Die Königin im Glück

Erotische Darstellungen eines göttlichen Paares

Eines der schönsten Objekte aus Amarna ist eine Abbildung aus den Felsengräbern, die zwei Hände darstellt. Nofretete hält Echnatons Hand. Die Abbildung strahlt viel Zärtlichkeit, Erotik und Sinnlichkeit aus. Die Figuren sind fast nackt, die Königin schlank und schön. Noch nie wurde so viel Intimität öffentlich zur Schau gestellt.

Ring mit Abbild von Nofretete und Echnaton
Der Ring mit dem Abbild Nofretetes und Echnatons wurde in Amarna gefunden.

Der Höhepunkt unter den Abbildungen findet sich im Grab des Mahu. Nofretete und Echnaton küssen sich bei der Fahrt zum Tempel. Es werden Zuneigung und Zusammengehörigkeit dargestellt, aber auch die gottgewollte Vereinigung und Fruchtbarkeit.

Würdevolle Prinzessinnen

Fast immer haben in der Amarnazeit die Abbildungen auch eine religiöse oder politische Bedeutung. Sechs Töchter haben Echnaton und Nofretete, hübsche Prinzessinnen, die sich auf der Abbildung aus dem Grab des Mahu fröhlich einander zuwenden. Würdevoll ahmen sie die Gesten der Mutter nach. Wären da nicht die hässlichen, fast abstoßenden Köpfe, weit nach hinten ausladend. Heute glaubt man, dass es keine Krankheit, sondern wohl eher eine genetische Veranlagung war, die in der übersteigerten Form zum Ausdruck des Schöpfungsthemas wird.

Dorothea Arnold vom Metropolitan Museum New York erklärt: "Das Ei als der Moment, kurz bevor etwas erschaffen wird, wenn es aufbricht. Das war für die Ägypter enorm wichtig. Die Vorstellung heißt immer, der König war schon im Ei König!" Möglicherweise sei dies bei den Prinzessinnen, "die eine Art Garant des fortlaufenden Schöpfungsgangs in dieser Königsfamilie sind", assoziiert worden, meint Arnold.

Starke Position der Frau

Die Sonne des Schöpfergottes Aton ist reines Licht. Die Familie von Nofretete und Echnaton wird unter seinen Leben spendenden Strahlen dargestellt. Es ist eine Szene voller Dynamik, eine Momentaufnahme geprägt von Innigkeit. Das Bild ist aber auch politisches Programm: Echnaton sitzt auf dem ungeschmückten Thron und Nofretete auf dem, der die Pflanzen des vereinigten Königreiches trägt.

Die generell starke Position der Frau in der altägyptischen Gesellschaft und im Königshaus sei bei Nofretete noch einmal stark gesteigert worden, beobachtet Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin. Nofretete trage auf einigen Darstellungen einen bisweilen stärker politischen Charakter als der König, "für den Philosophie und Religion im Vordergrund des Interesses gestanden zu haben scheinen".

Göttergleiches Paar

Aber auch im religiösen Bereich bekommt Nofretete eine neue Rolle zugewiesen: Echnaton entscheidet, dass nur sie an seiner Seite dem Sonnengott opfern darf, und dass sie beide - als Paar - wie Götter angebetet werden: ein Novum in der Geschichte Altägyptens. Auf einem Ring, der in Amarna gefunden wurde, werden sie wie eines der obersten Götterpaare dargestellt.

Dorothea Arnold erklärt: "Man sieht die beiden Götterfiguren, der männliche Gott auf der linken Seite mit der Feder auf dem Knie ist Schu - und gegenüber sitzt eine weibliche Göttin, Tefnut. Echnaton und Nofretete wurden mit diesen beiden Göttern identifiziert." Gemeinsam mit Gott Aton bildete das Paar eine Art Dreifaltigkeit.

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