Berliner Probleme

Chipperfields Projekt liegt auf Eis

Zurück nach Berlin auf die Museumsinsel. Auch hier steigen die Besucherzahlen. Doch die Eingangshalle ist klein und altmodisch eingerichtet, Book-Shop und Souvenirladen in die Ecke geklemmt. Die Museumsinsel präsentiert sich nicht allzu besucherfreundlich.

Besucher vor dem Pergamonaltar
Der Pergamonaltar zählt zu den absoluten Highlights auf der Museumsinsel.

Über 800.000 kamen allein 2003 ins Pergamonmuseum. Dort sind Kunstwerke, die jeder sehen will, allen voran der berühmte Pergamonaltar mit seinem Gigantenfries. Faszinierend ist allein schon die Originalgröße. Aus aller Welt kommen die Besucher hierher - mit großem Interesse, aber auch manchmal wenig Zeit. Wie sie auf der Insel empfangen werden ist nicht gerade Hauptstadt-like.

Ort für Individualisten

Die Toilettenanlagen sind immer noch eins der letzten Relikte aus der DDR-Vergangenheit. Froh ist, wer eine der wenigen Sitzgelegenheiten ergattert, um sich zu informieren und auf den Rundgang vorzubereiten. Wer irgendwann Pause machen und etwas zu sich nehmen will, muss erst noch mal raus aus dem Museum über den Hof, wo ein kleines Café etwas zu essen anbietet. Das Ganze ist alles andere als repräsentativ und besucherfreundlich.

Sorgen macht sich der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor allem wegen der Zukunft, wenn Nofretete auf die Insel zurück kehrt und drei bis vier Millionen Besucher pro Jahr erwartet werden.

So könne man die Individualisten mit den historischen Eingängen konfrontieren. "Sie können direkt zu ihren Objekten gehen. Die Gruppen können quasi über die Promenade dann aus diesem Eingangsgebäude schwerpunktartig in die Bereiche gehen, wo sie wollen", sagt Lehmann. "Gruppen haben eben auch nur eine halbe bis dreiviertel Stunde Zeit. Also müssen sie auch sehr präpariert und gezielt dahin gehen, dass sie auch wirklich sagen: Das ist wunderbar, 'overwhelming' wie die Amerikaner immer zur Museumsinsel sagen."

Ganz Hauptstadt-like

Mit dem Eingangsgebäude, das David Chipperfield entworfen hat, wären solche Sorgen erledigt. Er ist erst bei Planungsstufe drei von neun angekommen, da das Projekt offiziell auf Eis liegt. Aber immer wieder nutzt er die Zeit, um seine Ideen zu konkretisieren und fortzuführen. Er plant eine "riesige Garderobe, verschiedene Stände, die zum Beispiel Informationen zu Tickets und zu Kulturereignissen in Berlin geben. Da ist wirklich viel Platz, wo man herumschlendern kann, seinen Mantel loswird, die Kinder noch mal zur Toilette können, sich die Massen verteilen."

Das Material für das neue Eingangsgebäude soll natursteinfarbener Architekturzement in einem warmen neutralen Ton sein. Das Souterrain des Gebäudes führt zu unterirdischen Verbindungen mit den Museen, während das Erdgeschoss alle Versorgungsbereiche aufnimmt, einen Ausgang zum Neuen Museum hat und mit seiner Vorderfront auf das Alte Museum und den Lustgarten weist.

Die sechste Tür

Die ganze Animation ist immer noch "work in progress", überall Hilfslinien für die Computerbilder. Die mehr als einmal für ihre Animationen ausgezeichnete Firma Art + Com ist nicht gerade glücklich darüber, dass die Mittel für eine Weiterentwicklung des Programms nicht zur Verfügung stehen.

So kann auch nur angedeutet werden, wie das neue Eingangsgebäude - die sechste Tür auf der Museumsinsel - funktionieren soll, wie die Möglichkeit geschaffen wird, trockenen Fußes zum so genannten Kurzrundgang im Pergamonmuseum und zur archäologischen Promenade, der unterirdischen Verbindung der Museen, zu gelangen. Noch sind alle diese Dinge machbar und gewollt, wenn auch immer wieder diskutiert.

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