Kampf der Konzepte

16 Architekten stellen ihre Ideen vor

Begonnen hat alles 1990: Nach der Wiedervereinigung sollten alle in Ost und West verstreuten archäologischen Sammlungen wieder auf die Museumsinsel. Seit dem Sommer 2003 wird das "Neue Museum", die schönste Baustelle Berlins, restauriert.

Neues Museum
Ab 2009 sollen jährlich eine Million Menschen das Neues Museum besuchen.

Fast 60 Jahre lang war das kostbare Gebäude Wind und Wetter ausgesetzt. Besonders schonend soll es in der nächsten Zeit instandgesetzt werden. Ab 2009 werden dann bis zu einer Million Menschen jährlich das fertige Haus besuchen. Für maximal 100 Besucher gleichzeitig hatte es August Stüler 1855 geplant. Was braucht es, damit bei so einem Andrang das, was jetzt restauriert wird, nicht kaputt geht?

Zwischen Altem und Neuem Museum soll das Eingangsgebäude stehen, die Besucher willkommen heißen, ihnen Orientierung geben. Es soll ein neues Wahrzeichen für Berlin sein - also das, was man sich von einem Museum von morgen wünscht. Zurzeit ist der Ort noch ein Abstellplatz.

Mehr Platz für die Kunst


Begonnen hat alles 1990. Nach der Wiedervereinigung war klar: Alle archäologischen Sammlungen, nach dem Krieg in Ost- und Westberlin zerstreut, sollten wieder auf die Museumsinsel - also auch die ägyptischen Sammlungen aus dem Bodemuseum aus Charlottenburg, allen voran Nofretete, aber auch große Tempel. Dazu brauchte man mehr Platz, als es ihn im seit 1938 geschlossenen, schwer beschädigten Neuen Museum gab. Nach einem Wettbewerb zu seiner Wiederherstellung und "der Errichtung von Ergänzungsbauten" schien 1994 die Entscheidung gefallen zu sein. Aber damit begann erst der "Kampf der Konzepte": In den Archiven der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind die zehn Jahre alten Modelle zu finden - ein Blick in die Vergangenheit.

Zum Wettbewerb eingeladen waren 18 Architekten, 16 haben teilgenommen. Das Größte von allen Modellen ist das von Frank Gehry. Im Wettbewerb hat er nur den vierten Platz bekommen. Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums und 1994 Jurymitglied erinnert sich: Es waren schwierige Sitzungen, die Juroren von Denkmalschutz und Bundesbaudirektion, von Berlin, dem Bund und der Stiftung preußischer Kulturbesitz. Schließlich ging der erste Preis an Giorgio Grassi. Die Museumsleute nannten den Entwurf "Gefängnismauer" - aber mit einem Trick wurden sie ihn los.

Votum des Bauherrn

"Wir haben von dem Recht des Bauherrn, ein Sondervotum einzubringen, Gebrauch gemacht, mit Hinweis auf die Funktionen, die wir von diesem Bauwerk erwarten mussten", sagt Wildung. "Angesichts der exakt errechenbaren künftigen Besucherzahlen gelang es, das Ergebnis der ersten Runde auszuhebeln und eine zweite Runde zu fordern." Auch diese zweite Runde hat aber nicht zu einem endgültigen Ergebnis geführt. Schließlich wurde David Chipperfield mit der Entwicklung eines neuen Eingangsgebäudes beauftragt.

Chipperfields Pläne

"Wir stellen uns das Gebäude vor allem massiv aber lichtdurchlässig vor, ungefähr wie Milchglas", erklärt Architekt David Chipperfield. "Es gibt zwei größere Baukörper, die herausragen und zum Volumen des Pergamonmuseums eine Verbindung herstellen. Sie treten schrittweise zurück, dem Verlauf des Kanals folgend. Der vordere Baukörper richtet sich dabei nach dem Lustgarten aus. Wichtig ist, dass das Gebäude in der Mitte niedriger bleibt, um die Silhouette des Neuen Museums sichtbar zu lassen."

Eine spannende Verbindung von alt und neu: Glas als typisches Material des 21. Jahrhunderts, benutzt mit Respekt vor der Vergangenheit. Viele Museen schaffen zurzeit neue Eingangssituationen. Ein Beispiel ist das K21, Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts in Düsseldorf: eine lichte Kuppel fürs Foyer, Weite für einen großzügigen Empfang, viel weiß, Glas und Stahl.

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