Die Rückkehr der Großen Meister

Die Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie

An riesigen Kränen hängend kehrten sie zurück: die Fresken der "Casa Bartholdy", die wie viele andere Kunstschätze während der Sanierung der Alten Nationalgalerie in andere Bauten der Berliner Museumsinsel ausgelagert worden waren. Mit ihnen traten über 500 Gemälde und Skulpturen deutscher, französischer und anderer europäischer Künstler die Heimreise an.

Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin
Die "Alte Nationalgalerie" wurde 2001 neu eröffnet.

Sie kamen von Wanderausstellungen aus Übersee oder aus diversen Depots in das Museum, das schon immer eher als ein nationaler Kunsttempel denn als einfaches Museum begriffen wurde - und das jetzt in neuem Glanz erstrahlt. Die Alte Nationalgalerie ist als erstes von fünf Museumsgebäuden fertiggestellt worden, bis 2015 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Während der dreijährigen Restaurierung entfachten sich heftige Debatten über die Finanzierung, die immerhin mit einer Milliarde Euro zu Buche schlägt. Doch mit der Wiedereröffnung des Unesco-Weltkulturerbes sind viele der Querelen vergessen. Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte die Wiederherstellung der "einzigartigen Museumstempel" zur Chefsache und ist sich sicher: "Wir werden das schaffen".

Symbol des geeinigten Deutschlands

Die Idee für den Museumskomplex geht auf Friedrich Wilhelm IV. zurück, den politisch weniger als kulturell erfolgreichen Romantiker auf dem Thron. Er hatte die Vision von einem Forum für Kultur und Wissenschaft in Berlin. Viel Bildung, ganz im Sinne der Aufklärung, für immer selbstbewusster werdende Bürger. Friedrich August Stüler, ein Schüler Schinkels, nahm diese Idee in seinen Entwurf auf und konzipierte die Nationalgalerie als Kunsttempel, hoch auf einem Sockel nach dem Vorbild der Walhalla. Als die Alte Nationalgalerie im Jahr 1876 erstmals ihre Tore für die Öffentlichkeit öffnete, war Wilhelm I. zum deutschen Kaiser gekrönt worden, und so galt der Bau immer schon als Symbol des geeinten Deutschlands. "Die Nation stellt sich in diesem Gebäude dar, bevor es die politische Einheit der Nation gegeben hat", so Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.

Das neue Selbstbewusstsein beherrscht nicht nur das monumentale Äußere. Nationale Repräsentation spiegelt sich auch in der Gestaltung der Innenräume wider, in den großzügigen Räumlichkeiten - und im Bestand der Werke. Denn anders als im Alten und Neuen Museum geht dieser nicht auf Sammlungen von Königsschlössern zurück, sondern auf Schenkungen und Leihgaben von Bürgern, beseelt vom Gedanken der Nation. Der Berliner Bankier und Konsul Wagner etwa vermachte dem Museum seine wertvolle Gemäldesammlung mit fast 300 Werken, darunter auch Schinkels "Dom am Meer".

Große Kunst und Geschmacklosigkeiten

So bildet die Malerei des 19. Jahrhunderts den Schwerpunkt des Museumsbestandes - mit Werken der berühmtesten Vertreter der deutschen Romantik wie Caspar David Friedrich oder Karl Friedrich Schinkel. Zu den Höhepunkten gehören aber auch die Gemälde französischer und spanischer Künstler, von Manet, Courbet, Delacroix bis Goya, die erheblichen Einfluss auf das künstlerische Schaffen ihrer Zeitgenossen ausübten. Für Generaldirektor Peter-Klaus Schuster steht diese Vielfalt im Vordergrund - und auch die Heterogenität, denn neben den großen künstlerischen Leistungen finden sich, wie er meint, durchaus einige "Geschmacklosigkeiten und Ungeheuerlichkeiten" der Zeit. Und für Schuster ist das 19. Jahrhundert nicht nur ein Jahrhundert "deutscher Selbstbesinnung auf die Nation", sondern zugleich die Verwandlung dieses "Kulturgebäudes mit durchaus nationaler Absicht in eine internationale Galerie".

Und so wird die Nationalgalerie auf neue Weise, mit neuer Sicht und im neuen Gewand zu etwas, was sie auch schon vor 125 war: weltoffen, innovativ, unabhängig und keineswegs Ausdruck nationaler Politik - auch wenn das immer wieder versucht wurde.

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