beim neuen Eingangsgebäude geben. Geplant sind auch Ausstellungsräume in der oberen Etage für wechselnde Themen. Räume, die vor allem funktional und flexibel sind. Tageslicht kommt von oben - Licht, das auch das Wechselspiel der Natur, Wolken- und Schattenbildungen hereinlässt.



Visitenkarte der Museumsinsel

"Die obere Etage des Gebäudes ist für Wechselausstellungen vorgesehen, das ist eine sehr wichtige Ergänzung zur Museumsinsel", sagt Architekt David Chipperfield. "Erinnern Sie sich: Die Museen zeigen fast ausschließlich ständige Sammlungen. Wechselausstellungen und Events sind für die Besucher eine Einladung wieder zu kommen - sie bringen auch frische Luft in das Ganze."

Noch können die Museumsbesucher auf der Insel nur historische Räume genießen, die Schönheit klassizistischer Ästhetik vor allem in der Alten Nationalgalerie. Seit Dezember 2001 fertig restauriert und modernisiert, gilt sie als Visitenkarte der zukünftigen Museumsinsel. Schon eine Million Menschen haben sie seit der Wiedereröffnung besucht, haben die Kunst des 19. Jahrhunderts genossen, Malerei von Menzel bis Manet, Skulpturen von Schadow bis Rodin.

Anschluss an die Oberliga

"Das ist für mich das Schönste, was ich seit langem gesehen habe. Das Gebäude der Alten Nationalgalerie und die ausgestellten Kunstwerke passen wirklich wunderschön zusammen", lobt ein Besucher. "Ich denke, das Gebäude an sich ist ein Kunstwerk", meint ein Passant. Und ein Pärchen freut sich nach dem Besuch: "Wir haben es wirklich genossen." Aber trotzdem gibt's noch einiges zu verbessern. Wo in anderen Museen Shops und Restaurants warten, findet man hier einen besseren Büchertisch und einen Espresso-Stand. Um in der absoluten Oberliga mitzuspielen, fehlt noch allerhand.

Oberliga, das ist vor allem das Metropolitan Museum of Art in New York, das größte Museum in der neuen Welt. Bis zum 11. September 2001 kamen rund fünfeinhalb Millionen Besucher pro Jahr. Immer wieder werden neue Rekorde verbucht. Repräsentativ und eindrucksvoll ist das Foyer, ganz auf individuelle Besucher abgestimmt. Die Eintrittsgebühr wird freiwillig bezahlt. Gleich daneben gibt es eindrucksvolle Souvenirgeschäfte, geschmackvoll und für jeden Geldbeutel attraktiv. Hier werden Millionenumsätze erzielt.

Tipps für die Museumsinsel

Das Besucherkonzept ist so erfolgreich, dass die Leiterin der Abteilung Öffentlichkeit von ihren Berliner Kollegen um Tipps für die Museumsinsel der Zukunft gebeten worden ist. "Ich habe ihnen vor allem gesagt, dass sie von Massen von Besuchern ausgehen sollen. Obwohl ich nicht viel von der Berliner Museumsinsel weiß, würde ich auf jeden Fall hingehen", sagt Kathleen Garcia, Leitung der Öffentlichkeitsarbeit im Metropolitan Museum. "Ich stelle immer wieder mit Bedauern fest, dass es egal wie modern die Museen sind, immer zu wenig Platz für Garderoben gibt, für die Möglichkeit, etwas zu essen, zu wenig Toilettenanlagen. Die Besucher müssen es doch bequem haben."

Im Metropolitan Museum hat man für diese Zwecke überall kleine Cafes eingerichtet, in denen man den Rundgang unterbrechen kann. Restaurants laden ein zu Austausch und Begegnung, Bänke zum Durchatmen und Erholen. So kann man die Fülle der 100.000 Kunstwerke ganz entspannt und ohne jede Museums-Fatigue genießen, ob im American Wing oder in den zahlreichen andern Abteilungen. Nicht nur die Kunst des Abendlandes wird hier gezeigt, sondern auch die vieler anderer Kulturen. Eine riesige Enzyklopädie: Weltreise und Zeitreise in einem.

Museumsbesuch als Erlebnis

Viel weiter ist man in den letzten Jahren im Brooklyn Museum New York gegangen, dem zweitgrößten Museum in den USA. Nicht nur der neue Eingang soll die Schwellenangst mindern. Auch im Haus will man für alle Besucher da sein, alte und junge, solche mit mehr und solche mit weniger Vorkenntnissen. Deshalb hat man vor kurzem angefangen, die ständigen Sammlungen anders zu präsentieren. Schätze aus Ägypten, bisher fast überall klassisch in weißen Räumen ausgestellt, bekommen ein neues Ambiente. Farbig, kräftig bunt geradezu werden die Räume jetzt. Ungewohnt, überraschend sollen die Objekte erscheinen, die Begegnung mit ihnen zum Erlebnis werden. Erste Anzeichen einer Disneylandisierung?

"In den USA hört man immer wieder den Vorwurf: Sie verdummen die Leute. Sie machen es für den Besucher zu simpel. Aber nichts von dem, was wir machen, bedeutet, dass wir die Leute auf einem niedrigen Niveau ansprechen", sagt Arnold Lehmann, Direktor des Brooklyn Museum of Art. "Wir vermeiden, mit ihnen in einer Sprache zu sprechen, die außer uns niemand versteht. Wir sprechen kein Fachchinesisch mehr, sondern bringen Emotionen in unsere Ausstellungen. Uns geht es darum, dass die Besucher bei uns wirklich außergewöhnliche Erfahrungen mit der Kunst machen."

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