Die Schöne vom Nil auf Reisen

Neue Heimat für Nofretete

14 Millionen Menschen haben die Büste der Nofretete 38 Jahre lang im Ägyptischen Museum in Charlottenburg bestaunt. Nachdem das Haus am 28. Februar 2005 für immer geschlossen wurde, geht Nofretete noch einmal auf Reisen. Ab dem 13. August wird sie im Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel zu sehen sein.

Eingang zum Grab Ejes
Eingang zum Grab von Eje und Ti

Die Schöne vom Nil ist eine der mächtigsten und einflussreichsten Frauen Altägyptens, die Gemahlin des Pharaos Echnaton, eine geheimnisumwitterte und herausragende Königin der 18. Dynastie. Ludwig Borchardt, ein ägyptischer Altertumsforscher im Dienste Kaiser Wilhelm II. entdeckt ihre berühmte Büste 1912 in einer Ruine in der Wüste bei Amarna.

Mit bloßen Händen ausgegraben

Finanziert wird Borchardts Ausgrabungen von James Simon, einem Berliner Textil-Fabrikanten. 30.000 Reichsmark kostet eine Kampagne pro Jahr, über 200 Helfer sind daran beteiligt. In seinem Grabungs-Tagebuch hält Borchardt den Findungstag fest: "6. Dezember, 6.30 Uhr wach, 23 Grad. Um 12 Uhr große Aufregung. In Haus P 47.2. ist die Rückseite einer bunten Büste zum Vorschein gekommen - behutsames Weiterarbeiten mit den Händen." Dann erscheint die Königin.

Insgesamt 26 Gips- und Steinköpfe findet Borchardt in der Werkstatt des Thutmosis. Es sind Porträts der gesamten Königsfamilie. In der Riesenwerkstatt haben Hunderte von Bildhauern fast wie am Fließband unzählige Abbildungen des Herrscherpaares geschaffen.

Prachtvolle Gräber

Echnaton und Nofretete lebten östlich des Nils in einer weiten Ebene, die von Bergen geschützt wird. Heute gibt es dort nur noch Ruinen. Nichts ist geblieben vom Glanz von Achet-Aton, der Stadt, die Echnaton für seinen Sonnengott geschaffen hat und in der bis zu 100.000 Menschen lebten. Von ihrem Alltag zeugen Gräber, die in die Felsen gehauen sind. Mehr als 20 Begräbnisstätten von reichen Bürgern wurden oberhalb der Stadt entdeckt.

Besonders prachtvoll ist das Grab von Eje und Ti. Sie müssen am Hof des Pharao einen hohen Rang gehabt haben. Überall an den Wänden sind Echnaton und Nofretete mit ihren Töchtern verewigt. Wichtiger aber ist am Eingang das ungewöhnlich fein gearbeitete Relief des Paares Eje und Ti. Der Text neben der Frau bezeichnet sie als "Kinderfrau der Großen königlichen Gemahlin Nofretete". Ti war also die Amme der Königin. War Nofretetes Mutter gestorben? Und war der Mann neben Ti, Eje genannt, vielleicht Nofretetes Vater?

Familienbande

Ein hoch angesehener Mann bei Hofe hieß ebenfalls Eje. Er spielte eine besondere Rolle in Karnak. Beim Militär und als Vordenker der Politik war er dort schon Ratgeber von Echnatons Vater, Amenophis III. Ein Kopf im Ägyptischen Museum Berlin, der wohl Eje darstellt, hat sehr markante Züge. Diese findet man im Gesicht der Mumie von Juja wieder. Die Ähnlichkeit ist frappierend. War er vielleicht Ejes Vater? Juja war Priester und stammte aus einer hoch angesehenen bürgerlichen Familie, wie auch seine Frau Tuja. Die Familie kam aus Achmim in Mittelägypten, nahe der heutigen Stadt Sohag.

Teje, Nofretetes Schwiegermutter, könnte unter Umständen sogar ihre Tante gewesen sein. Teje war eine einflussreiche mächtige Königin. Eine kolossale Statue im Museum Kairo zeigt sie auf Augenhöhe mit ihrem Mann Amenophis III. Nicht selten hat sie zusammen mit ihrem Mann die Staatsgeschäfte geleitet. Teje, die starke Frau auf dem Thron, war Vorkämpferin, Vorläuferin und wohl auch Vorbild von Nofretete.

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