Endspurt auf der Jahrhundertbaustelle

Die Wiedereröffnung rückt näher

Nachdem das Bode-Museum neun Jahre lang renoviert und umgebaut wurde, glänzt es wieder an der Spitze der Berliner Museumsinsel. Bereits am 28. November 2005 wurde der Schlüssel für das Gebäude an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Damit war die 154 Millionen Euro teure Renovierung abgeschlossen.

Bodemuseum am Abend
Im Oktober 2006 wird das Bodemuseum wieder eröffnet. Quelle: mev

In den letzten Wochen vor der Wiedereröffnung laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die Restauratoren und Kuratoren haben alle Hände voll zu tun. Als eine der letzten Skulpturen zieht die über 500 Jahre alte Dangoldsheimer Madonna ins Bode-Museum ein. Ursprünglich wurde diese Figur für ein Kloster geschaffen und stand nach dessen Verfall über hundert Jahre in einem Bauernhaus. Dort entdeckte sie ein Kunsthändler und die Madonna kam über England nach Berlin. Das Gold ist mittlerweile verblasst, die Krone wurde ihr gestohlen. Dennoch ist die meisterhaft geschnitzte Skulptur eine der schönsten Schöpfungen der Spätgotik.

Wiedervereinte Kunst

Auch der Direktor der Skulpturensammlung Arne Effenberger hilft den Ausstellungsmachern, einen geeigneten Platz für die über 1700 Skulpturen zu finden, die ins Bode-Museum zurückkehren. Viele Exponate haben eine ungewöhnliche Geschichte, wie zum Beispiel ein hundert Kilogramm schwerer Christus, der aus einer romanischen Kreuzigungsgruppe aus der Moritzkirche in Naumburg stammt. Gleich neben ihm eine Maria. Beide waren nach dem Zweiten Weltkrieg getrennt, Maria in West-, Christus in Ost-Berlin. "Die Maria war in Dahlem, aber nun ist seit 67 Jahren endlich wieder alles zusammen", sagt Arne Effenberger.

Die Renovierungsarbeiten im Inneren des Bode-Museums beginnen im Mai 2001. Mit Brechstange und Vorschlaghammer werden die Stuckverzierungen von den Wänden gehauen. Alles wird auf den Rohbau zurückgeführt, das ganze Haus wird komplett ausgeweidet. Hundert Jahre nach seiner Entstehung und immer noch von den Wunden des Zweiten Weltkrieges gezeichnet, muss das Gebäude von Grund auf saniert werden. Als die Stahlträger freigelegt sind, wird deutlich, dass der Rost die Tragfähigkeit des Hauses bedroht. Wenige Monate später, am Tag des offenen Denkmals im September 2001, dürfen zum ersten Mal Schaulustige die Arbeiten an der großen Kuppel des Museums besichtigen. Nachdem sie während der DDR-Zeit notdürftig mit Schiefer bedeckt war, bekommt sie wieder ein Kupferkleid, das dem ursprünglichen Zustand entspricht.

Kuriose Sammlungen

Das Bode-Museum entstand ab 1896 auf einem nassen Dreieck zwischen Kupfergraben und Spree. Der Generaldirektor der Königlichen Museen Wilhelm von Bode beauftragte den Architekten Eberhard von Ihne mit dem Bau. Der ließ sich unter anderem vom Invalidendom in Paris inspirieren und schuf eine prachtvolle Renaissancefassade für das Museum. Vor dem Eingang fand sich ein Reiterstandbild von Kaiser Friedrich, dem 88 Tage Kaiser, dem das Museum gewidmet war. In den prunkvollen Räumen waren Bilder, Skulpturen, Teppiche und Möbel aus verschiedenen Epochen ausgestellt. Den Stil des Hauses hatte Bode zusammen mit Kaiser Friedrich und dessen Frau Victoria entwickelt: schöne Räume, die die Schönheit der Werke widerspiegeln.

Schon immer sammelten die preußischen Hoheiten Kuriositäten und Kunstobjekte, die - in den Schatzkammern ausgestellt - ihren Residenzen Glanz verliehen. Was von der Sammlung der Kurfürsten heute noch erhalten ist, wird im neuen Bode-Museum präsentiert. Die Sammlung bestand schon vor dem 30-jährigen Krieg, doch fast alle Stücke verschwanden in dieser Zeit oder wurden zerstört. "Der große Kurfürst hat nach dem Krieg alles wieder gesammelt und aufgebaut und genau das ist heute der Grundstock der Museen", erklärt Hans-Ulrich Kessler, Kurator der Skulpturensammlung. Viele Stücke sind Anspielungen auf das Königshaus, wie zum Beispiel Adam und Eva, 1646 anlässlich der Eheschließung des Kurfürsten geschaffen. Bei der Adamsfigur sind deutlich die Züge von Friedrich Wilhelm zu erkennen.

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