Das Museum als Event

Diskussionen um Hülle und Inhalt

Auch anderswo wird gerade gebaut: Museen, die dem Besucheransturm entgegenkommen, den Ruf nach Größe, Eindruck und Effizienz erfüllen wollen.

Museum "Phaeno" in Wolfsburg
Aufsehen erregende Architektur: Museum "Phaeno" in Wolfsburg

Beim Museum of Modern Art in New York geschieht das aber auf ganz andere Weise. Unspektakulär soll es zu einem organischen Teil der Stadt werden, für seine Umwelt ein Spiegel sein. Vergrößerung ja, mehr als 50 Prozent, neuer Eingangsbereich auch - der Stil bleibt aber deutlich zurückhaltend. Architekt Yoshio Taniguchi will Räume für die Menschen und für die Kunstwerke schaffen. "Es geht mir nicht um Architektur allein. Deshalb sage ich immer: Es ist, als ob man eine japanische Teetasse kreiert. Für sich allein ist sie unbedeutend, erst wenn etwas hineinkommt, wird sie ein Ganzes und dann vielleicht auffallend."

Mehr als "nur" Architektur

Auch eine der extravagantesten Architektinnen ist in ihrem Schaffen bei Museumsbauten angekommen: Zaha Hadid. Im Mai 2004 wurde in Wolfsburg Richtfest gefeiert. Das Projekt - Phäno, ein Museum für Wissenschaft - ist schon in Grundzügen zu erkennen. Nichts ist hier rechtwinklig, nichts eckig, alles "floating elements": provokante Visionen als Herausforderung an die Baukunst, Entwürfe, die Grenzen überschreiten, die Zukunft vorwegnehmen. Nimmt Zaha Hadid in irgendeiner Weise Rücksicht auf das, was in dem Museum gezeigt werden soll? Interessiert sie das Verhältnis von Hülle und Inhalt?

Überwindung der Schwerkraft

"Für mich sind Museen zu Orten geworden, in denen man verschiedene Arten von Erfahrungen machen kann. Dabei spielt das Herumgehen eine besondere Rolle. Man erlebt Räume und bekommt ein Gefühl für sie", sagt die Architektin. "Gerade bei einem Museum für Wissenschaft finde ich das ganz wichtig, es handelt doch auch sonst von Experimenten und Erfahrungen."

Immer Aufsehen erregender, immer ausgefallener sollen die neuen Museen werden. Möglichst die Schwerkraft überwinden, wie beim Musée des Confluences, das in Lyon gebaut werden soll. "Eine sehr wichtige städtebauliche Überlegung war, dass das Museum nicht auf der Erde steht, sondern sozusagen fliegt. Es steht auf Stützen. Die Menschen, die von der Stadt aus kommend die Halbinsel besuchen, können unter dem Museum durchgehen", beschreibt Architekt Wolf D. Prix die Pläne.

Museumsarchitektur die abhebt, immer himmelsstürmender wird und in überdrehter Exzentrik ausflippt: Wie viel tut sie noch für die in ihr ausgestellte Kunst? Geht es nur noch darum, als Event und Marke Aufsehen zu erregen? Geht es um Selbstdarstellung und Extravaganz als Qualitätsmerkmal? Die Diskussion ist im Gang. Sind Form und Inhalt ein Gegeneinander oder ein Weg zu einem neuen Ganzen?

Museumsarchitektur als Herausforderung

"Eine Architektur, die auf die Plätze zwingt und definiert, dass ein bestimmtes Bild des Anuk Nur an diesem Ort gestellt oder gehängt werden kann, ist sicherlich nicht eine Museumsarchitektur, die uns weiterbringen kann", urteilt Michael Eissenhauer, Präsident des Deutschen Museumsbundes.

"Aber eine Museumsarchitektur, die eine eigene Geste entwickelt und eine Selbstständigkeit formuliert und sich selber auch provozierend nach außen artikuliert, muss für eine starke Sammlung überhaupt kein Handicap sein, sondern eine Herausforderung."

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