Das Glück wendet sich

Zwei Gemahlinnen für den König

Alles scheint in Ordnung für Echnaton und Nofretete, da nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Kija taucht auf, die neue Frau an Echnatons Seite. Seit 1959 wissen die Forscher, dass es eine zweite Gemahlin gab, nicht irgendeine Haremsdame, sondern eine ganz besondere Frau. Eine junge schöne Konkurrentin unbekannter Herkunft.

Kija
Welche Macht hatte Kija, und warum fiel sie in Ungnade?

"Wir wissen von Kija eine ganze Menge", sagt Dorothea Arnold vom Metropolitan Museum New York. "Sie hatte sehr hohe Titel, nicht die der ersten Frau, aber trotzdem die einer Königin. Und es wurde allerhand für sie gebaut. Eine der Parklandschaften um Amarna herum, mit Heiligtümern und Seen. Da tritt sie mit ihrer Tochter auf. Genau so kam sie auch im Tempel vor, als opfernde Königin - allerdings nie zusammen mit Nofretete." War sie vielleicht eine Priesterin?

Schicksalsschläge

Aber irgendwann ist Kija in Ungnade gefallen, ihr Name wurde ausgelöscht. Seit dem zwölften Jahr von Echnatons Regierungszeit gibt es keinen Hinweis mehr auf ihre Existenz. Es bleibt ein Geheimnis, welche Rolle sie hatte, wer in den Tempeln von Achet-Aton die oberste Herrin war. Nofretete oder Kija? Wer hatte welchen Einfluss, welche Macht?

Für Nofretete jedenfalls, war das noch nicht der letzte Schicksalsschlag. Zehn Kilometer entfernt von Achet-Aton liegt das Königsgrab, das Echnaton für sie bauen ließ. Hier mussten beide aber zuerst die eigene Tochter, Mekaton, begraben. Auf einer Darstellung liegt sie tot auf dem Bett, die Eltern stehen völlig verzweifelt davor. Echnaton reicht Nofretete die Hand, um ihr Halt zu geben - eine erschütternde Szene.

Alterslose Schönheit

Die einzige Skulptur, die es von Nofretete gibt, zeigt sie als gealterte Frau. Immer noch mit königlicher Haltung. Aber die Schultern sind wie von einer schweren Last nieder gedrückt. Die Brüste sind nicht mehr straff, das Kleid aber trotzdem erotisch transparent. Das Gesicht ist gezeichnet. Wann Nofretete gestorben ist, wissen wir nicht. Um das Jahr zwölf der Regierungszeit von Echnaton ist sie jedenfalls von der offiziellen Bildfläche verschwunden.

In Berlin, beim Umzug von Nofretetes Büste wird plötzlich deutlich, wie viele Facetten ihr Gesicht hat. Museumsfotograf Jürgen Liepe beleuchtet sie immer wieder anders. Ein faszinierender Vorgang. Aus der glamourösen alterslosen Schönheit wird eine Frau mit Persönlichkeit. Aber die faszinierende Ausstrahlung bleibt.

1992 hat Dietrich Wildung vom Ägyptischen Museum Berlin versucht, dieser Wirkung auf die Spur zu kommen. Mittels einer Computertomografie fand er Überraschendes heraus. "Der Befund ist wichtig, weil er uns zeigt, dass Nofretete ein Versuchsstück im Bildhaueratelier war, ein Objekt der Formfindung. Der Künstler hat sich langsam an die Idealform herangetastet hat." Nofretete ein Modellkopf? Wurde hier ein neuer Typ, ein neues Image geschaffen? Und wozu brauchte man dieses Image?

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